Schlagerstars und Publikum bei der Schlagernacht des Jahres am 2. April 2016 in der SAP Arena Mannheim

Schlagernacht 2016 in Mannheim: Sechs Stunden voller Hits

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Ein Künstler geht, der nächste steht schon bereit. Kaum ist der letzte Refrain verklungen, leuchtet auf den großen LED-Flächen bereits ein neues Bild und wenige Minuten später singt die SAP Arena wieder einen vollkommen anderen Hit. Die Schlagernacht 2016 in Mannheim macht am 2. April ihrem Namen alle Ehre. 11.500 Besucher erleben eine ausverkaufte Arena und einen mehr als sechs Stunden langen Marathon mit Andrea Berg, Roland Kaiser, Matthias Reim, Beatrice Egli, Vanessa Mai, Michelle, Jürgen Drews und zahlreichen weiteren Größen der deutschsprachigen Schlagerszene. Die SAP Arena selbst führt für diesen Abend offiziell 11.500 Zuschauer.

Historisch markiert die Ausgabe 2016 zugleich einen Übergang. Die bekannte Schlager-Starparade und die „Schlagernacht des Jahres“ wurden in dieser Saison unter dem Schlagernacht-Konzept enger zusammengeführt. Mannheim gehörte zu den großen Frühjahrsterminen. Um 17.55 Uhr begrüßt SWR4-Moderator Michael Branik das Publikum, fünf Minuten später beginnt Michelle. Kurz vor Mitternacht steht schließlich Vanessa Mai als letzter Act des Abends auf der Bühne.

Michelle eröffnet, Fantasy legen sofort nach

Michelle bekommt den ersten kompletten Auftritt des Abends. Ein undankbarer Startplatz ist das keineswegs, denn die Arena ist bereits bereit für die erste große Runde. Nur 25 Minuten später übernehmen Fantasy. Martin Hein und Fredi Malinowski gehören zu diesem Zeitpunkt längst zu den festen Größen solcher Schlagerveranstaltungen und waren bereits im Vorjahr in Mannheim dabei.

Danach geht es beinahe im Minutentakt weiter. Christin Stark steht ab 18.50 Uhr auf der Bühne, Christian Lais folgt um 19 Uhr. Mit Nicole bekommt das Programm kurz darauf einen seiner großen generationenübergreifenden Momente. „Ein bisschen Frieden“ braucht selbst mehr als drei Jahrzehnte nach dem Eurovision-Sieg kaum Anlauf. Sobald die Melodie erklingt, wird aus der SAP Arena ein Chor.

Genau darin liegt das Prinzip dieser Nacht. Jeder Künstler hat nur begrenzte Zeit. Also werden kaum Umwege genommen. Hits nach vorne, kurze Ansage, nächster Titel. Die enorme Zahl bekannter Refrains sorgt dafür, dass die Stimmung praktisch nie komplett zurück auf null fällt.

Roland Kaiser bringt „Santa Maria“ und den ganzen Saal zusammen

Um 19.45 Uhr gehört die Bühne Roland Kaiser. Sein Auftritt zeigt besonders deutlich, wie gut ältere Klassiker und aktuelle Erfolge 2016 nebeneinander funktionieren. Kaiser hat für diese Veranstaltungsreihe eigens ein neues Bühnenprogramm zusammengestellt und eröffnet seine damaligen Schlagernacht-Sets mit „Warum hast du nicht nein gesagt“, seinem erfolgreichen Duett-Titel mit Maite Kelly.

Spätestens bei „Santa Maria“ gibt es in Mannheim keine Generationengrenzen mehr. Der Song stammt aus einer völlig anderen Schlagerära als vieles, was später mit Beatrice Egli oder Vanessa Mai folgt. An diesem Abend spielt das keine Rolle. Die ersten Zeilen genügen, danach singt die Arena.

Um 20.20 Uhr übernimmt Andrea Berg. Ihre Position direkt vor der längeren Pause macht sie praktisch zur Hauptfigur der ersten Konzerthälfte. Große Gesten, sofort erkennbare Melodien und ein Publikum, das bei vielen Texten keine Hilfe benötigt. Gegen 21 Uhr gibt es schließlich rund 45 Minuten zum Durchatmen. Nach bereits drei Stunden Programm ist diese Unterbrechung durchaus nötig.

