René Marik mit Maulwurfn bei „ZeHage! Best Of plus X“ am 26. April 2017 im Capitol Mannheim

René Marik in Mannheim: Maulwurfn ist wieder ze Hage

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Es dauert nur wenige Augenblicke, bis René Marik praktisch von der Bühne verschwunden ist. Natürlich steht er noch da. Aber sobald der kleine Maulwurf den Kopf hebt, ein paar unverständliche Silben herauspresst und mit seinem berühmten „Hage! Jemand ze Hage?“ loslegt, schaut im Capitol kaum noch jemand auf den Mann, der ihn spielt. Gestern Abend, am 26. April 2017, gastierte René Marik in Mannheim mit „ZeHage! Best Of plus X“ und holte seine bekanntesten Stofffiguren zurück auf die Bühne. Auch heute Abend steht eine zweite Vorstellung im Capitol auf dem Programm.

Der Titel hält ziemlich genau, was er verspricht. Marik verbindet bekannte Nummern aus seinen bisherigen Programmen mit neuem Material und konzentriert sich dabei stärker denn je auf das Puppenspiel. Viel braucht er dafür nicht. Eine kleine Bühne, ein paar erstaunlich lebendige Stoffreste und diese besondere Fähigkeit, innerhalb von Sekunden komplett hinter einer Figur zu verschwinden.

Maulwurfn übernimmt das Capitol

Natürlich wartet ein großer Teil des Publikums auf Maulwurfn. Der kleine blinde Wühler mit seiner eigenwilligen Sprache ist längst Mariks bekannteste Figur, und sein erster richtiger Auftritt wird entsprechend gefeiert. Kaum taucht er auf, kommen die ersten Reaktionen aus dem Saal. Marik lässt ihn schnaufen, stottern, beleidigt reagieren und an der deutschen Sprache auf eine Art scheitern, die inzwischen fast eine eigene Grammatik besitzt.

Das Faszinierende daran ist weniger der einzelne Spruch als die Illusion. Nach wenigen Minuten vergisst man tatsächlich, dass Mariks Hand in der Puppe steckt. Der Maulwurf schaut ins Publikum, reagiert scheinbar auf Lacher, wird beleidigt, wenn an der falschen Stelle gelacht wird, und entwickelt eine Persönlichkeit, die mit ein bisschen schwarzem Stoff eigentlich kaum zu erklären ist.

Gerade bei den bekannten Figuren merkt man, wie präzise Marik arbeitet. Stimme, Kopfbewegung und kleinste Gesten greifen zusammen. Ein kurzes Zucken reicht, und das Capitol lacht.

Kalle und Falkenhorst sind alles andere als niedlich

Wer beim Wort Puppentheater an Kinderprogramm denkt, bekommt spätestens bei Kalle, dem Eisbären, eine ziemlich deutliche Korrektur. Kalle berlinert, pöbelt und hat von höflichem Umgang ungefähr so viel Ahnung wie ein Presslufthammer von Zimmerlautstärke. Seine Kommentare treffen Marik ebenso wie das Publikum, und genau diese Mischung aus niedlicher Figur und ziemlich erwachsenem Humor macht den Reiz aus.

Auch Frosch Günther Falkenhorst besitzt ein Ego, das locker den gesamten Bühnenraum füllt. Überheblich, besserwisserisch und selbstverständlich von seiner eigenen Bedeutung überzeugt, liefert er Marik immer wieder Wortgefechte. Die Figuren sind dabei klar voneinander getrennt. Man hört nicht René Marik mit verschiedenen Stimmen. Man erlebt tatsächlich unterschiedliche Charaktere, die zufällig alle an derselben Hand hängen.

Dazu kommen weitere bekannte Gestalten aus Mariks Puppenwelt. Der Abend springt zwischen Märchen, Filmanspielungen und komplett absurden Situationen hin und her. Vernünftig wird es selten. Zum Glück.

Wenn der Puppenspieler selbst zur Nebenfigur wird

Marik steht zwischendurch auch als René Marik auf der Bühne, spricht mit dem Publikum und verbindet die einzelnen Nummern. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass seine Puppen ihm jederzeit die Show stehlen könnten. Genau darin liegt seine Stärke. Er versucht gar nicht, permanent selbst der Mittelpunkt zu sein.

Die größeren Lacher entstehen häufig durch kleine Reaktionen. Eine Puppe schaut zu lange schweigend in den Saal. Marik versucht weiterzureden, wird unterbrochen oder von der eigenen Figur beleidigt. Solche Momente wirken locker, obwohl dahinter millimetergenaues Timing steckt.

Auch musikalische Passagen gibt es, doch sie bleiben deutlich hinter dem Puppenspiel zurück. „ZeHage! Best Of plus X“ konzentriert sich genau auf das, weshalb viele Besucher gekommen sind: Maulwurfn, Kalle, Falkenhorst und diese eigenwillige Welt, in der bekannte Geschichten innerhalb weniger Minuten komplett entgleisen.

Erwachsene lachen über ein paar Stofffetzen

Dass ein voller Saal minutenlang über eine Handpuppe lacht, klingt von außen betrachtet vielleicht ein bisschen seltsam. Im Capitol versteht man schnell, warum es funktioniert.

Marik behandelt seine Figuren nicht wie Requisiten. Sie widersprechen ihm, beleidigen ihn und führen gelegentlich ein deutlich interessanteres Eigenleben als ihr Puppenspieler. Wenn Maulwurfn wieder versucht, sich irgendwie durch eine Geschichte zu arbeiten, hängt das Publikum an jedem verdrehten Wort. Bei Kalle wird es derber, Falkenhorst liefert die Überheblichkeit dazu.

Und René Marik?

Der steht die ganze Zeit direkt daneben und wird trotzdem immer wieder unsichtbar.

Genau so muss gutes Puppenspiel wohl funktionieren.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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