
Sascha Grammel in Ludwigshafen: Puppen, Pointen und Lachsalven
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Ein Mann diskutiert auf der Bühne mit einem Vogel. Wenige Minuten später schaut man fast automatisch nur noch auf die Puppe. Sascha Grammel gastierte gestern Abend, am 3. Juli 2017, mit seinem Programm „Ich find’s lustig“ in der Friedrich-Ebert-Halle Ludwigshafen und zeigte ziemlich schnell, warum Bauchreden bei ihm weit mehr ist als eine technische Spielerei.
Grammel kam natürlich nicht allein. Frederic Freiherr von Furchensumpf, Josie und Prof. Dr. Peter Hacke sorgten dafür, dass es auf der Bühne regelmäßig voller wirkte, als es tatsächlich war.
Frederic und Josie bestimmen den Takt
Sobald Frederic auftaucht, läuft das bekannte Spiel. Der Vogel redet dazwischen, kommentiert Grammels Auftritt und bringt seinen menschlichen Partner immer wieder aus dem Konzept.
Oder zumindest wirkt es so.
Gerade diese scheinbaren kleinen Pannen machen viele Szenen stark. Grammel verdreht die Augen, setzt neu an, muss selbst lachen. Das Publikum reagiert sofort.
Josie funktioniert anders. Ruhiger. Gemächlicher. Dafür mit genau dieser Mischung aus Naivität und trockenem Humor, die auch ohne große Pointe trägt.
Prof. Dr. Peter Hacke schließlich ist schon wegen seines Äußeren schwer ernst zu nehmen. Ein Burger mit Expertenstatus. In Grammels Welt reicht das völlig.
Wenn die Puppe plötzlich wichtiger wird als der Bauchredner
Technisch bleibt der Abend beeindruckend.
Grammel schafft es, seinen Figuren klare Charaktere zu geben. Nach kurzer Zeit beobachtet man nicht mehr ihn, sondern die jeweilige Puppe. Ein Blick, eine kurze Pause, ein genervtes Kopfschütteln, und die Figur wirkt eigenständig.
Das Bauchreden selbst tritt dabei fast in den Hintergrund.
Genau das hilft dem Abend. Grammel baut keine reine Vorführung nach dem Motto „Schaut her, ich bewege meine Lippen nicht“. Er erzählt kleine Szenen, arbeitet mit Reaktionen und lässt den Figuren genug Raum, damit daraus echte Dialoge entstehen.
Manchmal reicht dafür ein Satz.
Manchmal nur Schweigen.
Viel Blödsinn, aber mit gutem Timing
Natürlich ist „Ich find’s lustig“ kein Abend für feinsinnige Gesellschaftsanalyse. Grammel arbeitet mit Wortspielen, Missverständnissen und herrlich albernen Situationen.
Und das ist völlig in Ordnung.
Sein Humor bleibt dabei familienfreundlich, ohne harmlos zu wirken. Die Pointen zielen selten unter die Gürtellinie. Stattdessen lebt vieles vom Timing und davon, wie eine Figur auf eine scheinbar banale Situation reagiert.
Besonders gut funktioniert es, wenn Grammel selbst kurz aus der Rolle fällt. Ein Lachen, ein abgebrochener Satz, ein Blick ins Publikum. Ob jeder dieser Momente spontan entsteht, ist letztlich nebensächlich. In der Halle funktioniert er.
Die Reaktion kommt unmittelbar.
Nähe statt große Showeffekte
Die Friedrich-Ebert-Halle braucht an diesem Abend keine spektakuläre Technik.
Ein paar Requisiten, Licht, Puppen. Mehr nicht.
Der Rest entsteht über Grammels Kontakt mit dem Publikum. Immer wieder nimmt er Reaktionen aus den vorderen Reihen auf oder zieht kleine Situationen in die nächste Nummer hinein. Dadurch bleibt der Abend locker und bekommt etwas Persönliches.
Gerade bei einem Programm, das über viele Termine hinweg gespielt wird, ist das wichtig. Es verhindert, dass alles wie eine exakt abgespulte Routine wirkt.
Grammel hält das Tempo hoch, lässt aber zwischendurch auch ruhigere Momente zu. Das tut der Show gut.
Sascha Grammel braucht keine große Bühne
Am Ende bleibt vor allem hängen, wie wenig Grammel eigentlich benötigt, um einen ganzen Saal zu beschäftigen.
Keine riesige Band. Keine Video-Wand. Kein großes Bühnenbild.
Ein paar Puppen, gutes Timing und die Fähigkeit, eine Figur so lange überzeugend anzuschauen, bis auch das Publikum glaubt, sie hätte gerade wirklich etwas gesagt.
Als der Abend endet, steht Sascha Grammel zwar allein auf zwei Beinen auf der Bühne.
Gefühlt waren es deutlich mehr.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














