Unantastbar live beim apoCARlypse Autokino-Festival in Homberg 2020

Unantastbar in Homberg: Punkrock im Autokino

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Am 16. Juli 2020 starteten Unantastbar in Homberg (Efze) eine kurze, drei Termine umfassende Autokino-Tour. Schauplatz war die Open Air Arena an der ehemaligen Ostpreußenkaserne, wo die Veranstalter des Rock Am Stück Open Air gemeinsam mit Partnern das apoCARlypse Autokino-Festival auf die Beine gestellt hatten. Als Support waren GrenzenLos aus dem Allgäu dabei. Für Unantastbar in Homberg bedeutete dieser Donnerstag zugleich die Rückkehr auf eine Bühne nach Monaten, in denen reguläre Rockkonzerte kaum möglich waren. 

Das Konzept blieb ungewöhnlich: Bis zu 500 Fahrzeuge konnten auf dem Gelände Platz finden, die Bilder der Livebühne wurden zusätzlich auf eine große LED-Wand übertragen. Anstelle einer dicht gedrängten Menge standen Autos vor der Bühne. Applaus kam über Hupen, Warnblinker und Lichthupe zurück. 

GrenzenLos eröffnen den Deutschrock-Abend

Mit GrenzenLos hatten Unantastbar eine Band dabei, die musikalisch gut in den Abend passte. Die Allgäuer waren ebenfalls von den zahlreichen Konzertabsagen des Jahres betroffen und konnten in Homberg Material ihres damals aktuellen Albums „Keine Einigkeit um Recht & Freiheit“ wieder live präsentieren. GrenzenLos begleiteten Unantastbar anschließend auch bei den beiden weiteren Autokino-Terminen in Magdeburg und Lauda-Königshofen. 

Die Rahmenbedingungen änderten wenig an der grundsätzlichen Ausrichtung. Gitarren, ein druckvolles Rhythmusfundament und deutschsprachige Texte bestimmten den Auftakt. Was fehlte, war die übliche Bewegung direkt vor der Bühne.

Dafür reagierten die Fahrzeuge.

Nach den Songs gingen Warnblinker an, Scheinwerfer blitzten auf und Hupen übernahmen die Aufgabe, die sonst einem Konzertpublikum zufällt.

Unantastbar setzen auf alte und neue Songs

Als Unantastbar übernahmen, wurde der Unterschied zwischen Autokino und normalem Festival noch deutlicher. Die Südtiroler Punkrockband lebt normalerweise von einem sehr direkten Austausch mit ihrem Publikum. 2020 lagen zwischen Bühne und Fans plötzlich Motorhauben und Windschutzscheiben.

Musikalisch blieb die Band dagegen auf vertrautem Terrain. Das Programm verband ältere Stücke mit neuem Material und fiel damit genau in die Übergangsphase zum kommenden Album „Wellenbrecher“. Bereits vor der Autokino-Tour waren mit „Wir sind die Stimme“ und „Tausend Gedanken, tausend Bilder“ erste Songs aus dieser Phase veröffentlicht worden. Das Album selbst folgte am 28. August 2020 und erreichte später Platz zwei der deutschen Albumcharts. 

Der Sound musste dafür nicht an das ungewöhnliche Format angepasst werden. Unantastbar spielten ihren geradlinigen Mix aus Punkrock und Deutschrock mit der gewohnten Betonung auf Gitarren, eingängigen Refrains und der rauen Stimme von Joachim „Joggl“ Bergmeister.

Gerade die bekannten Stücke zeigten, dass die Distanz zum Publikum zwar die Optik des Abends veränderte, die Reaktionen aber nicht verschwinden ließ.

Hupen und Warnblinker ersetzen den Konzertapplaus

Die Autokino-Situation entwickelte schnell ihre eigene Dynamik. Nach jedem Song kam die Antwort aus den Fahrzeugreihen. Mal blinkte das Gelände auf, mal wurden die Hupen eingesetzt.

Ein klassisches Rockkonzert konnte daraus naturgemäß nicht werden. Ein Moshpit zwischen parkenden Fahrzeugen war ebenso wenig denkbar wie eine dicht gefüllte erste Reihe. Trotzdem entstand ein Austausch zwischen Band und Publikum, der wesentlich besser funktionierte, als das Konzept auf dem Papier vermuten ließ.

Dass Unantastbar überhaupt wieder live spielen wollten, war kein einzelner Homberger Versuch. Die Band hatte für Juli bewusst drei Autokino-Konzerte angesetzt: Homberg am 16. Juli, Magdeburg am 17. Juli und Lauda-Königshofen am 18. Juli. 

Homberg bildete den Auftakt.

„Das Stadion brennt“ und Bengalos zum Abschluss

Zum Ende rückte noch einmal einer der etablierten Songs der Band in den Mittelpunkt. „Das Stadion brennt“ gehörte bereits seit Jahren zum Repertoire von Unantastbar und passte als Abschluss besonders gut zu diesem Abend.

Während des Songs wurden zwischen den Fahrzeugen zahlreiche Bengalos entzündet. Rotes Licht und Rauch veränderten die Szenerie noch einmal deutlich. Dort, wo normalerweise eine Menschenmenge vor der Bühne stehen würde, leuchteten nun Feuer, Scheinwerfer und Warnblinker zwischen den Autos.

Musikalisch blieb das apoCARlypse-Festival damit bis zum Schluss bei dem, wofür auch das reguläre Rock Am Stück steht: Gitarrenmusik ohne große Umwege. Nur die Form des Publikums hatte sich 2020 vollständig verändert.

Für Unantastbar war Homberg der erste von drei Abenden dieser kurzen Autokino-Tour. Für die Veranstalter war es eine Möglichkeit, nach der Absage des regulären Festivals zumindest einen Teil der geplanten Livekultur auf das Gelände zurückzubringen. Das apoCARlypse-Programm setzte sich in den folgenden Wochen unter anderem mit Völkerball sowie weiteren Rock- und Metal-Acts fort.

Text & Foto © Jan Heesch

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