Kelly Family live bei der 25 Years Over the Hump Tour in der Festhalle Frankfurt

Kelly Family in Frankfurt: Kreischalarm und 25 Jahre „Over the Hump“

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Am 24. November 2019 war die Festhalle Frankfurt ausverkauft. Und wer geglaubt hatte, der große Kelly-Hype gehöre endgültig in die 90er, bekam an diesem Sonntagabend ziemlich schnell eine Antwort. Kelly Family in Frankfurtbedeutete kreischende Fans, hochgehaltene Arme, erstaunlich textsichere Refrains und jede Menge Erinnerungen. Gefeiert wurde das Album, mit dem die Familie 1994 endgültig vom Straßenmusik-Phänomen zum europäischen Popereignis wurde: „Over the Hump“. Die dazugehörige „25 Years Over the Hump“-Tour führte Ende 2019 durch große Hallen Europas; Frankfurt gehörte zu den ausverkauften Terminen.

Auf der Bühne standen Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy, Patricia und Paul Kelly. Nicht dabei waren Maite und Michael Patrick Kelly sowie Barby Kelly.

„Over the Hump“ zurück in der Festhalle Frankfurt

Der erste Teil des Abends gehörte ganz dem Jubiläum. Statt nur zwei oder drei Klassiker herauszupicken, spielte die Kelly Family „Over the Hump“ komplett.

Das war natürlich kalkulierte Nostalgie. Aber sie funktionierte.

Bei „Why Why Why“ ging die Lautstärke im Publikum sofort nach oben, „First Time“ holte die nächste Erinnerung aus irgendeiner Schublade und bei „An Angel“ musste niemand erklären, warum dieser Song 25 Jahre später noch immer gesetzt war. Die ersten Töne reichten. Plötzlich sang die Festhalle mit, und für ein paar Minuten fühlte sich 2019 verdächtig nach 1994 an.

Gerade solche Momente machten den Abend interessant. Viele Fans hatten die Kelly Family damals als Jugendliche erlebt, manche waren inzwischen mit den eigenen Kindern gekommen. Das Publikum war älter geworden. Die Songs auch. Nur der Kreischpegel hatte stellenweise erstaunlich wenig darunter gelitten.

Zwischen Familiengeschichte und alten Kelly-Hits

Natürlich war diese Show mehr als das bloße Abspielen eines Jubiläumsalbums. Die Kelly Family erzählte ihre eigene Geschichte mit. Eine Geschichte, die genügend Höhen und Brüche enthält, um mehrere Abende zu füllen.

Nach Jahren der Trennung war die Familie 2017 mit ursprünglich nur einem geplanten Konzert in Dortmund zurückgekehrt. Daraus wurden drei ausverkaufte Shows und schließlich fast 100 Konzerte in Europa bis Anfang 2020.

In Frankfurt war davon etwas zu spüren. Da standen keine Teenager mehr, die gerade den nächsten großen Hit landen wollten. Da stand eine Familie, deren Mitglieder sich musikalisch längst in unterschiedliche Richtungen entwickelt hatten und trotzdem noch diese ganz spezielle gemeinsame Klangfarbe hinbekamen.

Mal rau. Mal ziemlich süß. Und manchmal beides gleichzeitig.

Joey durfte bei Nummern wie „Why Why Why“ oder „The Wolf“ ordentlich an der Gitarre arbeiten, während Songs wie „Cover the Road“ wieder deutlich folkiger wurden. Auch spanische Farben fanden mit „El Camino“ und „Baila Mi Corazon“ ihren Platz.

Perfekt poliert war das nicht immer. Gut so.

„An Angel“ sorgt für den großen Nostalgie-Moment

Natürlich konnte man an diesem Abend beobachten, wann sich die Festhalle besonders verändert. Es passierte immer dann, wenn einer dieser Songs kam, den praktisch jeder im Raum mit einer eigenen Erinnerung verband.

„An Angel“ war so ein Moment.

Manche sangen. Andere filmten. Wieder andere standen einfach da und hörten zu. Gerade bei einer Band wie der Kelly Family steckt in solchen Liedern eben mehr als eine Melodie. Da hängt Jugend dran, Bravo-Poster vielleicht, Kassetten, CDs, erste Konzerte. All diese Dinge, die man irgendwann vergessen glaubt und bei vier Takten plötzlich wieder ziemlich genau vor Augen hat.

Die Kellys wussten sehr genau, was sie damit auslösen. Sie übertrieben es aber nicht ständig mit Sentimentalität. Zwischendurch wurde getanzt, geklatscht, Gitarre gespielt und auch einfach mal ordentlich Krach gemacht.

Irish Folk, Weihnachten und plötzlich Kunstschnee

Der zweite Teil wurde musikalisch breiter. Die Kelly Family wechselte zwischen älteren Hits, neuerem Material, Folk und spanisch geprägten Songs. Kurz vor dem Advent durfte sogar Weihnachten hereinplatzen.

„White Christmas“ und „O Holy Night“ standen auf dem Programm. Und weil ein Weihnachtslied in einer Arena offenbar allein nicht reicht, kam auch noch Kunstschnee dazu.

Passte das? Irgendwie schon.

Überhaupt wurde an Effekten nicht gespart. Feuerstöße, Glitzer, Rosenblätter, Papierstreifen. Die Produktion konnte groß, aber sie nahm der Familie nicht den Mittelpunkt. Das ist bei den Kellys entscheidend. Am Ende interessiert weniger, was irgendwo aus einer Konfettikanone geschossen wird. Die Leute wollen diese Stimmen hören und sehen, wie die Geschwister miteinander umgehen.

Kelly Family in Frankfurt endet mit „We Are the World“

Ganz zum Schluss wurde es noch einmal maximal gemeinschaftlich. „We Are the World“ stand am Ende des Konzerts, und aus der ausverkauften Festhalle wurde ein ziemlich großer Chor.

Kitschig? Natürlich.

Aber manchmal darf ein Konzert genau das sein. Man muss bei der Kelly Family ohnehin nicht lange nach ironischer Distanz suchen. Die gibt es hier kaum. Wer gekommen war, wollte die alten Songs hören, Erinnerungen zurückholen und diese Familie wieder gemeinsam auf einer Bühne sehen.

Und als Tausende Stimmen „We Are the World“ mitsangen, war plötzlich ziemlich egal, welches Jahrzehnt gerade im Kalender stand.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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