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Johannes Oerding gehört zu den Musikern, die auf der Bühne spürbar zu Hause sind. Das zeigte der Singer-Songwriter auch bei seinem Open-Air-Konzert auf der Kurparkbühne Wiesbaden. Keine künstliche Distanz, keine Show um der Show willen. Oerding setzte auf seine Songs, seine Band und den direkten Draht zu den Menschen vor der Bühne.
Als Support eröffneten die karibisch-irischen Songwriterinnen Lloren den Abend und stimmten das Publikum auf das Konzert ein.
Oerdings Karriere hatte schon früh eine bemerkenswerte Live-Geschichte. 2009 sprang er mit seiner Band im Vorprogramm von Ich + Ich ein und stand am Timmendorfer Strand plötzlich vor rund 35.000 Menschen.
Danach ging es schnell.
Seine erste eigene Tour war ausverkauft, das Debütalbum folgte und in den kommenden Jahren etablierte sich Oerding als feste Größe der deutschsprachigen Musikszene. Gerade live entwickelte er dabei einen Stil, der weniger von großer Inszenierung als von Nähe lebt.
Genau das passte zur Kurparkbühne.
Von Beginn an wirkte Oerding nicht wie jemand, der einfach sein Programm runterspielen wollte. Er erzählte, suchte den Kontakt zu den Zuschauern und ließ zwischen den Songs genügend Raum für spontane Momente.
Seine Stärke liegt dabei in der Mischung.
Deutschsprachiger Pop trifft auf Singer-Songwriter, Rock und ruhigere Balladen. Mal wird es nachdenklich, wenige Minuten später zieht die Band das Tempo wieder deutlich an. Oerding kann beides und genau deshalb funktionieren seine Konzerte auch über einen längeren Abend hinweg.
Seine Texte erzählen von Beziehungen, Veränderungen, Zweifeln und den kleinen Dingen, die im Alltag gerne untergehen. Das klingt auf dem Papier schnell schwerer, als es auf der Bühne tatsächlich ist. Denn Oerding besitzt die Fähigkeit, diese Geschichten mit einer gewissen Leichtigkeit zu erzählen.
Mit dem Album „Kreise“ hatte Johannes Oerding zu diesem Zeitpunkt ein weiteres erfolgreiches Kapitel seiner Karriere aufgeschlagen. Die Songs zeigten einen Musiker, der seinen Stil gefunden hatte, sich darin aber keineswegs festfahren wollte.
Dass Oerding musikalisch gerne über den Tellerrand schaut, hatte er bereits mehrfach bewiesen. Peter Maffay holte ihn für sein MTV-Unplugged-Projekt dazu. Mit der NDR Radiophilharmonie wagte Oerding wiederum den Schritt in eine völlig andere Klangwelt und präsentierte seine Songs mit orchestraler Begleitung.
In Wiesbaden brauchte es diese große Besetzung nicht.
Hier funktionierten die Stücke mit seiner eigenen Band, direkter und näher am klassischen Konzertgefühl.
Je länger der Abend dauerte, desto stärker entstand jene Verbindung, für die Oerdings Konzerte bekannt sind. Die großen Refrains kamen längst nicht mehr allein von der Bühne. Das Publikum sang mit, klatschte und übernahm immer wieder ganze Passagen.
Oerding ließ das zu.
Gerade bei den ruhigeren Momenten zeigte sich, dass seine Songs keine komplizierten Konstruktionen benötigen, um zu funktionieren. Eine Stimme, eine Melodie und ein Text, in dem sich Menschen wiederfinden können, reichen manchmal völlig aus.
Dann durfte es wieder lauter werden.
Oerding besitzt keine klassische Distanz zum Publikum. Er wirkt auf der Bühne eher wie jemand, der gemeinsam mit den Menschen vor ihm einen Abend verbringen möchte. Das kann bei anderen Künstlern schnell aufgesetzt wirken.
Bei ihm funktioniert es.
Vielleicht liegt genau darin seine größte Stärke als Live-Musiker. Johannes Oerding erzählt Geschichten, statt Songs einfach nur abzuspulen. Seine Band gibt diesen Geschichten den nötigen Druck, während die Kurparkbühne den passenden Rahmen für die ruhigeren Passagen lieferte.
Wiesbaden sang mit. Laut sogar.
Und Johannes Oerding zeigte einmal mehr, warum der Sprung ins kalte Wasser vor 35.000 Menschen am Timmendorfer Strand keineswegs nur ein glücklicher Zufall seiner Karriere war.
Text & Foto © by Jan Heesch
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