The Prodigy bei der Army of the Ants Tour 2023 in der Festhalle Frankfurt

The Prodigy entfesseln die Festhalle Frankfurt

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Es gibt Konzerte, bei denen sich die Lautstärke langsam aufbaut. Bei The Prodigy funktioniert das anders. Am 4. Dezember 2023 traf die britische Electronic-Legende mit ihrer „Army of the Ants Tour“ auf die Festhalle Frankfurt und machte vom Start weg klar, dass dieser Abend körperlich werden würde. Massive Bässe, Stroboskoplicht und eine ständig in Bewegung befindliche Menge bestimmten die nächsten anderthalb Stunden.

Auch mehr als vier Jahre nach dem Tod von Keith Flint blieb seine Präsenz Teil der Show. The Prodigy versuchen nicht, ihren früheren Frontmann zu ersetzen. Liam Howlett und Maxim führen die Band weiter und haben dabei einen Live-Sound bewahrt, der irgendwo zwischen Rave, Punk, Breakbeat und elektronischer Abrissbirne liegt.

Frankfurt wird zum riesigen Rave

Schon mit den ersten Beats war die Festhalle in Bewegung. Vor der Bühne verdichtete sich die Menge, Arme gingen nach oben und die tiefen Frequenzen waren weniger zu hören als körperlich zu spüren.

Im Zentrum stand Maxim, der permanent Kontakt zum Publikum suchte. Er lief über die Bühne, feuerte die Fans an und gab der ohnehin aggressiven Musik noch einmal zusätzlichen Druck. Dahinter kontrollierte Liam Howlett das elektronische Fundament der Show.

Genau diese Mischung macht The Prodigy live weiterhin besonders. Hier läuft keine klinisch saubere Elektroproduktion ab. Die Stücke wirken auf der Bühne härter und schmutziger, teilweise fast wie Punknummern, die zufällig von Synthesizern und Breakbeats angetrieben werden.

„Breathe“ und „Firestarter“ verlieren nichts von ihrer Wucht

Natürlich wartete Frankfurt auf die großen Klassiker.

Bei „Breathe“ brauchte es nur die ersten Sekunden, bis tausende Stimmen einsetzten. Songs, die bereits in den 1990er-Jahren Clubs und Festivalgelände zerlegt haben, funktionieren Jahrzehnte später erstaunlich selbstverständlich.

Und dann „Firestarter“.

Der Song ist untrennbar mit Keith Flint verbunden. The Prodigy machten daraus keinen gewöhnlichen Nostalgie-Moment, sondern ließen Musik, Licht und Bilder für sich sprechen. Gerade deshalb bekam der Titel eine andere Intensität als viele andere Stücke des Abends.

Mit Songs wie „Voodoo People“, „Omen“, „No Good (Start the Dance)“ und „Smack My Bitch Up“ konnte die Band ohnehin auf einen Katalog zurückgreifen, der die Entwicklung elektronischer Musik der vergangenen drei Jahrzehnte maßgeblich begleitet hat.

Stillstand gab es kaum.

Licht, Bass und Stroboskop im Dauerangriff

Optisch setzte die Produktion weniger auf verspielte Effekte als auf maximale Wirkung. Harte Lichtwechsel, Stroboskope, große Videoflächen und immer wieder aggressive Kontraste passten zum Sound.

Das Ergebnis war bewusst überfordernd.

Wenn Bass, Licht und Publikum gleichzeitig explodierten, entwickelte die alte Festhalle genau jene Atmosphäre, die zu The Prodigy passt. Kein gemütliches Zurücklehnen, keine langen Geschichten zwischen den Songs. Die Show wollte Bewegung.

Und Frankfurt lieferte.

Besonders im Innenraum entstanden immer wieder wilde Tanzflächen und Moshpits. Dabei zeigte sich auch, wie breit das Publikum inzwischen geworden ist. Fans, die The Prodigy schon während der Hochphase von „The Fat of the Land“ erlebt hatten, standen neben einer Generation, die viele dieser Songs erst Jahre später entdeckt hat.

The Prodigy funktionieren auch ohne Nostalgiebonus

Das Entscheidende an diesem Abend war allerdings nicht die Erinnerung an die 90er.

The Prodigy klangen nicht wie eine Band, die ihren alten Erfolgen hinterherläuft. Die Klassiker bilden zwar weiterhin das Rückgrat der Show, doch live bekommen sie genügend Druck und Schärfe, um nicht wie ein Retroprogramm zu wirken.

Liam Howlett und Maxim hielten das Tempo hoch. Große Ruhephasen gab es nicht, und genau dadurch entstand dieser typische Sog: Beat, Licht, Bewegung, nächster Beat.

Nach dem letzten Stück blieb eine verschwitzte Festhalle zurück.

Die „Army of the Ants Tour“ zeigte in Frankfurt ziemlich deutlich, weshalb The Prodigy weiterhin zu den außergewöhnlichsten Live-Acts der elektronischen Musik gehören. Ihre Musik funktioniert im Club. Sie funktioniert auf Festivals. Und in einer großen Halle entfaltet dieser kontrollierte Wahnsinn noch einmal eine ganz eigene Wucht.

Text und Foto © Jan Heesch

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