
Söhne Mannheims in Mannheim: Heimspiel unter besonderen Vorzeichen
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Heimspiel für die Söhne Mannheims, allerdings eines, wie es die Band zuvor wohl kaum erlebt hatte. Am 26. Juni 2020 standen die Musiker beim CARStival auf dem Maimarktgelände Mannheim auf der Bühne. Vor ihnen keine dicht gedrängte Menge, sondern Reihen von Autos. Einlass ab 19 Uhr, Konzertbeginn um 20.30 Uhr. Das offizielle Veranstaltungsarchiv bestätigt den Termin auf dem Maimarktgelände.
Trotz Windschutzscheiben und Sicherheitsabstand fühlte sich der Abend schnell nach mehr als einer Corona-Notlösung an. Schließlich spielten die Söhne Mannheims in Mannheim, dort also, wo ihre Geschichte 1995 begonnen hatte. Und dieses Heimspiel fiel ausgerechnet in eine Phase, in der sich innerhalb der Band einiges veränderte.
Neue Stimmen bei den Söhnen Mannheims
Wer die Band lange nicht live gesehen hatte, musste sich zunächst an einige neue Gesichter gewöhnen. Mit Giuseppe „Gastone“ Porrello und Karim Amun waren zwei neue Sänger zum Kollektiv gestoßen. Gemeinsam mit Dominic Sanz, Michael Klimas, Metaphysics und den weiteren Musikern entstand eine Besetzung, die den bekannten Söhne-Sound weiterführte, ihm aber hörbar neue Farben gab. Die damalige Formation umfasste insgesamt 13 Musiker.
Das war gerade in Mannheim spannend zu beobachten. Die alten Songs sind eng mit bestimmten Stimmen verbunden. Eine neue Besetzung kann deshalb nicht einfach versuchen, die Vergangenheit möglichst exakt zu kopieren.
Musste sie auch nicht.
Karim Amun brachte viel Soul in die Gesangsparts, Gastone eine rauere Stimme und einen eigenen musikalischen Charakter. Die mehrstimmigen Passagen blieben trotzdem ein wesentliches Merkmal der Band.
„Moral“ feiert ausgerechnet beim Heimspiel Premiere
Noch besonderer machte den Abend ein neuer Song. „Moral“ erschien genau am 26. Juni 2020, also am Tag des Mannheimer CARStival-Konzerts. Die Single und das neue Line-up sollten bei diesem Auftritt erstmals gemeinsam einem größeren Publikum präsentiert werden.
Damit bekam das Konzert neben der ungewöhnlichen Autokino-Situation noch einen zweiten Schwerpunkt. Es ging nicht nur darum, nach Wochen ohne reguläre Veranstaltungen endlich wieder auf einer Bühne zu stehen.
Die Söhne wollten zeigen, wie es weitergeht.
Zwischen den bekannten Stücken wirkte „Moral“ deshalb nicht wie irgendein neuer Song, der pflichtbewusst in die Setlist geschoben wurde. In dieser Phase stand die Band selbst an einem neuen Punkt.
Und dann ausgerechnet Mannheim.
Das passte.
Alte Songs funktionieren auch hinter der Windschutzscheibe
Natürlich warteten viele auf jene Titel, die sie seit Jahren mit den Söhnen Mannheims verbinden. „Und wenn ein Lied“, „Geh davon aus“ und andere bekannte Stücke haben längst eine Geschichte, die weit über einzelne Tourneen hinausgeht.
Im Autokino veränderte sich ihre Wirkung trotzdem.
Normalerweise hört man bei „Und wenn ein Lied“ die Stimmen aus einem ganzen Saal zurückkommen. Auf dem Maimarktgelände saßen die Menschen in ihren Fahrzeugen und sangen dort mit. Fenster gingen herunter, Hände kamen heraus, anschließend blinkten die Scheinwerfer.
Es war schon ein seltsamer Applaus.
Aber nach mehreren CARStival-Abenden wusste man inzwischen, was ein Platz voller Warnblinker bedeutete.
Die Söhne Mannheims leben von ihren unterschiedlichen Stimmen
Gerade bei dieser Band wurde deutlich, wie wichtig Live-Musik für den eigenen Sound ist. Soul, Pop, Reggae und Hip-Hop stehen nicht sauber voneinander getrennt nebeneinander. Die Musiker wechseln ständig zwischen Stilen und Stimmen, einzelne Sänger treten nach vorne und ziehen sich wieder zurück.
Die Söhne Mannheims waren nie das klassische Modell Frontmann plus Begleitband.
2020 galt das mehr denn je.
Der Auftritt beim CARStival wurde damit auch zu einer ersten größeren Standortbestimmung für die neu formierte Besetzung. Schon die zeitgenössische Berichterstattung sprach ausdrücklich von einem Neustart mit Gastone und Karim Amun.
Dass diese Präsentation ausgerechnet aus Autos verfolgt werden musste, konnte vorher wirklich niemand planen.
Heimspiel bleibt Heimspiel
Natürlich fehlte etwas. Mannheim ohne ein Publikum, das dicht vor der Bühne steht, fühlt sich bei den Söhnen Mannheims ungewöhnlich an.
Andererseits entstand genau daraus eine Atmosphäre, die man so kein zweites Mal bekommen würde.
Die Band spielte in ihrer Heimatstadt. Neue Mitglieder standen neben langjährigen Weggefährten. Ein neuer Song erschien am selben Tag. Und vor der Bühne saßen Menschen, die nach Monaten voller Absagen endlich wieder gemeinsam Musik erleben konnten.
Das CARStival war für solche Abende gebaut worden. Konzerte, Comedy und Filme konnten auf dem Maimarktgelände trotz der damaligen Kontaktbeschränkungen stattfinden.
Als am Ende wieder die Lichter zwischen den Autoreihen aufblinkten, war dieser seltsame Konzertsommer längst zur Normalität geworden.
Zumindest für einen Abend fühlte sich Mannheim trotzdem wieder ein bisschen mehr nach Mannheim an.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













