James Arthur bei der Bitter Sweet Love World Tour am 30. Januar 2024 in der Jahrhunderthalle Frankfurt

James Arthur bringt große Gefühle nach Frankfurt

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Manche Stimmen brauchen keine große Inszenierung, um eine Halle zu füllen. Bei James Arthur reichen oft wenige Takte. Am 30. Januar 2024 machte der britische Sänger mit seiner „Bitter Sweet Love World Tour“ Halt in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt und brachte sein damals gerade vier Tage zuvor veröffentlichtes fünftes Studioalbum „Bitter Sweet Love“ mit. Frankfurt gehörte zu fünf deutschen Stationen dieser ersten Tourphase. 

Der Abend lebte von starken Stimmen, sehr persönlichen Songs und einem Publikum, das bei den bekannten Refrains erstaunlich textsicher war. Große Effekthascherei brauchte es dafür nicht. Im Mittelpunkt stand James Arthur mit jener rauen, leicht brüchigen Stimme, die schon nach wenigen Sekunden unverkennbar ist.

NEVE eröffnet den Abend in der Jahrhunderthalle

Bevor James Arthur die Bühne übernahm, gehörte sie zunächst NEVE. Die irische Singer-Songwriterin begleitete ihn als Support auf mehreren europäischen Terminen der Tour, darunter auch Frankfurt. 

NEVE setzte dabei weniger auf große Gesten als auf ihre Stimme und ihre Songs. Das passte. Ihr Auftritt wirkte wie eine bewusste Einstimmung auf einen Abend, an dem Emotionen ohnehin deutlich wichtiger werden sollten als eine möglichst spektakuläre Bühnenshow.

Und das Frankfurter Publikum hörte zu.

Für einen Support-Act ist das längst keine Selbstverständlichkeit. Doch NEVE bekam die Aufmerksamkeit der Halle und nutzte ihre Spielzeit, um sich einem Publikum zu präsentieren, das wenige Minuten später vor allem auf einen Mann wartete.

Mit „Bitter Sweet Love“ direkt ins neue Kapitel

Gegen 21 Uhr war es soweit. James Arthur kam auf die Bühne und begann mit „Bitter Sweet Love“. Die Wahl war logisch: Der Titelsong seines neuen Albums eröffnete auch auf der Tour regelmäßig die Konzerte. Für Frankfurt ist eine Spielzeit von etwa 21 bis 22.35 Uhr dokumentiert. 

Direkt danach folgten „Blindside“, „Empty Space“ und „Can I Be Him“. Damit war die Richtung gesetzt.

Arthur wechselte zwischen neuem Material und Songs, die ihn schon seit Jahren begleiten. Gerade diese Mischung funktionierte. Niemand musste eine halbe Show lang auf die bekannten Stücke warten, gleichzeitig bekam das neue Album genügend Raum.

„Bitter Sweet Love“ war erst am 26. Januar erschienen. Produziert hatte Arthur das Album unter anderem wieder mit Steve Solomon, mit dem er bereits an seinem späteren Welthit „Say You Won’t Let Go“ gearbeitet hatte. 

Eine Stimme zwischen Verletzlichkeit und Kraft

James Arthur ist live besonders stark, wenn seine Songs nicht zu perfekt klingen.

Diese kleinen rauen Stellen in der Stimme gehören dazu. Sie geben Balladen wie „Falling Like the Stars“, „Naked“ oder „A Year Ago“ jene Verletzlichkeit, die auf einer Studioproduktion schnell verloren gehen kann.

Dann wieder konnte er hochschalten.

„Comeback Kid“ oder „Train Wreck“ entwickelten deutlich mehr Druck, und die Jahrhunderthalle ging mit. Arthur stand dabei nicht einfach vorne und sang sein Programm herunter. Er suchte immer wieder die Verbindung zum Publikum, ließ Refrains übernehmen und reagierte sichtbar auf die Stimmen aus der Halle.

Das machte den Abend nahbar.

