
Udo Lindenberg in Frankfurt: Panikparty vor 45.000 Fans
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Der Panikpräsident kam nicht einfach auf die Bühne. Er schwebte ein. Hoch über den Köpfen der Zuschauer bewegte sich Udo Lindenberg am 18. Juli 2015 in einer Gondel von der Osttribüne durch die ausverkaufte Commerzbank-Arena, während „Odyssee“ den Startschuss für einen Abend gab, der mit einem normalen Rockkonzert nur noch bedingt zu beschreiben war. 45.000 Menschen füllten das Frankfurter Waldstadion bis auf den letzten Platz, das Dach war wegen angekündigter Gewitter geschlossen. Drei Stunden später war klar: Die „Panik Party 2015“ hatte ihren Namen verdient.
Udo war damals 69 Jahre alt. Auf dieser gigantischen Bühne spielte das kaum eine Rolle. Sonnenbrille, Hut, schwarzer Anzug und dieses unverwechselbare Nuscheln reichten, um selbst ein Fußballstadion erstaunlich schnell nach Lindenberg aussehen zu lassen. Hinter ihm wartete das Panikorchester, dazu Bläser, Sänger, Tänzer, Kinderchor und eine Gästeliste, die eher an eine große Fernsehshow erinnerte. Frankfurt war der letzte von drei großen Stadionterminen nach Hannover und Berlin.
Bülent Ceylan heizt das Frankfurter Stadion an
Schon vor Udos Ankunft bekam Mannheim einen kleinen Auftritt in Frankfurt. Bülent Ceylan übernahm den Support und brachte Stand-up, Headbanging und sein Anti-Rassismus-Stück mit auf die Stadionbühne. Eine ungewöhnliche Wahl für ein Rockkonzert, aber bei Lindenberg passte das. Beide verbindet eine klare Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus, und Ceylan musste bei diesen Temperaturen ohnehin niemanden lange aufwärmen.
Später sollte der Mannheimer noch einmal zurückkehren. Bei „Highway to Hell“ stand Bülent gemeinsam mit Udo auf der Bühne und machte aus dem AC/DC-Klassiker einen jener Momente, die bei dieser Show ständig irgendwo auftauchten. Denn die „Panik Party“ funktionierte wie ein großes Kommen und Gehen. Kaum war ein Gast verschwunden, wartete schon der nächste.
Clueso, Adel Tawil und Eric Burdon feiern mit Udo
Bei „Cello“ kam Clueso dazu. Die gemeinsame Version gehörte längst zu den bekannten Neuinterpretationen aus Lindenbergs später Karrierephase und funktionierte vor 45.000 Menschen entsprechend sicher. Wenig später unterstützte Adel Tawil Udo bei „Bunte Republik Deutschland“, während Josephin Busch aus dem Musical „Hinterm Horizont“ unter anderem bei „Gegen die Strömung“ und später beim Titelstück „Horizont“ auf der Bühne stand.
Dann erschien plötzlich Eric Burdon. Der frühere Animals-Sänger war zu diesem Zeitpunkt 74 Jahre alt und sang gemeinsam mit Lindenberg „We Gotta Get Out of This Place“. Zwei Rockveteranen mitten in einer Produktion, die ansonsten kaum größer und moderner hätte aussehen können. Helge Schneider durfte ebenfalls nicht fehlen und übernahm mit Udo „Der Greis ist heiß“. Dazu kamen Musiker wie Carl Carlton und die komplette Panikfamilie.
Zwischen „Mein Ding“ und klarer politischer Haltung
Musikalisch machte Lindenberg gar nicht erst den Fehler, seine großen Songs bis zum Schluss aufzusparen. Nach „Odyssee“, „Die Heizer kommen“ und „Boogie-Woogie-Mädchen“ stand früh „Mein Ding“ auf dem Programm. Danach folgten „Cello“, „Ich lieb’ dich überhaupt nicht mehr“, „Ganz anders“ und „Wozu sind Kriege da“. Spätestens hier wurde aus der großen Rockrevue wieder ein politischer Lindenberg-Abend.
„Sie brauchen keinen Führer“ bekam 2015 eine Aktualität, die niemand erklären musste. Lindenberg sprach sich gegen Rechtsextremismus aus, gegen Ausgrenzung und für eine offene Gesellschaft. Mit „Wir werden jetzt Freunde“ griff er das Thema Flucht auf, bei „Bunte Republik Deutschland“ wurde die Botschaft ohnehin unmissverständlich. Das war kein kurzer Pflichtsatz zwischen zwei Hits. Politik gehörte bei Udo seit Jahrzehnten zur Show und bekam auch im Stadion ihren Platz.
600 Quadratmeter LED-Wand und ein fliegender Udonaut
Die Dimensionen dieser Produktion waren enorm. Eine rund 600 Quadratmeter große LED-Wand, 200 Lautsprecher, 300 Spezialleuchten, 31 Kilometer Kabel und 31 Trucks waren für die Stadiontour unterwegs. Die Bühne selbst maß rund 400 Quadratmeter. Dazu das sogenannte panische Raumschiff und die Gondel, mit der der „Udonaut“ zu Beginn durch das Stadion flog.
Trotzdem verschwand Lindenberg nicht hinter der Technik. Genau das machte die Show stark. Auf den Leinwänden liefen Bilder aus seiner Karriere, politische Sequenzen und große Liveaufnahmen, doch im Mittelpunkt blieb dieser Mann mit Hut, Sonnenbrille und Mikrofon. Mal stand er mit dem Panikorchester da, wenig später mit einem Gaststar, dann mit Kinderchor oder allein im Licht. Chaos sah anders aus. Hinter diesem scheinbaren Tohuwabohu steckte ein ziemlich präziser Ablauf.
„Horizont“, „Sonderzug nach Pankow“ und Andrea Doria
Im letzten Drittel wurde die Setlist endgültig zur Zeitreise. „Horizont“, „Sternenreise“ und „Honky Tonky Show“ führten Richtung Zugabe, danach kamen „Bis ans Ende der Welt“, „Jonny Controlletti“ und natürlich „Sonderzug nach Pankow“. Bei „Alles klar auf der Andrea Doria“ holte Udo sogar einen als Lindenberg verkleideten Fan mit auf die Bühne. In einem Stadion mit 45.000 Menschen entstand plötzlich ein erstaunlich kleiner, sympathischer Moment.
„Reeperbahn“, „Goodbye Sailor“ und „Ich schwöre“ brachten den Abend schließlich nach exakt drei Stunden Richtung Ende. Ein kleines Feuerwerk setzte den Schlusspunkt, auf den riesigen Screens lief der Abspann. Mehr Zugabe war nicht eingeplant. Bei einer Show dieser Größenordnung hätte man ohnehin kaum noch gewusst, was danach kommen sollte.
45.000 Menschen, ein fliegender Udonaut, Bülent Ceylan, Clueso, Adel Tawil, Eric Burdon, Helge Schneider und ein Panikorchester in Bestform. Vor allem aber Udo.
Der Mann mit Hut machte einfach sein Ding.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













