Dominik Eulberg live beim CARStival auf dem Maimarktgelände Mannheim 2020

Dominik Eulberg in Mannheim: Wenn Techno auf Natur trifft

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Ein DJ-Pult auf der Bühne, Autos davor und dazu ein Abend, bei dem es plötzlich um Vogelstimmen, Artenvielfalt und die erstaunlichen Dinge geht, die direkt vor unserer Haustür passieren. Am 1. Juni 2020 war Dominik Eulberg beim CARStival auf dem Maimarktgelände Mannheim zu Gast. Präsentiert wurde der Abend gemeinsam mit dem Hafen 49. Eulberg hatte dafür ausdrücklich keine gewöhnliche DJ-Show angekündigt, sondern ein interaktives multimediales Programm, das elektronische Musik mit Naturwissen verband.

Für Dominik Eulberg in Mannheim bedeutete das eine ziemlich ungewöhnliche Mischung. Während andere CARStival-Konzerte versuchten, das vertraute Live-Erlebnis möglichst gut auf den Parkplatz zu übertragen, machte Eulberg aus den besonderen Bedingungen etwas Eigenes. Man saß im Auto, schaute auf die Bühne und bekam trotzdem weit mehr als zwei Stunden elektronische Musik geliefert.

Aus dem Autokino wird für zwei Stunden ein Naturraum

Natürlich blieb das Maimarktgelände ein großer Parkplatz. Reihenweise Autos, Abstand zwischen den Besuchern und die Windschutzscheibe vor der Nase. Aber je länger der Abend dauerte, desto weniger störte dieser eigenartige Rahmen.

Eulberg arbeitete mit Bildern, Klängen und Informationen aus der Natur. Elektronische Flächen gingen in Beats über, Naturaufnahmen bekamen ihren Platz und dazwischen erklärte er Phänomene aus Tier- und Pflanzenwelt. Seine eigene Verbindung zu diesem Thema ist keine für die Bühne erfundene Rolle: Eulberg studierte Biologie und Geografie mit Schwerpunkt Naturschutz und verbindet diese zweite Leidenschaft seit vielen Jahren mit seiner Arbeit als Musiker.

Das Interessante daran: Es fühlte sich nicht nach Schulstunde mit Techno-Unterbrechung an.

Man hörte zu, schaute hin und bekam immer wieder Dinge erklärt, an denen man wahrscheinlich schon hundertmal vorbeigelaufen ist, ohne sie wahrzunehmen. Danach setzte wieder der Beat ein.

Dominik Eulberg verbindet Wissenschaft und elektronische Musik

Bei Eulberg liegen diese beiden Welten ungewöhnlich dicht beieinander. Natur ist bei ihm nicht bloß Dekoration für Albumcover oder Visuals. Vogelstimmen und andere natürliche Klänge verarbeitet er teilweise direkt musikalisch, verfremdet sie und macht daraus rhythmische oder atmosphärische Bestandteile seiner elektronischen Produktionen.

Gerade beim CARStival funktionierte diese Verbindung besonders gut.

Normalerweise lebt elektronische Musik im Club stark von Körperlichkeit. Bass, Lautstärke, Menschen dicht nebeneinander. Davon war an diesem Abend kaum etwas möglich. Also verlagerte sich die Aufmerksamkeit. Man hörte genauer hin. Die Visuals wurden wichtiger, ebenso die Geschichten hinter einzelnen Naturphänomenen.

Und irgendwann ertappte man sich dabei, nicht mehr darauf zu warten, wann endlich der nächste kräftige Beat kommt.

„Mannigfaltig“ liefert den musikalischen Hintergrund

Auch Eulbergs damaliges Album „Mannigfaltig“ passte genau in dieses Konzept. Sein fünftes Studioalbum war 2019 erschienen und beschäftigte sich in zwölf Stücken mit biologischer Vielfalt. Eulberg verstand die Platte ausdrücklich als musikalische Annäherung an die Schönheit und Verletzlichkeit von Ökosystemen.

Das ließ sich in Mannheim hören und sehen.

Die elektronische Musik wirkte stellenweise fast wie ein Soundtrack zu den Bildern. Dann wurde sie wieder rhythmischer und drängte sich bewusst nach vorne. Es gab keinen festen Wechsel nach dem Muster Vortrag, Musik, Vortrag. Beides lief immer wieder ineinander.

Für ein Publikum, das an diesem Abend in seinen Fahrzeugen sitzen musste, war das ein glücklicher Umstand. Eine klassische Clubnacht lässt sich aus dem Autositz nur schwer simulieren. Eulbergs Konzept brauchte das gar nicht.

Ein Konzert, bei dem man nebenbei genauer hinschauen lernt

Besonders sympathisch war, dass Eulberg seine Begeisterung für Natur nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelte. Es ging weniger darum, ständig vorzuführen, was der Mensch alles falsch macht. Viel interessanter waren die kleinen Geschichten, Zusammenhänge und Fähigkeiten von Tieren und Pflanzen.

Manchmal sind genau diese Details hängen geblieben.

Das passt zu seiner grundsätzlichen Arbeit. Eulberg versucht über Musik, Bücher, Vorträge und audiovisuelle Formate Aufmerksamkeit für Biodiversität und Naturschutz zu schaffen. Seine elektronischen Shows sind damit längst enger mit Naturvermittlung verbunden, als man es bei einem klassischen DJ-Abend erwarten würde.

Beim CARStival Mannheim bekam diese Idee einen Rahmen, den sich vorher vermutlich niemand ausgesucht hätte. Pandemiebedingt im Auto sitzen zu müssen, war schließlich keine kreative Veranstaltungsentscheidung aus freien Stücken.

An diesem Pfingstmontag funktionierte es trotzdem erstaunlich gut.

Zwischen Autoradio und Vogelstimmen

Das CARStival hatte wenige Tage zuvor bereits Max Giesinger und Tim Bendzko auf das Maimarktgelände gebracht. Am 1. Juni stand Dominik Eulberg im offiziellen Veranstaltungsprogramm. Historische Aufnahmen dokumentieren seinen Auftritt an diesem Abend ebenfalls direkt auf dem Gelände.

Seine Show unterschied sich allerdings deutlich von einem üblichen Popkonzert.

Es gab keine Refrains, bei denen Tausende gemeinsam mitsingen. Keine erste Reihe, die gegen die Absperrung drückte. Stattdessen saßen die Menschen in ihren Autos und folgten einem Musiker, der zwischen Mischpult und Naturkunde eine ziemlich eigene Sprache gefunden hat.

Für ein paar Stunden wurde aus einem Parkplatz dadurch tatsächlich ein anderer Ort.

Nicht Wald, nicht Club und auch nicht wirklich Autokino.

Aber ein ziemlich guter Platz, um wieder einmal genauer hinzuhören.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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