Tim Bendzko live beim CARstival auf dem Maimarktgelände Mannheim 2020

Tim Bendzko in Mannheim: Lichthupe statt Applaus beim CARstival

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Ein Konzertabend, bei dem 400 Autos vor der Bühne stehen und der Applaus aus Hupen und Lichthupe besteht, hätte wenige Monate zuvor noch ziemlich absurd geklungen. Am 31. Mai 2020 war genau das Realität. Tim Bendzko stand beim CARstival auf dem Maimarktgelände Mannheim vor seinem Publikum und brachte für ein paar Stunden ein Stück Live-Kultur zurück in eine Zeit, in der normale Konzerte wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. Der Termin und das Maimarktgelände als Veranstaltungsort sind auch im offiziellen Veranstaltungsarchiv dokumentiert.

Rund 400 Fahrzeuge mit mehr als 1.000 Fans standen an diesem Sonntagabend vor der Bühne. Für Tim Bendzko in Mannheim war das alles andere als ein gewöhnlicher Auftritt. Kein Gedränge vor dem Bühnengraben, keine hochgestreckten Arme direkt vor der Bühne. Stattdessen Windschutzscheiben, Autoradios und Menschen, die sich irgendwie bemerkbar machen wollten.

Und das taten sie.

Beim CARstival wird aus der Lichthupe plötzlich Applaus

Ein Autokonzert verändert vieles, was bei einem normalen Konzert selbstverständlich ist. Der Künstler kann sein Publikum sehen, bekommt die Reaktionen aber nur eingeschränkt zurück. Jubel verschwindet hinter geschlossenen Scheiben. Klatschen hört auf der Bühne praktisch niemand.

Also fanden die Fans andere Möglichkeiten.

Nach den Songs blinkten Scheinwerfer auf, Warnblinkanlagen gingen an, vereinzelt wurde gehupt. Über das Maimarktgelände zog sich dadurch ein ganz eigener Rhythmus aus Licht und Geräuschen. Kein Ersatz für einen vollen Konzertsaal, aber an diesem Abend funktionierte es erstaunlich gut.

Bendzko musste sich ebenfalls erst auf diese Situation einstellen. Kurz vor dem Konzert hatte er selbst beschrieben, dass durch das Format gewissermaßen jedes Fahrzeug sein eigenes kleines Privatkonzert bekomme. Genau so fühlte es sich stellenweise auch an: Bühne vorne, Musik über das Autoradio und dazwischen ungewöhnlich viel Abstand.

Tim Bendzko bringt seine Songs zurück vor echte Menschen

Für Bendzko kam der Auftritt zu einem Zeitpunkt, an dem seine regulären Tourpläne durch die Pandemie durcheinandergeraten waren. Umso deutlicher war ihm anzumerken, dass ihm eine echte Bühne und Menschen davor gefehlt hatten.

Musikalisch konnte er dafür auf einen Katalog zurückgreifen, bei dem viele Titel längst keine große Einführung mehr brauchen.

„Keine Maschine“ funktionierte auch zwischen abgestellten Autos, bei „Leichtsinn“ wurde in den Fahrzeugen sichtbar mitgesungen und natürlich durfte „Nur noch kurz die Welt retten“ nicht fehlen. Gerade bei solchen bekannten Songs entstand für einige Minuten tatsächlich dieses vertraute Konzertgefühl. Nur dass diesmal niemand seinem Nebenmann auf die Füße trat.

Mit „Unter die Haut“ wurde es ruhiger. Hinter den Windschutzscheiben leuchteten Handydisplays, während die Bühne plötzlich nicht mehr wie ein großer Festivalaufbau wirkte, sondern wesentlich näher.

Solche Momente waren an diesem Abend wahrscheinlich wichtiger als jede aufwendige Inszenierung.

Zwischen „Filter“ und den Songs, die längst jeder kennt

Bendzko hatte im Oktober 2019 sein viertes Studioalbum „Filter“ veröffentlicht. Die Platte erreichte Platz drei der deutschen Albumcharts, die vorab erschienene Single „Hoch“ schaffte es in die Top Ten. Damit wäre 2020 eigentlich das Jahr für eine reguläre Tour mit neuen Songs gewesen.

Stattdessen stand er plötzlich auf einem Parkplatz.

Das klingt nüchterner, als es sich anfühlte.

Denn genau darin lag der Reiz des CARstivals. Es war keine normale Tourshow, die zufällig vor Autos stattfand. Die ungewöhnlichen Bedingungen waren ständig präsent. Bendzko sprach mit den Menschen in den Fahrzeugen, reagierte auf das Blinken und versuchte gar nicht erst, so zu tun, als wäre alles wie immer.

War es schließlich auch nicht.

Das Publikum konnte die Musik trotzdem gemeinsam erleben. Und nach Wochen, in denen Livekonzerte praktisch komplett aus dem Alltag verschwunden waren, bekam selbst ein hupendes Auto plötzlich etwas Vertrautes.

Das Maimarktgelände wird zum Konzertparkplatz

Das CARstival gehörte zu den ungewöhnlichsten Veranstaltungsformaten des Corona-Sommers 2020. Auf dem Maimarktgelände Mannheim standen in dieser Zeit unter anderem Max Giesinger, Sido, Gentleman, Alligatoah und die Söhne Mannheims auf der Bühne. Tim Bendzko gehörte ebenfalls zum Programm dieser besonderen Festivalsaison.

Bei seinem Konzert zeigte sich ziemlich deutlich, was dieses Format leisten konnte und was eben nicht.

Die Nähe eines normalen Konzerts ließ sich nicht herstellen. Das gemeinsame Springen, die dicht gefüllte erste Reihe und der unmittelbare Lärm des Publikums fehlten. Dafür entstand etwas anderes. Familien und Freunde saßen gemeinsam in ihren Fahrzeugen, sangen mit und verwandelten Scheinwerfer in eine Form von Publikumsreaktion.

Das war manchmal skurril, manchmal überraschend emotional.

Vor allem war es wieder Live-Musik.

Und als am Ende überall auf dem Maimarktgelände noch einmal die Warnblinker aufleuchteten, musste man nicht lange überlegen, was damit gemeint war.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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