Tenacious D mit Jack Black und Kyle Gass live in der Festhalle Frankfurt 2020

Tenacious D in Frankfurt: Erst Weltuntergang, dann Rockgötter

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Am 16. Februar 2020 wurde die Festhalle Frankfurt zur Spielwiese für zwei Männer, die Rockmusik gleichzeitig lieben und genüsslich durch den Kakao ziehen. Jack Black und Kyle Gass kamen mit ihrer „Post-Apocalypto The Tour“ nach Frankfurt, unterstützt von Wynchester. Vier Deutschlandshows standen damals auf dem europäischen Tourplan. Frankfurt lag zwischen München und Berlin. Tenacious D in Frankfurt war dabei ein Abend mit zwei ziemlich unterschiedlichen Gesichtern. Erst Weltuntergang als Rockoper. Danach: endlich völliger Wahnsinn.

Den Auftakt machten Wynchester. Mike Bray und John Konesky standen mit zwei Akustikgitarren auf der Bühne, irgendwo zwischen Country, Southern Rock und Comedy. Eine ziemlich passende Kombination für einen Abend, an dem musikalisches Können und gepflegter Blödsinn ohnehin ständig nebeneinanderliegen sollten. Konesky ist außerdem seit Jahren Teil der erweiterten Tenacious-D-Liveband.

„Post-Apocalypto“ verlangt Frankfurt zunächst Geduld ab

Als Jack Black und Kyle Gass auftauchten, gab es erst einmal keinen klassischen Best-of-Einstieg. Stattdessen hing ein großer transparenter Projektionsvorhang vor der Bühne. Darauf lief die animierte Welt von „Post-Apocalypto“, während Black und Gass dahinter spielten.

Das Konzept gehörte fest zu dieser Tour: Die handgezeichneten Animationen basierten auf der sechsteiligen Webserie, die Jack Black selbst gezeichnet und gemeinsam mit Kyle Gass geschrieben und eingesprochen hatte. Bei den Songs wurde der Vorhang durchscheinend, dazwischen erzählte der Film die Geschichte weiter.

Eine nette Idee.

Aber in Frankfurt zündete sie zunächst nur bedingt.

„Hope“, „Making Love“, „Take Us Into Space“, „Daddy Ding Dong“, „Robot“ oder „Save the World“ erzählten die postapokalyptische Geschichte zwar konsequent weiter, doch vor der Bühne warteten viele offensichtlich auf etwas anderes. Auf Jack Black ohne Leinwand davor. Auf Kyle Gass. Auf Gitarrensoli, Grimassen und diesen herrlich übertriebenen Rockgott-Unfug, für den Tenacious D seit Jahren geliebt werden.

Dann fiel der Vorhang.

Und plötzlich war da ein anderes Konzert.

Ohne Vorhang wird aus der Festhalle eine Rock-Comedy-Party

Mit „Rize of the Fenix“ begann praktisch die zweite Show des Abends. Jetzt stand Jack Black frei auf der Bühne und brauchte nur wenige Minuten, um die Festhalle komplett auf seine Seite zu ziehen.

Black kann hervorragend singen. Das gerät bei all dem Unsinn fast manchmal in Vergessenheit. Dann kommt dieses Falsett, anschließend eine völlig übertriebene Metal-Pose und fünf Sekunden später irgendein Gesichtsausdruck, bei dem man schon lachen muss, bevor überhaupt etwas passiert ist.

Kyle Gass liefert daneben den stoischen Gegenpol.

„Low Hangin’ Fruit“, „Roadie“ und natürlich das obligatorische Sax-a-Boom sorgten dafür, dass der erste Teil schnell vergessen war. Danach kamen die Stücke, wegen denen viele offensichtlich da waren.

„Dude (I Totally Miss You)“. „Kickapoo“. „Beelzeboss (The Final Showdown)“. „The Metal“.

Jetzt wurde nicht mehr höflich zugesehen. Es wurde gebrüllt.

Bei „Tribute“ rastet Frankfurt endgültig aus

Tenacious D haben im Laufe ihrer Karriere einige Songs geschrieben, bei denen die Grenze zwischen genialem Rocksong und kompletter Albernheit praktisch verschwunden ist. Einer steht allerdings über allem.

„Tribute“.

Die Geschichte vom größten Song der Welt, den Jack Black und Kyle Gass leider nicht mehr rekonstruieren können, gehört seit dem Debütalbum von 2001 zum Kern des Tenacious-D-Kosmos. In Frankfurt genügten die ersten Sekunden.

Dann sang die Festhalle.

Laut.

Sehr laut.

Man hatte fast das Gefühl, dass sich das Publikum genau für diesen Moment die ganze Energie aufgehoben hatte. Die Hände gingen hoch, jede Pointe saß, der Refrain kam von überall zurück. Ein Mitsingmoment, bei dem Jack Black die Halle kaum noch antreiben musste.

Der „Greatest Song in the World“ war es natürlich wieder nicht.

Nur ein Tribute.

„Fuck Her Gently“ beendet den Abend auf typisch Tenacious-D-Art

Nach all dem Metal, den Dämonen und imaginären Rockgöttern brauchte es zum Schluss keine Explosion.

Jack Black und Kyle Gass setzten sich hin.

Dann kam „Fuck Her Gently“.

Eine herrlich unanständige Akustikballade als Schlusspunkt eines Konzerts, das vorher zwischen Weltuntergang, Comicfilm und Metalshow hin und her gesprungen war. Genau so muss Tenacious D vermutlich enden. Die Nummer stammt vom Debütalbum und lebt bis heute gerade vom absurden Gegensatz zwischen sanfter Folkballade und sehr wenig jugendfreiem Text.

Der Abend hatte seine Delle. Der lange „Post-Apocalypto“-Block hinter dem Projektionsvorhang verlangte Frankfurt anfangs einiges ab.

Aber dann fiel dieses Ding.

Und plötzlich standen da wieder Jack Black und Kyle Gass, zwei Akustikgitarren, eine komplette Rockband und eine Festhalle, die bei „Tribute“ völlig die Kontrolle verlor.

Mehr Rockgott braucht es manchmal nicht.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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