M. Shadows mit Avenged Sevenfold am 12. Februar 2017 bei der The Stage Tour in der Festhalle Frankfurt

Avenged Sevenfold in Frankfurt: Eine Nacht zwischen Feuer und Gänsehaut

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Schon beim Betreten der Festhalle ist klar: Das wird eng. Sehr eng. Schwarze Shirts dominieren das Bild, vor der Bühne stehen die ersten Reihen Schulter an Schulter und auf den Rängen wartet kaum jemand entspannt auf das, was noch kommt. Gestern Abend, am 12. Februar 2017, eröffneten Avenged Sevenfold gemeinsam mit Disturbed und Chevelle ihre Deutschlandtermine in der ausverkauften Festhalle Frankfurt. Drei US-Bands, fast vier Stunden Musik und ein Publikum, das schon beim ersten Support kaum stillsteht.

Ein gemütlicher Sonntagabend sieht anders aus.

Chevelle eröffnen ohne großes Vorgeplänkel

Den Anfang machen Chevelle. Das Trio aus Illinois bekommt nur einen kompakten Slot, nutzt den aber ziemlich konsequent. „The Clincher“ eröffnet das Set, wenig später drücken „Forfeit“ und „Hats Off to the Bull“ durch die Festhalle.

Noch sind einige Besucher auf dem Weg zu ihren Plätzen, vorne wird trotzdem bereits gearbeitet. Köpfe gehen mit, die ersten Haare fliegen.

Bei „The Red“ wird es deutlich lauter. Der Song gehört zu den Stücken, die auch jene sofort erkennen, die Chevelle vielleicht nicht regelmäßig hören. „Face to the Floor“ setzt nach sechs Songs den Schlusspunkt. Kurz. Direkt. Keine überflüssige Show.

Dann wird umgebaut.

Und die Festhalle schiebt sich noch ein Stück dichter Richtung Bühne.

Disturbed machen aus dem Supportslot ein eigenes Konzert

Als „The Eye of the Storm“ einsetzt und Disturbed auf die Bühne kommen, verändert sich die Atmosphäre schlagartig.

David Draiman steht vorne, breitbeinig, Blick ins Publikum. Dann folgt „Immortalized“ und der Sound wird körperlich. Gitarren und Bass drücken durch die Halle, das Schlagzeug sitzt trocken darunter. Vorne öffnen sich die ersten Pits.

„The Game“, „The Vengeful One“, „Prayer“, „Liberate“. Kaum Pause.

Disturbed spielen hier nicht wie eine Band, die lediglich den Hauptact vorbereitet. Das Set wirkt wie eine eigene Headlinershow im Schnellformat. Draiman hat die Festhalle fest im Griff, und spätestens bei „Stupify“ gehen die Fäuste bis hoch auf die Ränge.

Dann wird es plötzlich ruhig.

The Sound of Silence bringt die Festhalle zum Schweigen

Die ersten Klavierklänge von „The Sound of Silence“ reichen.

Gerade eben war die Halle noch laut, jetzt stehen tausende Menschen da und hören zu. Disturbeds Version des Simon-&-Garfunkel-Klassikers hat mit dem Original nur noch die Melodie und den Text gemein. Draimans tiefe Stimme macht daraus etwas Dunkles, Schweres.

Handys gehen hoch.

Keine Circle Pits. Kein Gedränge.

Einfach dieser Song.

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Denn danach folgen mit „Inside the Fire“, „The Light“, „Stricken“ und „Indestructible“ wieder massive Riffs. Bei „Ten Thousand Fists“ sagt der Titel praktisch voraus, was vor der Bühne passiert.

Und dann „Down With the Sickness“.

Mehr Eskalation braucht Disturbed nicht.

Die Band verabschiedet sich nach 14 Songs. Für einen Moment stellt sich tatsächlich die Frage, wie Avenged Sevenfold das noch toppen wollen.

The Stage öffnet die nächste Dimension

Die Antwort kommt mit Bildern.

Eine riesige dreidimensionale Bühnenkonstruktion bestimmt die Szenerie, Projektionen ziehen sich über mehrere Flächen und aus der Metal-Show wird für Sekunden beinahe Science-Fiction. Das passt zum aktuellen Album „The Stage“, auf dem Avenged Sevenfold stärker als zuvor mit progressiven Strukturen und Zukunftsthemen arbeiten.