Jürgen Drews und Matthias Reim holen die großen Klassiker

Nach der Pause beginnt Maria Voskania, wenig später folgt Achim Petry. Um 22.20 Uhr kommt dann einer, bei dem die SAP Arena schon nach wenigen Takten weiß, was zu tun ist: Jürgen Drews.

„Ein Bett im Kornfeld“.

Viel mehr braucht es nicht. Der Song gehört längst zum kollektiven Schlagergedächtnis und wird tausendfach mitgesungen. Drews spielt mit dem Publikum, grinst, winkt und wirkt in seinem Element. Ein solcher Abend ist praktisch für ihn gebaut.

Direkt danach folgt Matthias Reim. Mit ihm wird der Sound etwas rockiger. Und natürlich wartet alles auf diesen einen Song. Als „Verdammt, ich lieb Dich“ kommt, gibt es kaum jemanden, der den Refrain nicht zumindest kennt. Mehr als 25 Jahre nach Veröffentlichung funktioniert das Stück noch immer wie ein Schalter.

Die große Stärke dieser Schlagernacht zeigt sich gerade hier: Nach Nicole, Kaiser, Berg und Drews steht mit Reim wieder eine vollkommen andere Künstlerpersönlichkeit auf derselben Bühne. Trotzdem bleibt der Abend erstaunlich geschlossen.

Beatrice Egli und Vanessa Mai stehen für die neue Generation

Gegen 23.15 Uhr übernimmt Beatrice Egli. Die Schweizerin hat sich nach ihrem DSDS-Sieg längst von der Castinggeschichte gelöst und gehört inzwischen fest zur jüngeren Schlagergeneration. Wo bei den älteren Kollegen jahrzehntelange Erinnerungen mitschwingen, setzt Egli auf unmittelbare Energie und große Poprefrains.

Den letzten Slot des Abends bekommt Vanessa Mai. Noch ist ihr Name eng mit Wolkenfrei verbunden, gleichzeitig befindet sie sich bereits mitten im Übergang zur Solokarriere. „Wolke 7“ gehört zu den Songs, die diesen moderneren Popschlager-Sound besonders deutlich repräsentieren. Und selbst kurz vor Mitternacht stehen in der SAP Arena noch Arme oben.

Zwischen Michelle um 18 Uhr und Vanessa Mai gegen 23.40 Uhr liegen mehr als ein Dutzend Auftritte. Fantasy, Christin Stark, Christian Lais, Nicole, Roland Kaiser, Andrea Berg, Maria Voskania, Achim Petry, Jürgen Drews, Matthias Reim und Beatrice Egli machen aus dem Abend weniger ein einzelnes Konzert als ein Festival unter Hallendach.

Eine SAP Arena zwischen „Ein bisschen Frieden“ und „Wolke 7“

Die riesigen LED-Wände helfen bei diesem Format enorm. Selbst weit hinten bleiben die Künstler sichtbar, während die kurzen Umbauten kaum Zeit kosten. Die Show lebt ohnehin weniger von einzelnen aufwendigen Bühnenbildern als vom ständigen Wechsel der Stars. Ein Name nach dem anderen. Ein Hit nach dem anderen.

Und die Spannweite ist beachtlich. „Ein bisschen Frieden“, „Santa Maria“, „Ein Bett im Kornfeld“ und „Verdammt, ich lieb Dich“ treffen innerhalb weniger Stunden auf die jüngere Schlagergeneration rund um Beatrice Egli und Vanessa Mai. Dass all diese Songs unter dasselbe Dach passen, zeigt ziemlich genau, warum dieses Format funktioniert.

11.500 Menschen tanzen, klatschen und singen sich durch sechs Stunden Schlager.

Kurz vor Mitternacht fällt schließlich der letzte Ton.

Mehr Schlager an einem Samstagabend wäre schwierig geworden.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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