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Ein Rammstein-Tribute-Konzert aus dem Auto heraus? Das klingt zunächst nach einem ziemlich großen Widerspruch. Gerade eine Show wie die von Völkerball lebt normalerweise von Hitze, Lautstärke, dicht gedrängten Menschen und einer Bühne, auf der Feuer mindestens genauso wichtig ist wie Licht. Am 4. Juni 2020 musste all das unter völlig anderen Bedingungen funktionieren. Völkerball in Worms standen an diesem Donnerstagabend in der CARantena Arena auf dem Festplatz. Beginn war um 20.30 Uhr.
Vor der Bühne wartete keine übliche erste Reihe. Die Zuschauer saßen pandemiebedingt in ihren Autos. Gerade bei Völkerball war das schon ein eigenartiges Bild: vorne Flammen und harte Gitarren, dahinter Windschutzscheiben und abgestellte Fahrzeuge.
Die Energie kam trotzdem an.
Lange brauchte die Show nicht, um deutlich zu machen, dass die besonderen Bedingungen keinen Verzicht auf die typische Völkerball-Inszenierung bedeuten sollten.
René Anlauff stand vorne, die Band hinter ihm, dazu Licht, Nebel und Pyrotechnik. Völkerball verfolgen dieses Konzept seit ihrer Gründung 2008: Die Musik von Rammstein soll nicht einfach nur nachgespielt, sondern als komplette Bühnenshow umgesetzt werden. Genau dafür gehören neben dem Sound auch entsprechende Kulissen und Effekte zum Programm.
In Worms bekam dieses Konzept eine zusätzliche Ebene. Feuerfontänen wirken schließlich noch einmal anders, wenn man sie durch eine Windschutzscheibe sieht.
Bei „Feuer frei!“ passten Musik und Pyrotechnik besonders gut zusammen. Flammen schossen hoch, die Gitarren drückten nach vorne, und für einige Minuten war ziemlich leicht zu vergessen, dass dies kein gewöhnlicher Konzertabend war.
Bis man wieder die Autos vor sich sah.
Völkerball griffen tief in den bekannten Rammstein-Katalog. „Sonne“, „Mein Herz brennt“, „Du hast“ und „Feuer frei!“ gehörten zu den Nummern, bei denen sich die Wirkung der Songs auch unter Autokino-Bedingungen kaum verstecken ließ.
Das Programm dieser Autokonzert-Tour umfasste genau diese Stücke. Beim unmittelbar folgenden Konzert am 5. Juni im Autokino des Movie Park Germany standen außerdem unter anderem „Ramm4“, „Zerstören“, „Ausländer“, „Waidmanns Heil“, „Radio“, „Du riechst so gut“, „Amerika“, „Mein Teil“, „Ich will“, „Puppe“, „Deutschland“ und „Engel“ auf der Setlist.
Der Reiz liegt bei Völkerball ohnehin weniger darin, Songs neu zu interpretieren. Die Band bewegt sich bewusst nah am Klangbild und an der Bühnensprache des Originals, ohne dabei selbst Rammstein zu sein.
René Anlauff steht dabei klar im Mittelpunkt. Tiefer Gesang, kontrollierte Bewegungen, diese bewusst kantige Bühnenpräsenz. Wer die Vorbilder kennt, erkennt natürlich sofort, worauf angespielt wird.
Trotzdem stand in Worms eine eigenständige Band auf der Bühne, die diese Produktion seit vielen Jahren gemeinsam spielt.
Was an diesem Abend fehlte, ließ sich allerdings nicht weginszenieren.
Kein Moshpit. Niemand drängte nach vorne. Kein verschwitzter Innenraum, in dem sich die Hitze von Bühne und Publikum gegenseitig hochschaukelt. Die Corona-Regeln machten genau jene körperliche Nähe unmöglich, die normalerweise zu einem Metal-Konzert gehört.
Dafür entwickelte die CARantena Arena ihre eigene Sprache.
Wo sonst geklatscht und geschrien wird, kamen Reaktionen aus den Fahrzeugen. Lichtsignale und Hupen ersetzten zumindest teilweise den direkten Jubel. Die CARantena Arena war im Mai 2020 als Drive-in-Festival auf dem Wormser Festplatz gestartet und verband Kino, Comedy und Live-Veranstaltungen unter den damals geltenden Einschränkungen.
Bei einer akustischen Show mag dieses Format fast gemütlich wirken.
Bei Völkerball war von Gemütlichkeit wenig übrig.
Gerade weil der direkte Kontakt zum Publikum eingeschränkt war, bekam die visuelle Seite mehr Gewicht. Lichtwechsel, Nebel und Feuer mussten einen Teil jener Energie übernehmen, die normalerweise aus einer voll besetzten Halle zurück auf die Bühne kommt.
Das funktionierte.
Wenn vor einem plötzlich Flammen in die Höhe schießen und gleichzeitig die schweren Gitarren einsetzen, spielt es für ein paar Sekunden keine besonders große Rolle, ob man auf einem Hallenboden steht oder auf dem Fahrersitz sitzt.
Völkerball arbeiten bis heute mit dieser Verbindung aus Musik, industriell geprägtem Bühnenbild und Pyrotechnik. Die eigene Bandbeschreibung stellt genau diese Annäherung an Sound und Atmosphäre einer Rammstein-Produktion ins Zentrum.
In Worms bekam die Show durch das Autokino aber zwangsläufig ihren eigenen Charakter.
Im Juni 2020 wusste noch niemand, wie lange solche Formate notwendig bleiben würden. Für Veranstalter, Musiker und Publikum waren Autokonzerte eine Möglichkeit, überhaupt wieder gemeinsam Live-Musik zu erleben.
Völkerball machten daraus keine abgespeckte Akustikversion.
Die Band brachte die großen Riffs, die martialische Inszenierung und vor allem das Feuer mit auf den Wormser Festplatz. Dass zwischen Bühne und Publikum Autos standen, konnte man nicht übersehen. Nach einiger Zeit störte es aber weniger, als man vorher gedacht hätte.
Und wenn bei „Sonne“ die Bühne hell aufleuchtet, während ringsum Scheinwerfer und Warnblinker antworten, entwickelt selbst ein Parkplatz für einen Moment ziemlich viel Konzertgefühl.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopicturesSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
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