Mario Barth bei „Männer sind bekloppt, aber sexy“ am 25. Februar 2017 in der SAP Arena Mannheim

Mario Barth in Mannheim: Männer, Frauen und 10.000 Lacher

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Bühnennebel zieht durch die SAP Arena, mitten darin steht ein futuristisches Raumschiff. Die Türen öffnen sich und Mario Barth kommt zum Vorschein. Ein dezenter Auftritt sieht anders aus. Aber wer gestern Abend, am 25. Februar 2017, zu Mario Barth nach Mannheim gekommen ist, erwartet wohl kaum Zurückhaltung.

10.000 Zuschauer füllen die SAP Arena und erleben sein aktuelles Programm „Männer sind bekloppt, aber sexy“. Für Barth ist Mannheim längst kein unbekanntes Pflaster. Seine beiden vorherigen Shows hier waren bereits ausverkauft, und auch diesmal ist die Halle voll.

Ein Flughafen mitten in der SAP Arena

Schon das Bühnenbild zeigt, dass Barth seinen Stand-up inzwischen in Arena-Dimensionen denkt. Sein Raumschiff erinnert eher an einen futuristischen Flughafen als an die klassische Kulisse eines Comedians mit Mikrofon und Barhocker.

Der Mann selbst braucht das alles allerdings nur bedingt.

Sobald Barth beginnt, eine seiner Beziehungsgeschichten zu erzählen, konzentriert sich die Halle auf ihn. Berliner Dialekt, hektische Bewegungen, weit aufgerissene Augen. Innerhalb weniger Sekunden spielt er nicht mehr nur sich selbst, sondern gleich noch Freundin, Kumpel und irgendeinen vollkommen überforderten Mann dazu.

Die Geschichten sind selten kompliziert.

Gerade deshalb erkennt sich offenbar ein großer Teil der Halle darin wieder.

Männer können eigentlich nur verlieren

Der Titel des Programms gibt die Richtung vor. Männer sind bekloppt. Frauen offensichtlich auch ein bisschen. Und wenn beide versuchen, miteinander zu reden, beginnt für Mario Barth ohnehin das eigentliche Problem.

Er erzählt von Diskussionen, bei denen Männer seiner Ansicht nach schon verloren haben, bevor sie überhaupt wissen, worum es geht. Ein falscher Satz. Ein falscher Blick. Oder noch schlimmer: gar keine Antwort.

Barth überzeichnet diese Situationen gnadenlos.

Aus einem kurzen Dialog wird eine komplette Szene. Er läuft über die Bühne, spielt beide Seiten des Gesprächs und kommentiert nebenbei noch, warum der Mann selbstverständlich keine Chance hatte.

Das Publikum kennt diese Mechanik. Trotzdem rollt das Lachen immer wieder durch die Arena.

Mal erwischt es die Männer.

Dann die Frauen.

Und meistens beide.

Mario Barth macht aus Alltag eine Arena-Show

Interessant ist, wie wenig sich an Barths Grundprinzip geändert hat, obwohl die Hallen inzwischen riesig sind.

Er braucht keine komplizierten politischen Themen oder langen gesellschaftlichen Analysen. Eine Taxifahrt, Urlaub, Technik, Einkaufen oder eine Diskussion zu Hause reichen vollkommen.

Der Stoff liegt im Alltag.

Barth zieht ihn auseinander, vergrößert Kleinigkeiten und spielt Situationen so lange nach, bis aus einem kurzen Streit eine fünfminütige Geschichte geworden ist.

Natürlich ist vieles maximal übertrieben.

Genau davon lebt der Abend.

Immer wieder muss Barth warten, weil die Reaktion aus dem Publikum noch läuft. Er grinst, setzt neu an und bekommt beim nächsten Satz gleich die nächste Welle.

Von Berliner Taxifahrern bis zum deutschen Flughafen

Nicht nur Beziehungen landen auf dem Comedy-Seziertisch.

Auch Technik und das deutsche Ingenieurswesen bekommen ihr Fett weg. Besonders passend zum gewaltigen Bühnenaufbau beschäftigt sich Barth mit Flughäfen. Berlin und sein ewiger Problemflughafen liefern dafür reichlich Material.

Dass ausgerechnet ein Berliner Comedian mit einem funktionierenden Flughafen durch Deutschland tourt, lässt er natürlich nicht unkommentiert.

Dazwischen tauchen Geschichten über Taxifahrer, Urlaub und jene kleinen Missverständnisse auf, die bei Barth grundsätzlich innerhalb kürzester Zeit eskalieren.

Die Bühne bleibt groß.

Die Geschichten bleiben klein.

Das funktioniert erstaunlich gut.

10.000 Zuschauer und ein Mann mit Mikrofon

Je länger der Abend dauert, desto mehr rückt der aufwendige Aufbau in den Hintergrund.

Am Ende steht eben doch Mario Barth vorne. Mikrofon in der Hand. Ein Gesichtsausdruck, bei dem die ersten Zuschauer oft schon lachen, bevor überhaupt der nächste Satz kommt.

10.000 Menschen sind für Stand-up eine gewaltige Menge. Trotzdem entsteht immer wieder diese typische Comedy-Situation: Einer erzählt etwas, und irgendwo im Publikum stößt jemand seinen Partner an, weil die Geschichte verdächtig bekannt klingt.

Vielleicht ist genau das Barths größter Trick.

Er erzählt von scheinbar banalen Situationen und schafft es, dass tausende Menschen gleichzeitig denken: Genau so ist es bei uns auch.

Als die Lichter später wieder angehen, steht das Raumschiff noch immer auf der Bühne.

Die Männer sind vermutlich weiterhin bekloppt.

Und die Frauen wissen es jetzt ganz genau.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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