
R5 in Mannheim: Pop-Rock-Fieber in der Alten Seilerei
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R5 in Mannheim war am 15. Februar 2014 vor allem eines: verdammt nah dran. Als Ross Lynch, Riker Lynch, Rocky Lynch, Rydel Lynch und Ellington Ratliff mit ihrer „Louder World Tour“ in der Alten Seilerei Station machten, passte zwischen Bühne und Publikum kaum jene Distanz, die man von den immer größeren Shows der amerikanischen Popwelt kannte. Statt Arena gab es Club. Statt riesiger Produktion standen fünf junge Musiker direkt vor den Fans.
Mannheim war damals erst der zweite Deutschlandtermin der Europatour. Zwei Tage zuvor hatten R5 im Berliner Kesselhaus gespielt, am nächsten Abend ging es bereits im Hamburger Knust weiter. Insgesamt führte der erste europäische Abschnitt der Tour durch 21 Städte in 13 Ländern.
Und trotzdem fühlte sich dieser Samstagabend in der Alten Seilerei Mannheim nicht wie irgendein Termin in einem eng getakteten Tourplan an. Der Raum machte den Unterschied. Wer hier vorne stand, sah nicht bloß eine Band irgendwo in der Ferne. Man bekam jede Bewegung auf der Bühne mit.
Ross Lynch zieht die Blicke auf sich
Natürlich richteten sich viele Augen zunächst auf Ross Lynch. Der damals 18-Jährige war durch seine Hauptrolle als Austin Moon in der Disney-Serie „Austin & Ally“ längst einem Millionenpublikum bekannt. Auf der Bühne war er allerdings nicht der Schauspieler, der nebenbei ein paar Songs sang. R5 funktionierten als Band.
Neben Ross gehörten seine Geschwister Riker, Rocky und Rydel Lynch sowie Schlagzeuger Ellington Ratliff zur Besetzung. Gerade auf einer Bühne wie der Alten Seilerei ließ sich gut beobachten, wie viel Bewegung innerhalb dieser Band steckte. Gitarren wechselten die Position, Gesangsparts griffen ineinander, Rydel setzte am Keyboard und mit ihrer Stimme eigene Akzente.
Ross stand häufig im Mittelpunkt, aber R5 waren keine Ein-Mann-Show.
Das war für mich an diesem Abend einer der interessanteren Punkte. Wer wegen des Disney-Stars gekommen war, bekam eine komplette Pop-Rock-Band. Und wer mit dem damaligen Teenie-Hype wenig anfangen konnte, musste zumindest anerkennen, wie routiniert diese jungen Musiker bereits auf der Bühne arbeiteten.
„Louder“ bringt R5 erstmals nach Deutschland
Musikalisch stand die Show ganz im Zeichen des Debütalbums „Louder“. International war die Platte bereits im September 2013 erschienen und hatte R5 endgültig vom Disney-Umfeld in Richtung eigenständiger Pop-Rock-Karriere geschoben. In Deutschland wurde das Album im Frühjahr 2014 veröffentlicht, während die Band bereits im Februar erstmals fünf Konzerte zwischen Berlin und München spielte.
Die Songs waren auf unmittelbare Wirkung gebaut. „Pass Me By“, „(I Can’t) Forget About You“, „Ain’t No Way We’re Goin‘ Home“, „Love Me Like That“, „One Last Dance“ und natürlich „Loud“ standen für diese Mischung aus Pop, Gitarren und Refrains, die spätestens nach wenigen Durchläufen hängen blieb.
Live bekam diese Musik mehr Kante. Die Gitarren wirkten direkter, das Schlagzeug hatte in der Alten Seilerei deutlich mehr Druck als auf den glatt produzierten Studioaufnahmen und Ross Lynch konnte sich auf der Bühne wesentlich weniger hinter einer perfekten Pop-Produktion verstecken.
Das tat der Musik gut.
Zwischen Teenie-Hype und echter Liveband
Natürlich war der Hype um Ross Lynch 2014 nicht zu übersehen. „Austin & Ally“ hatte ihn zu einem der bekanntesten jungen Disney-Gesichter gemacht, und R5 profitierten davon. Das wäre albern abzustreiten.
Aber in Mannheim zeigte sich ziemlich schnell, warum die Geschichte der Band nicht allein über eine Fernsehserie funktionierte. Riker und Rocky sorgten an den Gitarren und am Bass für wesentlich mehr Rockelemente, als mancher vor dem Konzert vielleicht erwartet hatte. Ellington Ratliff hielt die Songs am Schlagzeug zusammen, während Rydel Lynch der Band eine weitere Stimme und eine andere Bühnenfarbe gab.
Gerade aus Fotografensicht war ständig Bewegung drin. Ross Lynch blieb kaum statisch, die Musiker suchten immer wieder den Weg nach vorne und die kompakte Bühne sorgte dafür, dass man Gesichter und Reaktionen unmittelbar vor sich hatte. Keine Videowand musste erzählen, was gerade passierte. Man sah es selbst.
Diese Nähe ist etwas, das sich Jahre später kaum reproduzieren lässt. R5 standen damals zwar längst international auf Tour, spielten in Mannheim aber noch in einem Rahmen, in dem Fans ihren Idolen tatsächlich wenige Meter gegenüberstanden.
Die „Louder World Tour“ macht Mannheim zur zweiten Deutschlandstation
Der europäische Abschnitt hatte am 5. Februar in Warschau begonnen. Über Tel Aviv, Oslo, Stockholm und Kopenhagen führte die Route zunächst nach Berlin und anschließend nach Mannheim. Nach dem Auftritt in der Alten Seilerei folgten Hamburg, Köln, Antwerpen, Amsterdam und München, bevor R5 weiter durch Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und Irland tourten.
Für die Band war das ein wichtiger Schritt. Amerika kannte R5 bereits, jetzt sollte Europa folgen. Und Mannheim bekam diese Phase nicht in einer großen Halle zu sehen, sondern genau dort, wo junge Bands oft am spannendsten sind: noch nah genug, um jede kleine Bewegung mitzubekommen, aber bereits professionell genug, um zu verstehen, warum der nächste Karriereschritt nicht mehr weit entfernt war.
An diesem 15. Februar 2014 war davon vieles bereits sichtbar. Die eingängigen Songs. Die eingespielte Band. Ross Lynch als Frontmann, der den Raum sofort auf sich ziehen konnte.
Aber eben auch fünf Musiker, die offensichtlich mehr vorhatten, als lediglich den Bekanntheitsgrad eines Disney-Stars auszunutzen.
In der Alten Seilerei standen R5 an diesem Abend noch zum Greifen nah vor uns. Genau solche Konzerte wirken im Rückblick besonders: Man sieht eine Band in einem kleinen Raum und merkt erst später, wie kurz dieser Moment eigentlich war.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













