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Am 25. November 2019 machte Wincent Weiss mit seiner „Irgendwie Anders Tour“ Halt in der ausverkauften Jahrhunderthalle Frankfurt. Der Termin gehörte zur großen Hallentour, mit der der Sänger sein zweites Album „Irgendwie anders“ auf die Bühne brachte. Wincent Weiss in Frankfurt war dabei genau das, was der Tourtitel versprach: mal laut und ausgelassen, dann wieder erstaunlich still. Und immer ziemlich nah an den Menschen vor der Bühne.
Man musste an diesem Abend nicht lange darauf warten, bis die Jahrhunderthalle mitsang. Viele Texte saßen ohnehin Wort für Wort. Bei „Feuerwerk“, „Frische Luft“ oder „An Wunder“ genügte oft schon der Anfang, dann übernahmen Tausende Stimmen den Rest.
Das klingt bei Popkonzerten schnell nach Routine. Hier fühlte es sich anders an.
Bevor Wincent Weiss die Bühne übernahm, gehörte sie Bengio. Der deutsche Sänger und Songwriter bekam keinen undankbaren Pflichtslot vor einem Publikum, das ausschließlich auf den Hauptact wartete. Die Stimmung war schon früh da.
Bengio setzte eher auf Songs und Stimme als auf große Effekte. Das passte. Denn auch später sollte dieser Abend weniger davon leben, wie viel Technik man in eine Jahrhunderthalle packen kann, sondern davon, wie schnell ein Song den direkten Weg ins Publikum findet.
Dann wurde umgebaut. Warten. Die Spannung stieg hörbar.
Und schließlich kam Wincent.
Mit seiner Band zog Weiss das Tempo früh an. Dabei musste er seine großen Hits gar nicht groß ankündigen. „Feuerwerk“ hatte sich seit seiner Veröffentlichung 2017 längst zu einem seiner bekanntesten Songs entwickelt, und entsprechend direkt kam die Antwort aus der Halle.
„Frische Luft“ funktionierte ähnlich. Arme gingen hoch, überall wurde mitgesungen. Und wenn man sich in der Halle umsah, standen dort längst nicht ausschließlich Teenager in den ersten Reihen. Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, Freundinnen sangen nebeneinander, Paare ebenfalls. Wincent Weiss hatte sich innerhalb weniger Jahre ein erstaunlich breites Publikum aufgebaut.
Zwischendurch wurde es ruhiger.
Gerade darin liegt eine Stärke seiner Konzerte. Weiss kann einen großen Refrain liefern und kurz darauf den ganzen Raum wieder herunterfahren. Bei Songs wie „An Wunder“ braucht es keinen permanenten Effektregen. Seine Stimme, die Band und ein Text, bei dem offenbar ziemlich viele Menschen ihre eigene Geschichte im Kopf haben, reichen.
Man sieht dann plötzlich weniger Smartphones oben.
Das zweite Album „Irgendwie anders“ war im März 2019 erschienen und auf Platz zwei der deutschen Albumcharts eingestiegen. Mit Songs wie „Hier mit dir“, „Kaum erwarten“ und „An Wunder“ hatte Weiss sein Repertoire deutlich erweitert.
Auf der Bühne bekamen diese Stücke mehr Druck. Schlagzeug und Gitarren schoben stärker als auf Platte, ohne die Songs unnötig aufzublasen. Das tat ihnen gut.
Und Wincent Weiss selbst?
Der wirkte nicht wie jemand, der ein perfekt auswendig gelerntes Zwei-Stunden-Programm abarbeitet. Er suchte den Kontakt nach vorne, sprach mit seinen Fans und ließ immer wieder Platz für spontane Reaktionen. Diese kleinen Momente sind am Ende häufig interessanter als die exakt gesetzte Lichtsequenz zehn Sekunden später.
Natürlich war die Produktion groß. Schließlich befand sich Weiss inzwischen in einer anderen Liga als noch zu Beginn seiner Karriere. Im November 2019 führte ihn die Tour unter anderem in Arenen und große Hallen in Nürnberg, Berlin, Leipzig, Dortmund, Stuttgart und Hamburg; Frankfurt war ebenfalls als ausverkauft gemeldet.
Trotzdem blieb etwas angenehm Bodenständiges.
Besonders deutlich wurde das immer dann, wenn Weiss das Publikum einfach machen ließ. Ein kurzer Einsatz, ein Blick nach vorne und Tausende sangen weiter.
Das kann man planen. Erzwingen kann man es nicht.
Bei Wincent Weiss in Frankfurt lag genau darin die eigentliche Stärke dieses Abends. Die großen Songs funktionierten, klar. Aber es waren die Wechsel, die hängen blieben: eben noch ausgelassenes Mitsingen, kurz darauf ein ruhiger Moment, bei dem plötzlich jeder zuhört.
„Feuerwerk“ bekam dadurch fast eine zweite Bedeutung. Nicht als großes pyrotechnisches Finale, sondern als einer dieser Songs, bei denen die Jahrhunderthalle selbst laut genug war.
Wincent Weiss brauchte an diesem Montagabend keinen Beweis mehr, dass er den Sprung vom jungen Newcomer in die großen Hallen geschafft hatte. Die ausverkaufte Jahrhunderthalle stand ohnehin vor ihm. Und sang.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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