Les Holroyd mit Barclay James Harvest am 3. April 2014 live in der Alten Seilerei Mannheim

Barclay James Harvest in Mannheim: Große Songs ganz nah

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Es gibt Bands, deren Musik sofort Bilder aus einer anderen Zeit hervorholt. Bei Barclay James Harvest reichen dafür manchmal schon ein paar Takte. Am 3. April 2014 stand Les Holroyd mit Barclay James Harvest featuring Les Holroyd in der Alten Seilerei Mannheim auf der Bühne und brachte mehr als vier Jahrzehnte Rockgeschichte in einen Club, der dafür beinahe ungewöhnlich intim wirkte. Keine riesige Halle, keine kilometerweite Entfernung zwischen Musikern und Publikum. Gerade diese Nähe machte Barclay James Harvest in Mannheim für mich zu einem besonderen Termin.

Beim Fotografieren wanderte der Blick immer wieder zu Les Holroyd. Bass umgehängt, Mikrofon vor sich, daneben eine Band, die genau wusste, wie viel Raum diese Songs brauchen. Neben Holroyd standen Mike Byron-Hehir an der Gitarre, Colin Browne an den Keyboards, Steve Butler mit Backgroundgesang und Percussion sowie Louie Palmer am Schlagzeug auf der Bühne. Das wirkte nicht hektisch. Hier musste niemand jede Sekunde mit einer großen Pose füllen, denn die Musik selbst trug den Abend.

Barclay James Harvest bringen ihre Klassiker in die Alte Seilerei

Schon früh wurde klar, worauf dieses Konzert hinauslaufen würde. Mit „Who Do We Think We Are“ begann das damalige Programm, kurz darauf folgte mit „Mockingbird“ einer jener Songs, die untrennbar mit dem Namen Barclay James Harvest verbunden sind. Und plötzlich stand diese Melodie nicht irgendwo weit hinten in einer großen Mehrzweckhalle, sondern wenige Meter vor einem. Genau darin lag für mich der Reiz des Abends: Musik, die für große Bühnen geschaffen scheint, funktionierte erstaunlich gut im vergleichsweise kleinen Rahmen der Alten Seilerei.

Das Programm griff tief in die Geschichte der Band. „The Time of Our Lives“, „Sip of Wine“, „Ring of Changes“, „Welcome to the Show“, „Crazy City“ und „Friend of Mine“ gehörten ebenso dazu wie spätere Stücke. Die Songs bekamen Zeit, konnten sich entwickeln und wurden nicht auf eine kurze Hitparade reduziert. Gitarren und Keyboards lagen breit nebeneinander, während Holroyd mit seinem Bass und seiner charakteristischen Stimme den vertrauten Klang zusammenhielt. Kein Rennen zum nächsten Refrain. Das tat gut.

Les Holroyd steht im Mittelpunkt

Der Name auf den Tickets war 2014 genau genommen Barclay James Harvest featuring Les Holroyd. Nach dem Ende der ursprünglichen Band Ende der Neunziger gingen Les Holroyd und John Lees mit eigenen Formationen und Varianten des bekannten Namens weiter. In Mannheim stand die von Holroyd geführte Formation auf der Bühne. Das war mehr als eine formale Ergänzung im Bandnamen, denn seine Stimme prägte zahlreiche Stücke, die an diesem Abend gespielt wurden.

Holroyd brauchte dabei keine übertriebene Frontmann-Show. Gerade das fand ich sympathisch. Er ließ die Songs wirken, während Mike Byron-Hehir immer wieder mit melodischen Gitarrenlinien nach vorne kam und Colin Browne an den Keyboards jene weiten Klangflächen ergänzte, ohne die viele BJH-Stücke kaum denkbar wären. Aus Fotografensicht war das ein anderer Rhythmus als bei einem Metal- oder Punkkonzert. Weniger Jagd nach dem einen Sprungbild, mehr Beobachtung: Hände am Instrument, kurze Blicke zwischen den Musikern, Konzentration und diese ruhige Sicherheit einer Band mit reichlich Bühnenerfahrung.

„Mockingbird“, „Hymn“ und „Life Is For Living“

Natürlich gab es an diesem Abend Songs, bei denen der Name allein schon reichte. „Mockingbird“ gehört seit Anfang der Siebziger zu den großen Barclay-James-Harvest-Stücken und besitzt bis heute diese Mischung aus Melancholie und Größe, die kaum gealtert wirkt. Später folgten mit „Love on the Line“ und „That Was Then … This Is Now“ weitere Stationen aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte. Das Konzert lebte gerade davon, dass nicht nur ein einziges Erfolgsalbum abgefeiert wurde.

Für das Ende hob sich die Band zwei ihrer bekanntesten Stücke auf. „Hymn“ und „Life Is For Living“ standen am Schluss des damaligen Sets und bündelten noch einmal ziemlich genau das, was Barclay James Harvest über Jahrzehnte ausgemacht hatte: große Melodien, sofort erkennbare Refrains und Rockmusik, die nie besonders hart sein musste, um Wirkung zu entfalten. Solche Songs brauchen auch keine zehn Videowände hinter der Bühne. In der Alten Seilerei reichten Musiker, Instrumente und ein Raum, in dem man die Band wirklich vor sich hatte.

Ein Stück Rockgeschichte mitten in Mannheim

Der Mannheimer Termin lag in einer kurzen Konzertserie. Zwei Tage zuvor hatte die Band im schweizerischen Solothurn gespielt, am 2. April folgte Pforzheim und nach der Alten Seilerei Mannheim ging es direkt weiter nach Bergheim und Worpswede. Ein kompakter Tourblock, mitten hinein in einen Donnerstagabend in Mannheim. Dass eine Band mit dieser Geschichte dabei in einem Club mit nur wenigen hundert Plätzen spielte, machte die Sache umso reizvoller.

Denn genau das blieb bei mir hängen. Keine übergroße Nostalgieshow, sondern Les Holroyd und seine Musiker direkt vor der Kamera, mit Songs, die teilweise schon Jahrzehnte unterwegs waren und trotzdem nicht wie reine Archivstücke klangen. Barclay James Harvest in Mannheim war kein Konzert, das seine Wirkung über Lautstärke oder Spektakel suchte. Es waren die Melodien, die Gitarren und diese unverkennbare Stimme.

Und manchmal reicht genau das.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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