Paul Panzer live mit „Midlife Crisis“ im Rosengarten Mannheim 2020

Paul Panzer in Mannheim: Mitten rein in die Midlife Crisis

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Am 15. Februar 2020 steckte Paul Panzer im ausverkauften Rosengarten Mannheim mitten in der Krise. Zumindest auf der Bühne. Mit seinem Programm „Midlife Crisis … willkommen auf der dunklen Seite“ nahm der Comedian das Älterwerden, Familie, Beziehungen und jene Phase auseinander, in der man plötzlich feststellt, dass die Jugend endgültig nicht mehr direkt hinter einem liegt. Rund zwei Stunden hielt er den Saal damit bei Laune.

Paul Panzer in Mannheim funktionierte dabei nicht über komplizierte Geschichten oder ein großes Bühnenbild. Seine wichtigste Waffe bleibt die Figur selbst: Blümchenhemd, Hornbrille, diese unverwechselbare Aussprache und eine Art, vermeintlich harmlose Gedanken so lange weiterzudrehen, bis sie irgendwo im Absurden landen.

Paul Panzer nimmt das Älterwerden auseinander

Die Midlife Crisis ist als Comedy-Thema dankbar. Irgendwann sind die Kinder größer, der Alltag hat sich eingerichtet und Dinge, über die man mit Anfang 20 noch gelacht hätte, stehen plötzlich ziemlich real vor der eigenen Haustür.

Panzer macht daraus keine tiefschürfende Lebensberatung. Er schaut vielmehr auf die kleinen Katastrophen dieser Lebensphase: Was passiert, wenn der Körper nicht mehr bei jeder Idee mitmacht? Wie verändert sich eine Beziehung nach vielen gemeinsamen Jahren? Und warum fühlt sich freie Zeit plötzlich gar nicht so frei an?

Dass sein damaliges Programm genau diese „goldene Mitte“ des Lebens ins Visier nahm, war bereits Teil des Tourkonzepts. Die Pointen entstanden aber vor allem daraus, wie Panzer solche Situationen erzählt und verkörpert.

Mal wirkt er dabei fast naiv. Dann setzt er eine Bemerkung nach, die deutlich genauer beobachtet ist, als die Bühnenfigur zunächst vermuten lässt.

Vom Schweißer über das Radio auf die Comedy-Bühne

Hinter Paul Panzer steckt Dieter Tappert. Bevor die Figur auf großen Bühnen landete, absolvierte er eine Ausbildung zum Schweißer und studierte anschließend Musik und Medienpädagogik. Bekannt wurde er Ende der 1990er zunächst im Radio mit Scherzanrufen, bei denen die später typischen Sprachverdrehungen und Formulierungen bereits zum Markenzeichen wurden. Seit 2005 tritt Tappert als Stand-up-Comedian auf.

Diese Herkunft merkt man seiner Bühnenfigur bis heute an.

Panzer erzählt selten einfach nur einen Witz. Er baut Situationen. Stimmen ändern sich, Figuren tauchen auf, Gespräche entwickeln sich und manchmal reicht schon ein falsch ausgesprochenes Wort, damit der Saal weiß, wohin die Reise geht.

Die bekannten Telefonstreiche muss er dafür längst nicht mehr nachspielen. Die Figur hat sich auf der Bühne weiterentwickelt.

Im Rosengarten reicht manchmal schon ein Blick

Besonders gut funktioniert Paul Panzer live, wenn er sich Zeit lässt.

Er setzt eine Pointe nicht immer sofort. Manchmal steht er einfach da, schaut ins Publikum, zieht das Gesicht ein wenig zusammen und wartet. Die Pause gehört bereits zum Gag.

Genau diese Mischung aus subtileren Momenten und deutlich gröberem Humor prägte auch den Mannheimer Abend. Ein zeitgenössischer Bericht beschreibt, wie Panzer das ausverkaufte Publikum über rund zwei Stunden zwischen leiserer Komik und härteren Pointen hielt.

Das Publikum musste dafür nicht permanent eingebunden werden. Panzer kann einen ganzen Dialog allein führen und innerhalb weniger Sekunden mehrere Rollen übernehmen.

Und dann kommt wieder einer dieser Sätze, bei denen die Hälfte des Saals schon lacht, bevor er überhaupt zu Ende gesprochen hat.

„Midlife Crisis“ lebt von einer Figur, die längst erwachsen geworden ist

Interessant ist, wie gut dieses Programm zur Geschichte von Paul Panzer passte. Die Figur war ursprünglich über Radiostreiche bekannt geworden, später folgten Fernsehformate, Filme und mehrere große Soloprogramme. „Midlife Crisis … willkommen auf der dunklen Seite“ war ab 2019 sein siebtes Bühnenprogramm.

Damit konnte Panzer das Älterwerden ausgerechnet mit einer Figur verhandeln, die das Publikum selbst schon viele Jahre begleitet hatte.

Im Rosengarten wurde daraus kein melancholischer Rückblick. Dafür ist Paul Panzer schlicht zu sehr Paul Panzer. Der Abend blieb Comedy, teilweise albern, manchmal böse und immer wieder näher am echten Alltag, als man bei Blümchenhemd und Sprachfehler zunächst erwarten würde.

Die Midlife Crisis ließ sich dadurch zwar nicht lösen.

Aber für zwei Stunden ziemlich gut aushalten.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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