That’s Life – Das Sinatra-Musical live im Rosengarten Mannheim 2020

That’s Life in Mannheim: Sinatra zwischen Swing und Show

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Am 21. Februar 2020 wurde der Mozartsaal des Rosengartens für einen Abend zur Adresse für Swing, Big Band und die Musik eines der prägendsten Entertainer des 20. Jahrhunderts. „That’s Life – Das Sinatra-Musical“ machte auf seiner Deutschlandtour Station in Mannheim und führte durch mehrere Jahrzehnte im Leben von Frank Sinatra. Dabei ging es um Welterfolge, Hollywood und Las Vegas, aber ebenso um die Menschen und Beziehungen hinter der öffentlichen Figur. That’s Life in Mannheim setzte allerdings vor allem auf das, was bei Sinatra bis heute am stärksten wirkt: seine Songs.

Erst wenige Wochen zuvor, am 8. Januar 2020, hatte die Produktion im Theater am Potsdamer Platz in Berlin ihre Weltpremiere gefeiert. Mannheim war Teil einer umfangreichen Tour durch Deutschland und Österreich.

Zwei Darsteller zeigen unterschiedliche Seiten von Frank Sinatra

Eine interessante Entscheidung der Produktion bestand darin, Sinatra nicht durchgehend von einem einzigen Darsteller spielen zu lassen. Janko Danailow verkörperte den jüngeren Frank Sinatra, während Tam Ward die späteren Lebens- und Karrierejahre übernahm. So konnte die Show den Weg vom ambitionierten Sänger zum international gefeierten Entertainer sichtbar voneinander absetzen.

Gerade Ward brachte dafür reichlich Erfahrung mit. Der gebürtige Schotte hatte Sinatra bereits über Jahre in der internationalen Produktion „The Rat Pack Live from Las Vegas“ dargestellt. Danailow kam dagegen stärker aus dem klassischen Musicalfach.

Das funktionierte auch deshalb, weil „That’s Life“ keine streng durchkomponierte Musicalhandlung sein wollte. Die Lebensstationen bildeten den Rahmen, die Musik stand klar im Vordergrund.

Und davon gab es reichlich.

„My Way“, „New York, New York“ und mehr als 25 Sinatra-Songs

Mehr als 25 Titel aus Sinatras Karriere gehörten zum Programm der Tour. Stücke wie „My Way“, „Strangers in the Night“, „New York, New York“, „Night and Day“ oder „You Make Me Feel So Young“ brauchten dabei kaum Einführung. Viele Melodien sind längst Teil der Popkultur geworden, selbst für Menschen, die nie bewusst ein Sinatra-Album aufgelegt haben.

Entscheidend war, dass die Songs nicht lediglich als musikalische Zwischenstücke behandelt wurden. Eine große Live-Band gab der Show ihren eigentlichen Charakter. Für die Produktion waren 13 Musiker unter der musikalischen Leitung von Gerald Meier im Einsatz.

Damit bekam der Abend genau jenen Big-Band-Sound, den diese Musik braucht. Bläser, Rhythmusgruppe und Gesang konnten Druck entwickeln, ohne dass aus Sinatra plötzlich moderner Pop werden musste. Gerade bei den bekannten Swing-Nummern lag darin deutlich mehr Reiz als in einer möglichst originalgetreuen Tonträgerkopie.

Rat Pack und Las Vegas gehören zur Geschichte dazu

Wer Frank Sinatra erzählt, kommt am Rat Pack kaum vorbei. Auch „That’s Life“ griff diese Ära auf. Randy Diamond übernahm Dean Martin, Mickey Smith Jr. stand als Sammy Davis Jr. auf der Bühne. Zusammen mit Sinatra entstand damit jener Teil der Show, der sich bewusst auf das Las Vegas der großen Entertainer bezog.

Das Musical beschränkte sich allerdings nicht auf Smoking, Whiskeyglas und große Showgesten.

Sinatras Privatleben gehörte ebenso zur Erzählung. Seine Beziehungen und Ehen, darunter mit Nancy Barbato und Ava Gardner, wurden aufgegriffen. Katia Bischoff spielte dabei sowohl Nancy Sinatra als auch Ava Gardner.

Dadurch bekam die Produktion zwischen den Musiknummern immer wieder ruhigere Passagen. Bei einer Persönlichkeit wie Sinatra ist das sinnvoll. Seine Biografie bietet schließlich genügend Stoff jenseits der Bühne: enorme Erfolge, schwierige Beziehungen, Rückschläge und mehrere Karrierephasen.

That’s Life im Rosengarten lebt vor allem von der Musik

Der Titel „Sinatra-Musical“ weckt vielleicht die Erwartung einer klassischen Musicalproduktion mit einer durchgehenden Handlung und langen Dialogszenen. „That’s Life“ lag näher an einer Mischung aus musikalischer Biografie, Konzert und Show.

Das war kein Nachteil.

Denn wenn eine Produktion über Frank Sinatra verfügt, besitzt sie einen Katalog, bei dem die Musik ohnehin einen Großteil der Geschichte erzählen kann. Ein paar Takte von „Strangers in the Night“ erzeugen sofort eine andere Stimmung als „New York, New York“. Und spätestens bei „My Way“ braucht es kaum noch eine ausführliche Erklärung dafür, weshalb diese Songs Jahrzehnte überstanden haben.

Die Tour war bewusst rund um Sinatras 105. Geburtstag konzipiert worden. Der Sänger wurde am 12. Dezember 1915 geboren; 2020 jährte sich sein Geburtstag zum 105. Mal.

Im Mannheimer Rosengarten stand deshalb weniger die Frage im Raum, ob jemand Frank Sinatra vollständig kopieren kann. Interessanter war, wie seine Musik mit Live-Band, mehreren Darstellern und einer Bühnenshow Jahrzehnte später noch einmal funktioniert.

Sehr viel musste man daran offenbar nicht verändern.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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