Royal Blood mit Mike Kerr und Ben Thatcher bei ihrem Konzert im Schlachthof Wiesbaden 2019

Royal Blood bringen den Schlachthof Wiesbaden zum Beben

Beitrag teilen

Zwei Musiker. Mehr braucht es bei Royal Blood nicht, um einen Club mit einem Sound zu füllen, der eher nach einer kompletten Rockband klingt. Bei ihrem Konzert im Schlachthof Wiesbaden zeigten Mike Kerr und Ben Thatcher eindrucksvoll, warum sich das britische Duo innerhalb weniger Jahre einen festen Platz in der internationalen Rockszene erspielt hatte.

Nach rund zwei Jahren ohne Clubshow in Deutschland kehrten Royal Blood im Juli 2019 für lediglich zwei Konzerte zurück. Eines davon führte die beiden Musiker nach Wiesbaden. Entsprechend groß war die Vorfreude bei den Fans.

Demob Happy eröffnen den Abend im Schlachthof

Bevor Royal Blood loslegten, gehörte die Bühne zunächst Demob Happy. Die ebenfalls aus Brighton stammende Band passte mit ihrem psychedelisch angehauchten Alternative- und Garage-Rock ziemlich gut zum Headliner.

Ein gemütliches Warm-up war das jedenfalls nicht.

Demob Happy brachten den Schlachthof früh auf Temperatur und lieferten mit schweren Gitarren, verzerrten Sounds und ordentlich Druck den passenden Einstieg. Das Publikum musste nicht lange überzeugt werden.

Dann wurde umgebaut.

Zwei Musiker und eine ziemlich gewaltige Wall of Sound

Als Royal Blood schließlich die Bühne betraten, wurde schnell deutlich, was diese Band live so besonders macht. Mike Kerr am Bass und Gesang sowie Ben Thatcher am Schlagzeug erzeugten gemeinsam einen Sound, bei dem man zwischendurch tatsächlich vergessen konnte, dass dort gerade nur zwei Leute spielten.

Vor allem Kerrs Bass ist das Geheimnis.

Durch verschiedene Effekte, Verstärker und Signalwege klingt sein Instrument stellenweise wie Bass und Gitarre gleichzeitig. Mal knurrt es tief, dann schiebt es mit massiven Riffs nach vorne. Darüber liegt Thatchers Schlagzeugspiel, direkt und mit ordentlich Wucht.

Kein unnötiger Ballast. Einfach drauf.

Zwischen Blues, Stoner Rock und Garage

Musikalisch lassen sich Royal Blood ohnehin nur schwer in eine einzelne Schublade stecken. Garage Rock, Bluesrock und Stoner Rock treffen auf moderne Alternative-Einflüsse. An manchen Stellen hört man die Nähe zu Queens of the Stone Age, an anderen schimmert die schwere Rocktradition von Led Zeppelin durch.

Live funktioniert diese Mischung besonders gut.

Die Riffs kommen im Club unmittelbarer als auf Platte. Der Bass drückt, das Schlagzeug hämmert dagegen und Kerrs Gesang setzt sich über diese massive Klangwand. Gerade der Schlachthof bot dafür die richtige Umgebung. Keine riesige Arena, keine Distanz zwischen Musikern und Publikum.

Hier war Rockmusik wieder ziemlich körperlich.

Royal Blood setzen auf ihre großen Songs

Zu diesem Zeitpunkt konnten Royal Blood bereits auf zwei erfolgreiche Alben zurückgreifen. Das selbstbetitelte Debüt „Royal Blood“ von 2014 hatte der Band den internationalen Durchbruch gebracht, 2017 folgte „How Did We Get So Dark?“.

Material für einen intensiven Clubabend gab es also genug.

Songs wie „Figure It Out“„Out of the Black“„Little Monster“ oder „Lights Out“ stehen exemplarisch für den Sound, mit dem Royal Blood groß geworden sind: massive Bassriffs, trockene Drums und Hooks, die erstaunlich schnell hängen bleiben.

Im Schlachthof brauchte es entsprechend wenig Anlaufzeit. Vorne wurde gesprungen, Köpfe gingen im Takt mit und die Energie wanderte ständig zwischen Bühne und Publikum hin und her.

Ben Thatcher treibt Royal Blood nach vorne

Während Mike Kerr mit seinem Bass die Rolle übernimmt, für die andere Bands mehrere Musiker benötigen, ist Ben Thatcher der Motor dahinter.

Sein Schlagzeugspiel lebt von Druck.

Thatcher drosch nicht einfach stumpf drauf, sondern gab den Songs genau den Groove, den diese Mischung aus Blues und schwerem Rock braucht. Das Zusammenspiel der beiden wirkte dabei beinahe blind. Nach Jahren gemeinsamer Shows sitzt jeder Wechsel.

Und gerade deshalb können Royal Blood live so kompromisslos klingen.

Clubshow statt großer Rockproduktion

Der Auftritt in Wiesbaden zeigte ziemlich deutlich, dass Royal Blood keine riesige Bühne brauchen. Im Gegenteil. Die unmittelbare Atmosphäre eines Clubs passt hervorragend zu ihrer Musik.

Keine zehn Musiker. Keine orchestralen Einspieler. Kein überladenes Spektakel.

Bass. Schlagzeug. Stimme.

Das reicht.

Royal Blood machten aus dieser Reduktion ihre größte Stärke und bewiesen im Schlachthof Wiesbaden, dass eine Wall of Sound keine Frage der Anzahl der Musiker ist. Manchmal reichen zwei Typen aus Brighton und Verstärker, die ordentlich arbeiten müssen.

Text & Foto © by Jan Heesch

Beitrag teilen