Let’s Dance Live-Tour 2019 in der ausverkauften Festhalle Frankfurt

Let’s Dance in Frankfurt: Wenn die Festhalle zum Ballsaal wird

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Am 27. November 2019 wurde aus der ausverkauften Festhalle Frankfurt für einen Abend Deutschlands wohl größter Ballsaal. „Let’s Dance – Die Live-Tour 2019“ brachte das bekannte RTL-Format erstmals auf große Deutschlandtour und machte kurz vor deren Finale Station am Main. Moderator Daniel Hartwich, die Jury mit Joachim Llambi, Motsi Mabuse und Jorge González, sechs Prominente und ihre Tanzprofis waren dabei. Und Let’s Dance in Frankfurt fühlte sich tatsächlich ein bisschen wie Fernsehen an. Nur ohne Sofa. Dafür mit deutlich mehr Lärm aus den Rängen.

Schon beim Einmarsch der Tänzer war klar, dass die Fans ihre Favoriten längst gewählt hatten. Namen wurden gerufen, Plakate gingen hoch, und wenn eines der bekannten Paare auf die Tanzfläche kam, brauchte Daniel Hartwich eigentlich keinen Applaus mehr einzufordern.

Die Festhalle war wach.

Let’s Dance bringt das Fernsehstudio mitten nach Frankfurt

Das Grundprinzip der TV-Show wurde für die Tour erstaunlich konsequent übernommen. Die Prominenten tanzten gemeinsam mit ihren Profis, anschließend gab es Punkte und Kommentare von der Jury. Danach durfte das Publikum selbst abstimmen und so jeden Abend einen eigenen „Dancing Star“ bestimmen. Die Frankfurter Show war bereits Monate vorher als ausverkauft gemeldet.

Und natürlich funktionierte auch live die bekannte Rollenverteilung.

Joachim Llambi war Joachim Llambi. Ein kritischer Blick von ihm reichte manchmal schon, und aus den Rängen kamen die ersten Buhrufe. Jorge González brachte seine ganz eigene Mischung aus Fachurteil und Show mit, während Motsi Mabuse kaum auf ihrem Platz zu halten war, wenn ihr ein Tanz besonders gefiel.

Mittendrin Daniel Hartwich. Trocken, schnell und mit genau den kleinen Spitzen, die verhindern, dass aus einer Tanzbewertung eine allzu ernste Angelegenheit wird.

Gerade in der Festhalle zeigte sich aber der größte Unterschied zur Fernsehsendung: Hier konnte niemand einfach zur nächsten Kameraeinstellung schneiden. Man sah die komplette Fläche. Die Tänzer mussten den Raum füllen.

Pascal Hens, Evelyn Burdecki und Oliver Pocher zurück auf dem Parkett

Sechs Prominente gingen auf der Tour an den Start: Pascal Hens mit Renata Lusin, Sabrina Mockenhaupt mit Erich Klann, Benjamin Piwko mit Isabel Edvardsson, Evelyn Burdecki mit Valentin Lusin, Oliver Pocher mit Christina Luft sowie Rebecca Mir mit Massimo Sinató.

Das Schöne daran: Jeder brachte eine völlig andere Geschichte mit.

Pascal Hens war als „Dancing Star 2019“ natürlich der Mann, den es zu schlagen galt. Der ehemalige Handball-Nationalspieler hatte während der TV-Staffel eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Rebecca Mir wirkte an der Seite ihres Ehemanns Massimo Sinató ohnehin so, als gehöre eine große Tanzfläche zu ihrem natürlichen Lebensraum.

Und dann war da Oliver Pocher.

Wenn Pocher tanzt, bleibt das mit dem bitteren Ernst erwartungsgemäß überschaubar. Seine Auftritte mit Christina Luft lebten genauso von Comedy wie von Tanz. Ein guter Gegenpol an einem Abend, an dem sich glitzernde Kostüme, große Emotionen und technisch anspruchsvolle Choreografien sonst ziemlich schnell gegenseitig überbieten konnten.

Benjamin Piwko und Isabel Edvardsson berühren die Festhalle

Ganz anders Benjamin Piwko.

Der gehörlose Schauspieler und Kampfsportler hatte schon während der Fernsehsendung gezeigt, dass Tanzen für ihn über einen anderen Zugang funktioniert. Gemeinsam mit Isabel Edvardsson entstand auch in Frankfurt eine besondere Ruhe, sobald beide auf der Fläche standen.

Man merkte das im Publikum.

Eben noch Rufe, Applaus, Kommentare von den Sitzplätzen. Dann wurde es plötzlich stiller. Nicht komplett, dafür ist die Festhalle zu groß. Aber aufmerksam.

Piwko orientierte sich beim Tanzen nicht einfach an einer Musik, die er wie die meisten Menschen hören kann. Viel lief über Vibrationen, Körperspannung, Blickkontakt und die Verbindung zu seiner Partnerin. Das wirkte nicht deshalb stark, weil man daraus unbedingt eine große Heldengeschichte machen musste. Es funktionierte als Tanz.

Und vielleicht gerade deshalb ging es vielen ziemlich nahe.

Am Ende des Frankfurter Abends lagen Benjamin Piwko und Isabel Edvardsson beim Publikum vorne. Jubel. Umarmung. Der Siegerpokal blieb an diesem Abend bei den beiden.

Von Walzer bis Latin: Live wirkt Let’s Dance plötzlich größer

Zwischen den Prominenten zeigten auch die Profis, warum die Fernsehsendung tänzerisch längst weit über ein klassisches Promi-Format hinausgewachsen war. Elegant im Standard, schnell und körperlich im Latin-Bereich, dann wieder große Gruppenchoreografien mit dem kompletten Ensemble.

Auf dem Bildschirm sieht man davon meistens das, was die Regie auswählt. In der Festhalle schweifte der Blick selbst über die Fläche. Man beobachtete plötzlich einen Tänzer am Rand, während vorne längst die nächste Hebefigur passierte.

Das machte die Show stellenweise sogar spannender als im Fernsehen.

Und natürlich durfte Frankfurt selbst ran. Das Publikum war auf der Tour ausdrücklich Teil des Wettbewerbs und konnte per Smartphone über den jeweiligen Tagessieger abstimmen. Statt zu Hause über Llambis Punkte zu diskutieren, konnte man dieses Mal tatsächlich mitentscheiden.

Let’s Dance in Frankfurt zwischen Glamour und ziemlich viel Spaß

Die Produktion ließ keinen Zweifel daran, dass hier eine große Fernsehmarke auf Tour war. Licht, Kostüme, Musik und Choreografien waren auf Arenaformat gebracht worden. Regie führte Thomas Hermanns, für die Choreografie zeichnete unter anderem Massimo Sinató verantwortlich.

Trotzdem waren es nicht unbedingt die größten Showbilder, die hängen blieben.

Da war Llambis Gesicht kurz vor einer Bewertung. Hartwich, der genau wusste, wann er noch einen Satz hinterherschieben musste. Oliver Pocher, der sich selbst nicht ganz so ernst nahm. Und Benjamin Piwko, der mit Isabel Edvardsson für ein paar Minuten dafür sorgte, dass eine volle Festhalle ungewöhnlich konzentriert auf eine Tanzfläche schaute.

Fernsehen konnte man „Let’s Dance“ damals jeden Freitag. So nah dran war man dort nicht.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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