Semino Rossi am 5. März 2016 während seiner „Amor“-Tour auf der Bühne der SAP Arena Mannheim

Semino Rossi in Mannheim: Amor liegt in der Luft

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Rote Rosen, große Gefühle und Rhythmen, die einen gedanklich ziemlich schnell aus dem kalten März in Richtung Lateinamerika schicken. Semino Rossi in Mannheim steht am 5. März 2016 ganz im Zeichen der Liebe. In der SAP Arena präsentiert der in Argentinien geborene Sänger seine Tour zum wenige Monate zuvor erschienenen Album „Amor – Die schönsten Liebeslieder aller Zeiten“ und verbindet internationale Klassiker mit seinen eigenen großen Schlagern. Die Mannheimer Show beginnt um 19.30 Uhr und ist eine der zahlreichen Stationen einer umfangreichen Konzertreise durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und weitere europäische Länder.

Still am Mikrofon stehen und eine Ballade nach der anderen singen, das wäre für diese Produktion zu wenig. Rossi wird von einer Liveband und einem mehrköpfigen Tänzerensemble begleitet, lateinamerikanische Farben ziehen sich durch den Abend. Mal elegant, mal temperamentvoll. Dazu kommt ein Sänger, der ständig den Kontakt zum Publikum sucht, Geschichten erzählt, scherzt und zwischen all den romantischen Liedern immer wieder überraschend viel Humor zeigt. Die Liebe ist das große Thema. Kitsch darf da durchaus sein, solange er mit einem Augenzwinkern kommt.

„Amor“ macht aus Welthits Semino-Rossi-Songs

Das Album hinter der Tour ist ein ungewöhnliches Projekt. Statt ausschließlich neue Eigenkompositionen aufzunehmen, hat Rossi internationale Liebeslieder ausgewählt und sie in seine musikalische Welt übersetzt. „La Vie en Rose“ wird zu „Schau mich bitte nicht so an“, Elvis Presleys „Can’t Help Falling in Love“ steckt hinter „Weit so weit“, aus „Always on My Mind“ wird „Du bist immer nah bei mir“. Dazu kommen „Mandy“, „Quando Quando“ und weitere Melodien, die viele schon nach wenigen Takten erkennen.

Live funktioniert dieses Konzept besonders gut, weil bekannte Melodien plötzlich mit Schlagersound, Orchesterfarben und südamerikanischem Temperament zusammentreffen. Rossi bewegt sich dabei selbstverständlich zwischen Deutsch und Spanisch. Seine warme Stimme bleibt das verbindende Element. Selbst Songs, die musikalisch weit voneinander entfernt entstanden sind, passen dadurch erstaunlich gut in denselben Abend.

Und natürlich bleibt „Amor“ keine reine Coverreise. Die eigenen Hits gehören genauso dazu.

Von der großen Show zurück zur Gitarre

Zwischen Tänzern, Licht und den aufwendigeren Arrangements gibt es immer wieder Momente, in denen die Produktion bewusst kleiner wird. Rossi greift selbst zur Gitarre, jenem Instrument, mit dem er lange vor seiner Schlagerkarriere als Straßenmusiker unterwegs war. Ausschnitte aus der Dokumentation „Semino Rossi – Mein Weg“ erinnern innerhalb der Tourshow an diese Jahre und daran, dass der Weg auf große Arenabühnen keineswegs vorgezeichnet war.

Genau solche Passagen geben dem Abend eine andere Temperatur. Eben noch großes Arrangement und Tänzer, wenige Minuten später steht stärker der Sänger im Mittelpunkt. Rossi erzählt, lächelt viel und schafft es, die Distanz einer großen Halle immer wieder zu verkleinern.

Bei „Arja“ wird das Publikum sogar selbst Teil der Choreografie. Hände formen Herzen, Rossi gibt die Bewegungen vor und kommentiert das Ganze mit trockenem Humor. Dass der Sänger seine romantische Bühnenfigur dabei nicht übermäßig ernst nimmt, gehört zu den sympathischsten Seiten dieser Tourproduktion.

Michelle erscheint auf der großen Leinwand

Für „Bleib doch heut’ Nacht“ braucht Semino Rossi eigentlich eine zweite Stimme. Auf dem Album singt er die deutsche Version von „We’ve Got Tonight“ gemeinsam mit Michelle. Auf der Tour kommt das Duett ebenfalls zur Aufführung, obwohl die Sängerin nicht persönlich mitreist. Ihre zuvor aufgezeichnete Performance erscheint auf der Videowand, Rossi singt live dazu.

Die technische Lösung passt überraschend gut in die Show und bringt eine weitere Farbe in einen Abend, der ohnehin ständig zwischen klassischem Schlager und internationalen Einflüssen wechselt. Direkt danach kann es wieder vollkommen anders klingen. Denn Rossi trägt seine argentinischen Wurzeln nicht nur in seiner Biografie mit sich.

Im zweiten Konzertteil wird es zunehmend rhythmischer.

Wenn aus Schlager plötzlich eine Latin-Party wird

„Volare“, „Bamboleo“ oder „Lambada“ gehören innerhalb der „Amor“-Show zu jener Phase, in der Sitzenbleiben immer schwieriger wird. Die Tänzer treiben das Tempo hoch, Percussion und Latin-Rhythmen übernehmen und aus dem romantischen Schlagerabend entwickelt sich zeitweise eine kleine südamerikanische Party. Genau diese Mischung unterscheidet die Produktion von einem reinen Best-of-Konzert.

Rossi hat dabei sichtbar Spaß an den Stilwechseln. Balladen dürfen sentimental sein. Lateinamerikanische Stücke dürfen hüften. Und bei den bekannten eigenen Schlagern braucht es ohnehin kaum eine Einladung zum Mitsingen.

„Rot sind die Rosen“ gehört natürlich in diese Kategorie. Ein Titel, der längst untrennbar mit Semino Rossi verbunden ist und im Konzert zu jenen Momenten gehört, bei denen die ersten Takte genügen. Auch „Bella Romantica“ und „Du bist meine Symphonie“ stehen exemplarisch für jene großen Melodien, mit denen sich Rossi seit den frühen 2000er-Jahren ein treues Publikum aufgebaut hat.

Zwischen Rosen und südamerikanischem Temperament

Nach rund zweieinhalb Stunden hat die „Amor“-Show ziemlich viele Facetten der Liebe durchgespielt. Große Balladen, bekannte Welthits, klassische Rossi-Schlager, ein virtuelles Duett, Humor und immer wieder lateinamerikanische Ausflüge. Die Inszenierung ist romantisch, aber selten steif. Dafür sorgt schon Rossi selbst.

Der Mann im eleganten Anzug kann eben im einen Moment gefühlvoll eine Liebeserklärung singen und im nächsten über sich selbst lachen.

Am 5. März 2016 liegt deshalb nicht nur „Amor“ über der SAP Arena.

Ein bisschen Argentinien ist auch dabei.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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