
Sunrise Avenue in Mannheim: Sommernacht vor 14.000 Fans
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Finnische Flaggen über den Köpfen, selbst gebastelte Plakate in den ersten Reihen und ein warmer Augustabend über dem Maimarktgelände. Viele Fans hatten schon Stunden vor Konzertbeginn ihre Plätze am Bühnenrand gesichert, als am 22. August 2015 schließlich Sunrise Avenue in Mannheim auf die große Open-Air-Bühne kamen. Rund 14.000 Besucher feierten Samu Haber, Riku Rajamaa, Raul Ruutu, Sami Osala und Osmo Ikonen beim Mannheimer Stopp ihrer „Fairytales – Best Of Tour“. Kurz vor 20 Uhr war die lange Wartezeit vorbei. „Funkytown“ setzte ein, vorne gingen sofort die Hände hoch und aus dem weitläufigen Maimarktgelände wurde für die nächsten knapp zwei Stunden eine ziemlich große finnische Pop-Rock-Party.
Van Royals und Carpark North eröffnen den Sommerabend
Schon deutlich früher gehörte die Bühne zwei Bands, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Kurz vor 18 Uhr feierten zunächst Van Royals ihr Open-Air-Debüt. Die Formation war aus der ProSieben-Castingshow „Die Band“ hervorgegangen und von Samu Haber selbst zusammengestellt worden. Mit dabei war der Heidelberger Schlagzeuger Julian, womit der Support sogar einen direkten Bezug zur Region bekam. Danach übernahmen die Dänen Carpark North und brachten mit elektronisch gefärbtem Rock deutlich mehr Druck auf die große Bühne.
Als die Umbaupause begann, wanderte der Blick im Publikum trotzdem immer wieder nach vorne. Sunrise-Avenue-Shirts dominierten längst das Gelände, finnische Fahnen wurden ausgerollt und besonders in den ersten Reihen stieg die Lautstärke mit jeder Minute. Hier wartete niemand auf irgendeine Band. Hier warteten Tausende auf Samu Haber.
Sunrise Avenue brauchen ein paar Songs bis zur vollen Temperatur
Mit „You Can Never Be Ready“ kam nach dem Auftakt schnell der erste deutlich hörbare Mitsingmoment. „I Can Break Your Heart“, „Little Bit Love“ und „Afraid of the Midnight“ folgten, bevor „Lifesaver“ das Publikum endgültig breiter erreichte. Der Abend entwickelte sich dabei nicht als permanente Vollgas-Show. Sunrise Avenue ließen sich Zeit, wechselten zwischen rockigeren Passagen und ruhigeren Momenten und bauten das Konzert eher Stück für Stück auf.
Samu Haber stand dabei natürlich im Zentrum. Schwarzes Shirt, Gitarre, dieses breite Grinsen und immer wieder direkte Ansagen an die Fans. Neben ihm sorgte Riku Rajamaa an der Gitarre für deutlich mehr Rockkante, während Raul Ruutu, Sami Osala und Osmo Ikonen das Fundament hielten. Gerade Osmo Ikonen bekam später noch seinen eigenen großen Moment und brachte bei „I Don’t Dance“ mit Rap und sichtbarer Spielfreude noch einmal Bewegung auf die Bühne. Als die Sonne langsam verschwand, begann auch die Lichtproduktion ihre volle Wirkung zu entfalten. Laser schnitten durch die Dunkelheit, die Bühne bekam plötzlich eine ganz andere Größe.
„Hollywood Hills“ wird zum großen Maimarkt-Chor
Natürlich hatte die „Fairytales – Best Of Tour“ einen Vorteil: Sunrise Avenue konnten inzwischen auf einen Katalog zurückgreifen, bei dem kaum mehrere Songs vergingen, ohne dass der nächste bekannte Refrain auftauchte. „Forever Yours“, „Angels on a Rampage“, „Letters in the Sand“, „Out of Tune“ und „Choose to Be Me“ führten schließlich zu einem jener Titel, bei denen keine Aufwärmphase nötig war.
„Hollywood Hills“ funktionierte vom ersten Ton an. Tausende sangen mit, Arme gingen nach oben und für ein paar Minuten war ziemlich egal, wie weit hinten auf dem Maimarktgelände jemand stand. Dieser Refrain kam überall an. Ähnlich stark wirkten später „Sweet Symphony“ und „I Don’t Dance“, während „Nothing Is Over“ bereits im regulären Set daran erinnerte, dass Sunrise Avenue ihre größten Songs an diesem Abend geschickt verteilten.
Gerade die ruhigeren Passagen gaben dem Open Air zwischendurch Luft. Bei „Sweet Symphony“ und „Little Bit Love“ rückte Habers Stimme stärker in den Vordergrund, bevor Gitarren und Schlagzeug wieder anzogen. Das war weniger rohe Rockshow als eine sehr bewusst gebaute Best-of-Nacht, die zwischen Radiopop, Balladen und den älteren, kantigeren Sunrise-Avenue-Momenten wechselte.
„Fairytale Gone Bad“ muss bis ganz zum Schluss warten
Nach rund 90 Minuten verschwanden Sunrise Avenue zunächst von der Bühne. Das Maimarktgelände dachte allerdings überhaupt nicht daran, den Abend schon zu beenden. Lauter Applaus und Rufe holten die Band zurück. Mit „Welcome to My Life“ und „Dream Like a Child“ begann die Zugabe, danach rückte Osmo Ikonen mit einem längeren Klavierpart in den Mittelpunkt. Für einen Moment wurde es deutlich ruhiger auf dem Gelände.
Ein Song fehlte aber noch. Natürlich.
Als schließlich die ersten Töne von „Fairytale Gone Bad“ kamen, war die Reaktion sofort da. Der Hit, mit dem Sunrise Avenue 2006 weit über Finnland hinaus bekannt geworden waren, wurde zum erwarteten großen Finale. Rund 14.000 Menschen sangen, die Lichtshow lief noch einmal auf voller Stärke und Samu Haber hatte Mannheim endgültig dort, wo er es haben wollte.
Ein warmer Augustabend, finnische Fahnen vor der Bühne und dieser Refrain über dem Maimarktgelände. Nothing is over.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













