Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss am 9. April 2016 live in der Jahrhunderthalle Frankfurt

The BossHoss in Frankfurt: Country-Rock im Vollgasmodus

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Der rote Samtvorhang fällt. Zwei Schlagzeuge hämmern den Rhythmus in die restlos ausverkaufte Jahrhunderthalle, dahinter wartet eine Bühne aus Wellblech, Licht und reichlich Wild-West-Optik. Dann kommen Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer nach vorne. Weißer Cowboyhut, Gitarren, breites Grinsen. Als The BossHoss in Frankfurt am 9. April 2016 mit „My Way“ loslegen, braucht es keine fünf Minuten, bis aus der Halle ein ziemlich schweißtreibendes Country-Rock-Rodeo geworden ist. Mehr als zwei Stunden später wird sich daran wenig geändert haben.

Der Anlass passt zur großen Party. The BossHoss feiern ihr zehnjähriges Bandjubiläum, das Album „Dos Bros“ war im Herbst zuvor auf Platz eins der deutschen Charts gelandet und nach rund zwei Jahren Tourpause stehen die Berliner wieder dort, wo ihr Mix aus Country, Rock’n’Roll und Pop am besten funktioniert: vor einem Publikum. Frankfurt ist einer von neun Terminen der Frühjahrstour, die schließlich allesamt ausverkauft sind.

Bob Wayne bringt Outlaw-Country nach Frankfurt

Bevor die Berliner Cowboys übernehmen, passt bereits der Support ziemlich genau ins Bild. Bob Wayne begleitet The BossHoss auf den neun Shows der Frühjahrstour und bringt seinen rauen Outlaw-Country mit. Der Amerikaner ist damals mit „Hits the Hits“ unterwegs, einem Album, auf dem er bekannte Songs unterschiedlichster Stilrichtungen durch seinen eigenen Country-Filter jagt. Adele, Rihanna oder The Offspring landen plötzlich irgendwo zwischen Banjo, Western und Kneipenboden.

Danach wird die Bühne für The BossHoss vorbereitet. Um 21 Uhr fällt der Vorhang, und ab diesem Moment gönnt sich die Band kaum noch längere Pausen. Die Besetzung wirkt ohnehin eher wie eine kleine Gang als eine gewöhnliche Rockband. Gleich zwei Schlagzeuger treiben den Sound, Gitarren, Bläser und Mundharmonika verdichten ihn zusätzlich. Das Ergebnis ist weniger Nashville-Romantik als ein ziemlich druckvoller Rockabend mit Cowboyhut.

„Dos Bros“ trifft auf die großen BossHoss-Hymnen

Mit Songs wie „Shake & Shout“, „What If“, „Rodeo Queen“ und „I Like It Like That“ zieht die Band zügig durch verschiedene Phasen ihrer Karriere. Dazu kommen Stücke vom damals aktuellen Album „Dos Bros“, darunter „Today, Tomorrow, Too Long, Too Late“ und natürlich der Titelsong. Die Rückkehr zu einem stärker gitarrenorientierten, weniger elektronischen Sound steht der Band live gut.

Besonders laut wird es bei „Jolene“. Dolly Partons Klassiker gehört in der BossHoss-Version zu den Songs, bei denen das Publikum praktisch sofort einsteigt. Im Frühjahr 2016 läuft die Nummer auch im Radio stark und hat längst jene typische BossHoss-Behandlung bekommen: tiefer gelegt, aufgeraut und mit deutlich mehr Rock versehen.

Und dann „Don’t Gimme That“. Konfetti fliegt durch die Jahrhunderthalle, die Arme gehen nach oben und der Refrain kommt aus allen Richtungen zurück. Zehn Jahre nach Bandgründung ist der Song längst eine ihrer großen Live-Hymnen. Hier muss niemand mehr erklärt bekommen, wann mitgesungen wird.

Boss Burns geht auf Reisen durch die Jahrhunderthalle

Dass The BossHoss Nähe zum Publikum nicht nur behaupten, zeigt Alec Völkel beim OutKast-Cover „Hey Ya!“. Boss Burns verlässt die Bühne und lässt sich auf den Händen der Fans durch die Jahrhunderthalle tragen. Nicht kurz bis zum Fotograben und zurück. Er geht auf eine richtige Runde durch die Menge.

Auch sonst wird der Saal konsequent eingebaut. Mal soll das Publikum lauter werden, dann zwingt Völkel praktisch die komplette Halle auf die Knie, nur um sie auf Kommando wieder hochspringen zu lassen. Stillstehen wird zunehmend schwierig. Hitze und Schweiß gehören inzwischen genauso zur Show wie die Cowboyhüte.

Gitarrist Stefan „Russ T. Rocket“ Buehler hat dabei ohnehin Heimvorteil. Als „Frankfurter Bub“ wirft er immer wieder „Handkäs“- und „Ebbelwoi“-Rufe in den Saal und bekommt dafür erwartbar deutliche Reaktionen. So schnell wird aus einer Tourshow ein kleines Heimspiel.

„Lady JD“ bringt plötzlich Ruhe in die Party

Nach all dem Vollgas zeigt die Band gegen Ende noch eine andere Seite. Bei „Lady JD“ setzt sich Alec Völkel ans Klavier. Der Abend wird für einen Moment ruhiger, die großen Gesten verschwinden und die Melodie bekommt mehr Platz. Ein sinnvoller Kontrast nach zwei Stunden, in denen praktisch permanent irgendwo Bewegung war.

Lange hält die Ruhe nicht.

Mit „Word Up!“, dem Cameo-Klassiker, wird die nächste Partyphase eröffnet. Dazu kommt das berühmte Gitarrenmotiv aus Led Zeppelins „Kashmir“. Für das große Finale holt die Band schließlich mehrere Dutzend Frauen aus dem Publikum auf die Bühne. Jetzt wird endgültig gemeinsam gefeiert.

Zwei Stunden und rund 15 Minuten nach dem Fall des roten Vorhangs ist die Jahrhunderthalle durchgeschwitzt. „Dos Bros“, „Jolene“, „Don’t Gimme That“, Crowd-Surfing, Konfetti und eine Bühne voller Gäste haben aus dem Frankfurter Tourstopp genau jene Mischung gemacht, für die The BossHoss seit Jahren stehen.

Country vielleicht. Rock auf jeden Fall. Und leise war sowieso nie vorgesehen.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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