
Seeed bringen die Jahrhunderthalle Frankfurt zum Beben
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Viel besser hätte dieser Tourauftakt kaum laufen können. Als Seeed 2019 ihre Tour in der Jahrhunderthalle Frankfurt starteten, waren die Tickets längst weg. Bereits Monate zuvor war die komplette Tour einschließlich der Zusatzshows ausverkauft. Wer spontan noch dabei sein wollte, hatte schlechte Karten.
Drinnen dagegen herrschte vom ersten Moment an Bewegung.
Die Berliner brachten ihren unverwechselbaren Mix aus Dancehall, Reggae, Dub und Hip-Hop auf die Bühne und machten aus der Jahrhunderthalle ziemlich schnell eine riesige Tanzfläche. Stillstehen? Schwierig.
Doch dieser Tourstart hatte auch eine andere, sehr persönliche Seite.
Die erste Seeed-Tour ohne Demba Nabé
Für Seeed begann mit dieser Konzertreise ein neues Kapitel. Es war die erste Tour der Band ohne ihren 2018 verstorbenen Sänger Demba Nabé, der gemeinsam mit Peter Fox und Dellé über viele Jahre das Gesicht und den Sound der Formation geprägt hatte.
Sein Fehlen war spürbar.
Die Band versuchte dabei nicht, diesen Verlust mit großen Gesten zu überdecken. Vielmehr schwang die Erinnerung an ihren langjährigen Weggefährten während des Abends immer wieder mit.
Und trotzdem sollte dieser Abend keine Trauerveranstaltung werden.
Seeed machten das, was sie am besten können: spielen, tanzen, feiern und eine komplette Halle mitziehen.
Neue Songs treffen auf alte Seeed-Klassiker
Musikalisch führte das Konzert quer durch die Bandgeschichte.
Neben älteren Stücken standen Songs des neuen Albums „BAM BAM“ auf dem Programm, das am 4. Oktober 2019 erschienen war. Damit hatten Seeed erstmals seit mehreren Jahren wieder ein neues Studioalbum veröffentlicht.
Live funktionierte die Verbindung aus neu und alt erstaunlich selbstverständlich.
Die Band musste sich ohnehin nicht lange darum bemühen, das Publikum in Bewegung zu bringen. Sobald die Beats einsetzten, tanzten die ersten Reihen. Wenig später machte der Rest der Halle einfach mit.
Bei Seeed gehört das dazu.
Dancehall verwandelt Frankfurt in eine Tanzfläche
Selbst während der ruhigeren Nummern kehrte kaum Ruhe ein. Überall wippten Köpfe, Arme gingen hoch und die Menge blieb permanent in Bewegung.
Seeed live bedeutet eben mehr als ein paar Musiker, die ihre Songs möglichst exakt reproduzieren.
Die Berliner bauen ihre Konzerte um Rhythmus.
Bass und Percussion treiben nach vorne, die Bläser setzen Akzente und darüber wechseln sich die Stimmen ab. Wenn alle Elemente ineinandergreifen, entsteht dieser typische Seeed-Sound, der irgendwo zwischen Berliner Großstadt und karibischem Dancehall seine eigene Ecke gefunden hat.
In Frankfurt saß das.
Perfekt geplant und trotzdem nicht steril
Auf der Bühne passierte permanent etwas.
Bewegungen, Licht, Musiker und Abläufe waren präzise aufeinander abgestimmt. Bei einer Formation dieser Größe muss das auch so sein. Seeed standen mit einer zehnköpfigen Besetzung auf der Bühne, und wenn dort jeder einfach macht, worauf er gerade Lust hat, wird aus locker ziemlich schnell chaotisch.
Genau das passierte nicht.
Die Produktion wirkte durchgeplant, aber eben nicht steif. Trotz aller Präzision behielten die Musiker diese gewisse Lässigkeit, die ihre Shows seit Jahren auszeichnet.
Das ist schwerer, als es aussieht.
Frankfurt bekommt kaum Zeit zum Durchatmen
Große Pausen waren ohnehin nicht vorgesehen.
Ein Song ging in den nächsten über, der Bass blieb präsent und vor der Bühne wurde weitergetanzt. Peter Fox, Dellé und die gesamte Band hielten das Tempo hoch und ließen die Jahrhunderthalle kaum zur Ruhe kommen.
Das Publikum brauchte keine Aufforderung.
Es wurde gesungen, gesprungen und getanzt. Viel getanzt.
Gerade diese unmittelbare Reaktion zeigte, wie sehr die Songs der Berliner über die Jahre zu einem festen Bestandteil der deutschen Musiklandschaft geworden waren.
Ein Tourauftakt, der die Richtung vorgibt
Für Seeed war Frankfurt mehr als irgendein weiterer Termin im Tourkalender.
Die Band musste nach dem Tod von Demba Nabé erstmals zeigen, wie sie als veränderte Formation auf der großen Bühne funktionieren würde. Gleichzeitig standen mit dem neuen Album frische Songs neben Stücken, die Fans seit vielen Jahren kennen.
Beides funktionierte.
Der Tourauftakt in der ausverkauften Jahrhunderthalle Frankfurt zeigte eine Band, die ihren Verlust mit sich trägt und trotzdem nach vorne schaut.
Und Frankfurt?
Durfte direkt noch einmal ran. Bereits am folgenden Abend wartete die nächste ausverkaufte Show in der Jahrhunderthalle.
Text & Fotos © Jan Heesch














