Eko Fresh in Mannheim am 8. Februar 2014 live auf der Bühne der Alten Seilerei

Eko Fresh in Mannheim: Deutschrap auf Tuchfühlung

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Eko Fresh in Mannheim, das bedeutete am 8. Februar 2014 deutlich mehr als einen einzelnen Rapper mit Mikrofon auf der Bühne. Gemeinsam mit MoTrip machte Eko auf der „Jetzt kommen wir wieder auf die Tour“ Station in der Alten Seilerei Mannheim, unterstützt wurde das Tourpaket von JokA, Serc und Ado Kojo. Einen Abend zuvor war München dran, nach Mannheim ging es direkt weiter nach Nürnberg.

Für mich hatte dieser Abend genau deshalb von Beginn an einen anderen Charakter als ein gewöhnliches Solokonzert. Mehrere Künstler, unterschiedliche Stimmen, ständig Bewegung auf und rund um die Bühne. Und dazwischen ein Publikum, das in der Alten Seilerei so dicht am Geschehen war, wie es bei solchen Clubshows sein sollte. Kein Graben von gefühlten zehn Metern. Man war mittendrin.

Eko Fresh und MoTrip gemeinsam in der Alten Seilerei

Schon die Kombination aus Eko Fresh und MoTrip machte die Tour interessant. Beide kamen aus unterschiedlichen Ecken des Deutschrap, funktionierten auf der Bühne aber gerade wegen dieser Unterschiede. Eko brachte seine lange Geschichte, seinen Humor und diese sehr direkte Art mit, während MoTrip damals längst zu den technisch auffälligsten Rappern seiner Generation gehörte.

In der Alten Seilerei brauchte es dafür keine riesige Produktion. Die Bühne lag nah vor uns, die Stimmen standen im Vordergrund und jede Reaktion wanderte schnell zwischen Künstlern und Publikum hin und her. Gerade Rap lebt von diesem Austausch. Wenn eine Line ankommt, merkt man das sofort. Wenn ein Refrain funktioniert, ebenso.

Dazu kam mit JokA, Serc und Ado Kojo ein Tourumfeld, das den Abend breiter aufstellte als die übliche Kombination aus Hauptact und einem kurzen Support. Die gesamte Tour war als gemeinsames Paket angelegt, und genau das war auch ihr Reiz.

„Eksodus“ war für Eko Fresh ein Wendepunkt

Eko stand damals an einem bemerkenswerten Punkt seiner Karriere. Sein Album „Eksodus“ war am 23. August 2013 erschienen und hatte ihm erstmals Platz eins der deutschen Albumcharts gebracht. Nach Jahren mit Erfolgen, Konflikten, Labelwechseln und immer neuen Comebacks war das mehr als nur eine gute Chartplatzierung. „Eksodus“ war der Beweis, dass Eko Fresh 2013 wieder ganz vorne im deutschen Rap angekommen war.

Das merkte man auch an seiner Bühnenpräsenz. Eko musste an diesem Abend niemandem mehr erklären, wer er war oder warum er nach all den Jahren noch da stand. Er hatte sichtbar Material im Rücken, das funktionierte, und gleichzeitig genügend ältere Geschichte, um verschiedene Generationen im Publikum abzuholen.

Genau diese Mischung mochte ich an dem Konzert. Da stand kein Newcomer, der um jede Reaktion kämpfen musste. Aber auch kein Künstler, der nur seine Vergangenheit verwaltete. Eko wirkte wie jemand, der gerade wieder Schwung aufgenommen hatte und diesen Moment auskosten wollte.

Zwischen „Eksodus“ und alten Deutschrap-Geschichten

„Eksodus“ war ein großes Album geworden, voll mit Gästen und Querverbindungen durch die damalige Rap-Szene. Bushido, SSIO, MoTrip, Shindy, Massiv, Frauenarzt und zahlreiche weitere Künstler tauchten auf dem Doppelalbum auf. Die einzige reguläre Single „Guten Morgen“ war bereits vor der Albumveröffentlichung erschienen.

Live bekam dieses Material einen deutlich direkteren Rahmen. Keine Kopfhörer, kein Studio, keine Diskussion darüber, welcher Featuregast auf welchem Track steht. Vor der Bühne zählt etwas anderes. Stimme. Timing. Präsenz.

Und genau da war Eko stark. Er konnte innerhalb weniger Momente zwischen ernsthaften Passagen und seinem typischen augenzwinkernden Auftreten wechseln. Mal konzentriert am Mikrofon, kurz darauf wieder mit Kontakt nach vorne. Fotografisch war das dankbar, weil ständig etwas passierte. Ein Blick, eine Handbewegung, die nächste Bewegung an den Bühnenrand. Stillstand gehörte nicht zum Programm.

Eine vollständig belastbare Setlist speziell für Mannheim ist heute nicht dokumentiert. Deshalb schreibe ich dem Abend im Nachhinein keine Songfolge zu, die sich nicht sauber belegen lässt. Sicher ist dagegen, dass „Eksodus“ die musikalische Gegenwart dieser Tour bestimmte.

MoTrip sorgt für zusätzlichen Druck

Dass MoTrip nicht einfach irgendein Support-Act war, sondern gemeinsam mit Eko Fresh als zentraler Teil der Tour angekündigt wurde, machte einen deutlichen Unterschied. Schon der Tourname „Jetzt kommen wir wieder auf die Tour“ stellte beide nebeneinander. Das war bewusst als gemeinsamer Deutschrap-Abend gedacht.

So blieb der Spannungsbogen hoch. Unterschiedliche Rap-Stile wechselten sich ab, dazu kamen die weiteren Gäste des Tourpakets. Ein später veröffentlichter Tourblog dokumentierte ausgerechnet den Abschnitt mit Saarbrücken, München, Mannheim und Nürnberg und zeigt, wie groß die Besetzung rund um Eko und MoTrip damals tatsächlich war. Zum erweiterten Tourumfeld gehörten dort auch Sinan G und DCVDNS.

Für einen Club wie die Alte Seilerei war das ziemlich viel Deutschrap auf engem Raum.

Eko Fresh in Mannheim ohne große Distanz

Was mir von solchen Abenden in der Alten Seilerei besonders geblieben ist, war die Nähe. Bei einem Künstler wie Eko Fresh passte sie perfekt. Seine Musik lebt stark von Sprache, Mimik und der direkten Reaktion auf die Leute vor ihm. In einer großen Arena geht davon zwangsläufig etwas verloren. Hier nicht.

Am 8. Februar 2014 traf außerdem ein Eko Fresh auf Mannheim, der gerade einen seiner größten Karriereerfolge hinter sich hatte. „Eksodus“ war Nummer eins geworden, MoTrip stand mit ihm auf Tour, dahinter warteten bereits die nächsten Projekte. Nur wenige Monate später sollte mit „Deutscher Traum“ schon das nächste Studioalbum folgen.

An diesem Samstagabend war das Zukunftsmusik. In der Alten Seilerei ging es erst einmal um Rap, um die Leute direkt vor der Bühne und um einen Eko Fresh, der wieder deutlich machte, warum man ihn nach mehr als einem Jahrzehnt im Geschäft noch längst nicht abschreiben konnte.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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