Robbie Williams bei der Heavy Entertainment Show Tour am 19. Juli 2017 in der Commerzbank-Arena Frankfurt

Robbie Williams entfacht Pop-Feuerwerk in der Frankfurter Commerzbank-Arena

Beitrag teilen

Die Hitze hängt noch über Frankfurt, auf den Tribünen suchen die letzten Besucher ihre Plätze und im Innenraum wächst die Spannung von Minute zu Minute. Dann gehen die Lichter aus. Am 19. Juli 2017 ist Robbie Williamsendlich zurück in Frankfurt und verwandelt die Commerzbank-Arena vor rund 43.000 Fans in eine riesige Pop-Arena. Mit seiner „The Heavy Entertainment Show Tour“ liefert der britische Entertainer genau jene Mischung aus Größenwahn, Humor, Emotionen und großen Hits, für die ihn sein Publikum liebt.

16 Jahre mussten die Frankfurter Fans auf diese Rückkehr warten. Williams macht von Beginn an klar, dass er nicht gekommen ist, um einen gewöhnlichen Konzertabend abzuliefern.

Erasure stimmen Frankfurt auf Robbie Williams ein

Noch bevor Robbie die Arena übernimmt, gehört die Bühne Erasure. Vince Clarke und Andy Bell haben genügend Hits im Gepäck, um sich nicht mit der klassischen Rolle einer Vorband zufriedengeben zu müssen.

Mit „Victim of Love“ startet das Duo in den Abend. „Drama!“, „Oh l’amour“ und „Chorus“ folgen, während sich die noch freien Plätze auf den Rängen zunehmend füllen. Andy Bell sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und lässt sich auch von den hochsommerlichen Temperaturen nicht bremsen.

Bei „Blue Savannah“, „Sometimes“ und vor allem „A Little Respect“ wird bereits laut mitgesungen. Synthie-Pop aus den Achtzigern vor zehntausenden Menschen in einem Fußballstadion. Funktioniert erstaunlich gut.

Nach elf Songs verabschieden sich Erasure.

Jetzt warten alle nur noch auf einen.

Robbie Williams betritt die Arena mit maximalem Ego

Eminems „Lose Yourself“ läuft durch das Stadion. Dann erklingt die pompöse Robbie-Hymne, während links und rechts der Bühne riesige Silhouetten des Sängers aufragen.

Bescheidenheit? Heute Abend eher nicht.

Mit „The Heavy Entertainment Show“ eröffnet Williams sein Set und feuert unmittelbar danach „Let Me Entertain You“ hinterher. Genau dieser Song beschreibt ziemlich präzise, was in den kommenden anderthalb Stunden passieren soll.

Robbie rennt über die Bühne, grinst in die ersten Reihen, provoziert, flirtet und lässt das Publikum immer wieder selbst singen. Bei „Monsoon“ bleibt das Tempo hoch, mit „Party Like a Russian“ wird die Show endgültig zum Spektakel. Konfetti, Flammen, Tänzerinnen und ein auffälliges Sofa gehören zur Inszenierung.

Williams steht trotzdem immer im Mittelpunkt.

Dafür braucht er manchmal nicht einmal einen Song. Ein Spruch reicht. Ein Blick. Eine kleine Provokation. Die Antwort aus der Arena kommt sofort.

Große Show trifft auf überraschend persönliche Momente

Nach „Minnie the Moocher“ erinnert Robbie Williams mit „Freedom! ’90“ an den im Dezember 2016 verstorbenen George Michael. Für einen Moment wird es ruhiger.

Auch bei „Love My Life“ verschiebt sich der Ton. Williams spricht über seine Familie und seine Kinder. Plötzlich wirkt die riesige Stadionproduktion ein Stück kleiner.

Aber natürlich nicht lange.

Wenig später schwebt Robbie in einem gigantischen Boxhandschuh über das Publikum. Die Boxsport-Optik zieht sich durch die Tour und passt perfekt zu einem Mann, der seinen Auftritt gerne wie einen großen Titelkampf verkauft.