Dann steht M. Shadows vorne.

„The Stage“.

Der fast neunminütige Song ist ein ungewöhnlicher Konzertauftakt, aber genau deshalb funktioniert er. Gitarren wechseln zwischen schweren Riffs und filigranen Passagen, Brooks Wackerman hämmert dahinter sein Schlagzeug durch die Nummer.

Direkt danach „Afterlife“.

Jetzt ist Frankfurt endgültig da.

Bei „Hail to the King“ singt die Festhalle jede Zeile mit. Synyster Gates und Zacky Vengeance stehen nebeneinander an den Gitarren, M. Shadows lässt das Publikum den Refrain übernehmen.

Lauter geht immer.

Zwischen Nightmare und neuen Songs

Die Setlist springt quer durch die Bandgeschichte.

„Paradigm“ vom aktuellen Album trifft auf „To End the Rapture“ und „Chapter Four“ aus den frühen Jahren. „Buried Alive“ baut sich langsam auf, bevor der Song in der zweiten Hälfte komplett aufreißt.

Dann „Nightmare“.

Dieser Refrain muss nicht angekündigt werden. Die Stimmen aus dem Innenraum kommen sofort zurück, und Brooks Wackerman hängt hinten noch ein Schlagzeugsolo an.

Mit „God Damn“ und „Sunny Disposition“ landet die Band wieder bei „The Stage“. Besonders die neuen Songs wirken live deutlich härter als auf Platte. Weniger Studiofeinheiten, mehr Druck.

Zwischendurch passiert etwas Unerwartetes.

„Warmness on the Soul“.

Der frühe Avenged-Sevenfold-Song taucht nach langer Zeit wieder im Set auf und wirkt zwischen all den schweren Riffs fast zerbrechlich. Einen kompletten Stilbruch braucht diese Show offenbar nicht zu fürchten.

Bat Country läutet die letzte Runde ein

Nach „Planets“ und „Acid Rain“ verschwindet die Band zunächst.

Niemand bewegt sich Richtung Ausgang.

Die Zugabe beginnt mit „Bat Country“ und plötzlich springt die komplette Festhalle noch einmal an. Synyster Gates jagt durch das Solo, M. Shadows läuft über die Bühne und vorne wird noch einmal alles in Bewegung gesetzt, was nach mehreren Stunden Metal überhaupt noch Kraft hat.

Dann wird es herrlich morbide.

„A Little Piece of Heaven“ ist musikalisch sowieso ein Sonderling im Katalog der Band. Düster, theatralisch, völlig überdreht. Live wird daraus ein riesiges gemeinsames Mitsingen über Mord, Tod und eine ziemlich kaputte Liebesgeschichte.

Der letzte Song gehört den Fans der frühen Jahre.

„Unholy Confessions“.

Noch einmal gehen die Arme hoch. Noch einmal bewegt sich der Innenraum. Danach ist wirklich Schluss.

Chevelle haben den Abend eröffnet. Disturbed hätten mit ihrem Auftritt problemlos selbst ganz oben auf dem Plakat stehen können. Und Avenged Sevenfold setzen am Ende eine Show dagegen, die zwischen Metal-Konzert, visueller Reise und großem Arenaspektakel pendelt.

Draußen ist es längst kalt geworden.

In der Festhalle braucht gerade niemand eine Jacke.

Setlist von Disturbed in Frankfurt

  1. The Eye of the Storm
  2. Immortalized
  3. The Game
  4. The Vengeful One
  5. Prayer
  6. Liberate
  7. Stupify
  8. The Sound of Silence
  9. Inside the Fire
  10. The Light
  11. Stricken
  12. Indestructible
  13. Ten Thousand Fists
  14. Down With the Sickness

Setlist von Avenged Sevenfold in Frankfurt

  1. The Stage
  2. Afterlife
  3. Hail to the King
  4. Paradigm
  5. To End the Rapture
  6. Chapter Four
  7. Buried Alive
  8. Angels
  9. Nightmare
  10. God Damn
  11. Almost Easy
  12. Sunny Disposition
  13. Warmness on the Soul
  14. Planets
  15. Acid Rain

Zugabe:

  1. Bat Country
  2. A Little Piece of Heaven
  3. Unholy Confessions

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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