Cesar Millan bei „Once Upon A Dog“ am 27. Februar 2017 vor 6.500 Zuschauern in der SAP Arena Mannheim

Cesar Millan in Mannheim: Hunde, Menschen und klare Signale

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Normalerweise stehen in der SAP Arena Eishockeyspieler, Musiker oder Comedians im Mittelpunkt. Gestern Abend laufen dagegen Hunde über die Bühne. Und 6.500 Menschen schauen sehr genau hin. Cesar Millan gastierte am 27. Februar 2017 mit seiner neuen Liveshow „Once Upon A Dog“ in Mannheim und machte ziemlich schnell deutlich, dass sich ein großer Teil seiner Arbeit eigentlich weniger um Hunde als um deren Besitzer dreht. Die SAP Arena meldet für den Abend 6.500 Besucher.

Millan bewegt sich ruhig über die Bühne. Kaum hektische Gesten. Ein Blick zum Hund, einer zum Halter, dann folgt die nächste Erklärung. Unterstützt wird er von Daniel Boschmann, der durch den deutschsprachigen Teil des Abends führt und Millans englische Ausführungen übersetzt. Die Tour führt den 47-Jährigen in diesen Wochen durch mehrere deutsche Arenen.

Wenn plötzlich der Mensch trainiert werden muss

Der Titel „Hundeflüsterer“ begleitet Cesar Millan schon lange. Auf der Bühne wirkt seine Arbeit allerdings deutlich weniger geheimnisvoll.

Er beobachtet.

Wie nähert sich ein Mensch seinem Hund? Wie hält er die Leine? Ist er angespannt? Zögert er? Und was macht der Hund in genau diesem Moment?

Immer wieder dreht Millan die Perspektive um. Nicht das Tier soll zuerst verändert werden. Der Mensch muss verstehen, welche Signale er selbst aussendet.

Das sorgt auch für einige Lacher. Gerade wenn Millan typische Verhaltensweisen von Hundebesitzern nachstellt, erkennt sich offenbar mancher im Publikum wieder. Übertriebene Begrüßungen, Nervosität oder der Versuch, mit möglichst vielen Worten auf einen Vierbeiner einzureden, werden von ihm genüsslich auseinandergenommen.

Manchmal ist die Diagnose erstaunlich einfach.

Weniger reden. Ruhiger werden. Klarer handeln.

Echte Hunde statt reiner Bühnentheorie

Interessant wird es vor allem, wenn Besitzer mit ihren Hunden auf die Bühne kommen.

Hier funktioniert nichts nach einem komplett festen Drehbuch. Die Tiere reagieren auf die Arena, auf fremde Menschen und natürlich auf Millan. Mal geht es um die richtige Begrüßung, mal um Unsicherheit beim Spaziergang. In Mannheim arbeitet Millan unter anderem mit Toni und Nala und deren Halterinnen.

Das ist deutlich spannender als jede theoretische Erklärung.

Denn plötzlich sieht man, wie schnell sich die Körpersprache eines Besitzers verändert, sobald Millan eingreift. Eine Hand anders positioniert, weniger Zug auf der Leine, aufrechter stehen. Kleine Veränderungen.

Ob jede Methode auf jeden Hund übertragbar ist, lässt sich bei einer Bühnenshow natürlich nicht beurteilen. Dafür sind Tiere, Halter und Probleme viel zu unterschiedlich. Aber man versteht, worauf Millan hinauswill: Ein Hund reagiert nicht allein auf Kommandos, sondern sehr genau auf Verhalten.

Boschmann hält sich dabei nicht auf eine trockene Übersetzerrolle beschränkt. Zwischen ihm und Millan entstehen immer wieder kleine Wortwechsel, die den Lehrcharakter auflockern.

Once Upon A Dog erzählt vom ganzen Hundeleben

„Once Upon A Dog“ ist als Reise durch verschiedene Stationen im Leben eines Hundes aufgebaut. Es geht um die Entscheidung für ein Tier, das Zusammenleben in der Familie, Regeln, Bewegung und schließlich auch um Abschied und Verlust. Die neue Show feierte erst wenige Tage zuvor ihre Deutschlandpremiere in Oberhausen.

Zwischen den praktischen Szenen laufen Videoeinspieler. Einige sind bewusst märchenhaft gestaltet und geben dem Tourtitel seinen Rahmen.

Nicht jede dieser Passagen braucht es unbedingt.

Am stärksten ist der Abend sowieso dann, wenn Millan einen echten Hund vor sich hat und spontan auf dessen Verhalten reagieren muss. Dann wird aus der großen Arena für ein paar Minuten fast eine Trainingsstunde.

Auch Humor gehört dazu. Millan nimmt sich selbst nicht übermäßig ernst, spielt Situationen nach und nutzt seine Körpersprache teilweise so überzeichnet, dass die Botschaft auch in den oberen Rängen noch ankommt.

Ein stiller Schluss nach vielen Lachern

Zum Ende verändert sich die Stimmung.

Auf den Leinwänden erscheint Daddy, Millans 2010 verstorbener Pitbull, der ihn über viele Jahre begleitet hat. Millan erzählt von der Verbindung zu seinem Hund und vom Abschied. Nach vielen lockeren Szenen und Lachern wird es in der SAP Arena merklich ruhiger.

Das passt zu einer Show, die den Hund eben nicht nur als Tier betrachtet, das Kommandos befolgen soll. Für die Menschen im Publikum gehört er zur Familie.

Nach dem letzten Applaus ist deshalb noch lange nicht Schluss. Zahlreiche Besucher bewegen sich Richtung Bühne und wollen ein Autogramm. Millan bleibt der Mittelpunkt.

Die Hunde haben an diesem Abend trotzdem die interessanteren Lektionen erteilt.

Meistens über ihre Menschen.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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