
Worms: Jazz & Joy startet ins 30. Festivaljahr
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Zwei Bühnen, vier Konzerte und endlich wieder Festivalstimmung rund um den Wormser Dom. Am 19. August 2021startete Worms: Jazz & Joy in seine 30. Ausgabe. Die Jubiläumsedition sah allerdings anders aus als ursprünglich geplant. Wegen der Corona-Bedingungen wurde das gewohnte Festivalgelände deutlich verkleinert: Statt fünf Bühnen gab es 2021 nur den Weckerlingplatz und den Schlossplatz, auch die sonst typische Flaniermeile rund um den Dom entfiel. Das Festival wurde dafür auf vier Tage vom 19. bis 22. August ausgedehnt.
Musikalisch wurde am ersten Abend trotzdem nicht gespart. Teresa Bergman, ULTRAMARYN, Kelvin Jones und LaBrassBanda sorgten für einen Auftakt, der von Singer-Songwriter-Pop über Funk und Jazz bis hin zu bayerischem Brass, Ska und Reggae reichte.
Teresa Bergman eröffnet den Weckerlingplatz
Den Anfang auf dem Weckerlingplatz machte um 19.30 Uhr Teresa Bergman. Die in Neuseeland geborene und in Berlin lebende Sängerin bewegt sich musikalisch irgendwo zwischen Folk, Funk, Jazz und Singer-Songwriter-Pop.
Gerade für den frühen Festivalabend funktionierte diese Mischung gut. Bergman braucht keine große Show, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ihre Stimme steht im Mittelpunkt, mal kraftvoll, dann wieder überraschend fein. Dazu eine Band, die genügend Raum für rhythmische Wechsel und kleine musikalische Ausbrüche lässt.
Nach der langen Festivalpause fühlte sich allein dieses Bild schon besonders an: Musiker auf einer Bühne, Menschen davor und wieder echte Livemusik mitten in Worms.
ULTRAMARYN bringt elektronische Farben auf den Schlossplatz
Fast zeitgleich begann auf dem Schlossplatz das zweite musikalische Kapitel des Abends. Um 20 Uhr stand dort ULTRAMARYN auf der Bühne. Die Mannheimer Musikerin verbindet deutschsprachigen Alternative-Pop mit elektronischen Elementen, Soul und Rock und trat in Worms gemeinsam mit Schlagzeuger Dave Büchner auf.
Der Wechsel zwischen den beiden Bühnen hätte musikalisch kaum deutlicher ausfallen können.
Während Teresa Bergman am Weckerlingplatz mit organischen Klängen arbeitete, wurde es am Schlossplatz elektronischer. Synthesizer, klare Beats und deutsche Texte bestimmten den Sound. Ein guter Beweis dafür, dass Jazz & Joy schon lange viel mehr ist als ein reines Jazzfestival.
LaBrassBanda verwandelt Worms in eine Tanzfläche
Um 21.15 Uhr wurde es auf dem Weckerlingplatz deutlich lauter.
LaBrassBanda übernahmen.
Die Formation aus dem Chiemgau hat über die Jahre einen Sound entwickelt, der Blasmusik mit Ska, Punk, Reggae, Techno und bayerischen Einflüssen vermischt. Was auf dem Papier nach einem ziemlich wilden Zusammenprall verschiedener Stilrichtungen klingt, funktioniert live erstaunlich selbstverständlich.
Vor allem funktioniert es körperlich.
Die Bläser drücken nach vorne, der Rhythmus zieht an und aus einem zunächst bestuhlten Festivalabend wird schnell etwas, bei dem die Füße kaum stillhalten wollen. LaBrassBanda sind ohnehin keine Band für gepflegtes Zuhören aus sicherer Entfernung.
Hier soll Bewegung entstehen.
Und genau die kam auf dem Weckerlingplatz auf.
Kelvin Jones beendet den ersten Abend am Schlossplatz
Ebenfalls um 21.15 Uhr gehörte der Schlossplatz Kelvin Jones. Der Sänger wurde 2014 mit „Call You Home“ international bekannt, nachdem der Song über Reddit große Aufmerksamkeit bekommen hatte. In Worms brachte er seine Mischung aus Pop, Soul und Blues auf die Bühne. Sein Auftritt am 19. August beim Jazz & Joy ist auch für den Schlossplatz dokumentiert.
Jones setzte damit einen deutlich anderen Schlusspunkt als LaBrassBanda auf der Parallelbühne.
Weniger Brass-Eskalation, mehr Stimme. Seine Songs leben von eingängigen Melodien, aber auch von diesem leicht rauen, souligen Ton, der selbst größere Open-Air-Flächen schnell persönlicher wirken lässt.
Wer zwischen den Bühnen wechselte, bekam an diesem ersten Festivalabend deshalb vier sehr unterschiedliche Facetten zu hören.
Jazz & Joy feiert sein Jubiläum unter besonderen Bedingungen
Die 30. Ausgabe von Worms: Jazz & Joy war zwangsläufig ein Festival mit angezogener Handbremse. 2020 hatte die Veranstaltung pausieren müssen, 2021 konnte sie nur mit verändertem Konzept zurückkehren. Fünf Bühnen und die bekannte Festivalmeile rund um den Dom waren unter den damaligen Bedingungen nicht möglich.
Trotzdem standen vom 19. bis 22. August wieder zahlreiche Künstler in Worms auf der Bühne. Das offizielle Jubiläumsplakat kündigte vier Festivaltage und zwei Bühnen an; zum weiteren Programm gehörten unter anderem Michael Schulte, LOTTE, Wallis Bird, Nouvelle Vague und Trygve Seim.
Der erste Abend zeigte bereits, warum dieses Festival seit 1991 funktioniert.
Teresa Bergman eröffnete ruhig und vielseitig. ULTRAMARYN brachte elektronische Farben dazu. Kelvin Jones setzte auf Soul und Pop. Die bliesen dem 30. Festivaljahr erst einmal ordentlich den Staub aus den Knochen.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