„Rewrite the Stars“ und „A Thousand Years“

Mit „Rewrite the Stars“ griff Arthur auch einen Song auf, den viele durch „The Greatest Showman“ kennen. Seine Version gehört seit längerer Zeit zu seinem Live-Repertoire und funktionierte auch auf der „Bitter Sweet Love World Tour“. 

Noch einmal ruhiger wurde es bei „A Thousand Years“ von Christina Perri.

Solche Coverversionen passen zu James Arthur, weil er sie nicht einfach möglichst originalgetreu nachspielt. Seine Stimme verändert die Stücke automatisch. Aus sauber produziertem Pop wird etwas rauer Klingendes, manchmal fast Fragiles.

Gerade in der Jahrhunderthalle kam das gut zur Geltung.

Bei „Car’s Outside“ singt Frankfurt mit

Spätestens bei „Car’s Outside“ wurde deutlich, dass längst nicht mehr ausschließlich die ältesten Hits für die großen Reaktionen sorgen. Der Song entwickelte sich über die Jahre zu einem der populärsten Stücke aus Arthurs Album „You“.

Dann kam natürlich „Impossible“.

Mit seiner Interpretation des ursprünglich von Shontelle veröffentlichten Songs gewann James Arthur 2012 die britische Ausgabe von „The X Factor“. Mehr als ein Jahrzehnt später gehört das Stück noch immer zu den festen Größen seiner Konzerte. Auch 2024 war es einer seiner meistgespielten Live-Songs. 

Die Jahrhunderthalle brauchte bei diesem Refrain keine Aufforderung.

James Arthur konnte Teile davon einfach seinem Publikum überlassen.

„Say You Won’t Let Go“ darf nicht fehlen

Ein James-Arthur-Konzert ohne „Say You Won’t Let Go“ wäre schwer vorstellbar.

Der Song aus dem Album „Back from the Edge“ entwickelte sich nach seiner Veröffentlichung 2016 zu einem seiner größten internationalen Erfolge und ist bis heute eng mit seinem Namen verbunden. Auf der „Bitter Sweet Love World Tour“ gehörte er entsprechend zu den zentralen Momenten der Show. 

Und plötzlich wurde aus der großen Jahrhunderthalle wieder ein ziemlich intimer Raum.

Tausende Menschen sangen denselben Text. Manche laut, andere beinahe nur für sich. Genau solche Momente erklären besser als Verkaufszahlen, warum James Arthur über Jahre ein großes Publikum halten konnte.

Der Mann kann Balladen.

Aber ihn darauf zu reduzieren, wäre zu einfach.

Zwischen „Lasting Lover“ und neuem Material

Mit Songs wie „New Generation“ zeigte Arthur eine andere Seite seines aktuellen Materials. „Lasting Lover“, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Sigala, brachte wiederum mehr Pop und Bewegung in die Halle.

Das Konzert blieb dadurch musikalisch beweglich. Ruhige Passagen standen neben Songs mit deutlich mehr Druck, bekannte Stücke neben Material, das zum Zeitpunkt der Frankfurter Show gerade erst wenige Tage auf dem Markt war.

Genau das machte diesen Tourauftakt interessant.

James Arthur präsentierte nicht einfach ein Best-of-Programm. Er zeigte, wo er 2024 musikalisch stand, ohne die Songs zu ignorieren, wegen denen viele Besucher überhaupt gekommen waren.

Die „Bitter Sweet Love World Tour“ wurde später aufgrund der starken Nachfrage erweitert. 

Frankfurt erlebte sie ganz am Anfang.

Setlist James Arthur – Frankfurt 2024

Bitter Sweet Love
Blindside
Empty Space
Can I Be Him
My Favourite Pill
Falling Like the Stars
A Year Ago
Naked
From the Jump
Comeback Kid
Train Wreck
Rewrite the Stars
A Thousand Years
Just Us
Car’s Outside
Impossible
New Generation
Lasting Lover
Say You Won’t Let Go

Text & Foto © Jan Heesch

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