Dann wird es herrlich chaotisch.

Williams startet ein A-cappella-Medley und springt quer durch die Popgeschichte. „Livin’ on a Prayer“, „Rehab“, „The Best“, „Kiss“, „U Can’t Touch This“, „Stayin’ Alive“, „Candy“ und sogar „Back for Good“ tauchen auf. Oft reichen wenige Worte, schon erkennt das Publikum den nächsten Song.

Aus dem Stadion wird für ein paar Minuten eine Karaoke-Party mit 43.000 Teilnehmern.

Millennium, Kids und ein ungewöhnliches Duett

Mit „Come Undone“ und „Millennium“ kehrt Williams wieder zu seinen eigenen großen Nummern zurück. Besonders bei „Millennium“ gehen tausende Arme nach oben.

Dann holt er für „Something Stupid“ eine junge Frau aus dem Publikum auf die Bühne. Ein romantisches Duett wird daraus allerdings nur bedingt. Eine „Magic Singing Mask“ macht aus der Szene eher Robbie-Comedy als große Ballade.

Passt zu diesem Abend.

„Rudebox“ sorgt anschließend für einen stilistischen Bruch, bevor „Kids“ die Arena wieder geschlossen abholt.

Und plötzlich wird es familiär.

Bei „Sweet Caroline“ steht Robbies Vater Pete Conway mit auf der Bühne. Vater und Sohn sitzen gemeinsam auf dem Sofa, singen Neil Diamonds Klassiker und genießen sichtbar den Moment. Von der großen Stadionpose bleibt für ein paar Minuten nicht mehr viel übrig.

Die Fans feiern beide.

Feel und Rock DJ bringen die Arena zum Beben

Danach zieht Williams die nächste Hitkarte.

„Feel“.

Überall im Stadion leuchten Smartphones, der Refrain kommt von den Tribünen und aus dem Innenraum mit solcher Lautstärke zurück, dass Williams immer wieder einfach sein Publikum übernehmen lässt.

Direkt danach setzt „Rock DJ“ ein.

Jetzt steht praktisch jeder, der noch sitzen kann. Der Beat drückt durch die Commerzbank-Arena, Robbie springt über die Bühne und treibt die Fans noch einmal an.

Nach „Rock DJ“ verschwindet die Band.

Natürlich geht niemand.

Die Zugabe beginnt mit „She’s the One“ deutlich ruhiger. Dann reichen wenige Sekunden und zehntausende Menschen wissen, welcher Moment gekommen ist.

Bei Angels singt ganz Frankfurt

Die ersten Töne von „Angels“ ziehen durch das Stadion.

Jetzt braucht Robbie Williams kaum noch etwas zu tun.

Von den vorderen Reihen bis hoch auf die Tribünen wird der Refrain mitgesungen. Laser und Pyrotechnik verstärken die Wirkung, doch eigentlich ist die ganze Produktion in diesem Moment nebensächlich. Der eigentliche Effekt kommt von den Menschen.

43.000 Stimmen.

Ein Song aus dem Jahr 1997.

Und plötzlich wirkt die riesige Commerzbank-Arena erstaunlich nah.

Ganz am Ende bleiben Robbie Williams und Guy Chambers am Klavier zurück. Mit „My Way“ verabschiedet sich der Entertainer nach rund 95 Minuten von seinem Frankfurter Publikum.

16 Jahre hatte die Stadt auf Robbie Williams warten müssen.

Bei „Angels“ klang es, als wäre er nie weg gewesen.

Setlist von Robbie Williams in Frankfurt

  1. The Heavy Entertainment Show
  2. Let Me Entertain You
  3. Monsoon
  4. Party Like a Russian
  5. Minnie the Moocher
  6. Freedom! ’90
  7. Love My Life
  8. A-cappella-Medley
  9. Come Undone
  10. Millennium
  11. Something Stupid
  12. Rudebox
  13. Kids
  14. Sweet Caroline
  15. Feel
  16. Rock DJ

Zugabe:

  1. She’s the One
  2. Angels
  3. My Way
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

Beitrag teilen