
YES featuring ARW live beim Zeltfestival Rhein-Neckar in Mannheim
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Wer am 7. Juni 2018 unter dem riesigen Palastzelt auf dem Mannheimer Maimarktgelände stand, durfte ein echtes Stück Musikgeschichte atmen. Mit Jon Anderson am Mikrofon, Trevor Rabin an der Gitarre und Keyboard-Zauberer Rick Wakeman gaben sich drei prägende Köpfe des Progressive Rock auf ihrer exklusiven Deutschland-Show die Ehre. Anlass war das 50-jährige Jubiläum von YES – jener Band, die das Genre seit den späten Sechzigern mitdefiniert und in ganz neue Sphären katapultiert hat.
Prog-Rock-DNA und der Weg in die Hall of Fame
Der Weg von YES war selten einfach und schon gar nicht geradlinig. Zickzackkurse beim musikalischen Stil, unzählige Umbesetzungen und der schmerzliche Verlust von Bassist und Gründungsmitglied Chris Squire im Jahr 2015 haben in der Bandhistorie tiefe Spuren hinterlassen. Doch die musikalische Essenz überlebte. 2017 wurden YES völlig zurecht in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen – eine späte, aber hochverdiente Würdigung. Genau dieses Selbstbewusstsein brachten ARW mit in die Kurpfalz. Wie Jon Anderson im Vorfeld betonte: „Die Fans wollen es, wir wollen es. YES-Musik ist unsere DNA.“ Dass das keine leeren Phrasen waren, stellte das Trio vom ersten Takt an klar.
Virtuose Soli, markante Riffs und eine glasklare Stimme
Vom ersten Tastenanschlag an war die Magie der ganz großen Prog-Rock-Tage im Zelt greifbar. Rick Wakeman zog hinter seiner mächtigen, kreisrund aufgebauten Keyboard-Burg gewohnt virtuos die Fäden und legte weite, atmosphärische Klangteppiche aus. Trevor Rabin konterte das Ganze und brach die komplexen Songstrukturen immer wieder mit messerscharfer, drückender Gitarrenarbeit auf. Über diesem dichten Sound-Geflecht schwebte Jon Andersons unverwechselbare, helle Stimme, die dem Zahn der Zeit mühelos zu trotzen schien und glasklar aus den Boxen kam.
Die Setlist war eine maßgeschneiderte Zeitreise für die angereisten Fans. Bei ausufernden, komplexen Meisterwerken wie „Heart of the Sunrise“ oder dem sphärischen „And You and I“ von 1972 schöpfte die Band ihre instrumentale Finesse voll aus. Die Musiker nahmen sich die Zeit, die Stücke atmen zu lassen und organisch aufzubauen. Doch es wurde nicht nur in den 70ern geschwelgt: Als die ersten, markanten Akkorde des 80er-Jahre-Welthits „Owner of a Lonely Heart“ durch die PA drückten, kam spürbar Bewegung in die Menge. Das unvermeidliche, treibende „Roundabout“ sorgte schließlich dafür, dass auch der Letzte im Publikum lautstark mitging.
Direkter Draht zum Publikum unter dem Zeltaufbau
Die Atmosphäre im dicht gefüllten Palastzelt trug ihren Teil zum Gelingen des Abends bei. Keine anonyme Stadion-Distanz, sondern direkter Kontakt und eine greifbare Energie, die von der Bühne sofort ins Publikum übersprang. Die Band wirkte entspannt, spielfreudig und genoss sichtlich die ungeteilte Aufmerksamkeit der treuen Anhängerschaft. Als die Zuschauer nach fast zwei Stunden epischen Klanglandschaften schließlich auf das Gelände strömten, lag eine tiefe Zufriedenheit in der kühlen Abendluft. Ein Konzertabend, der eindrucksvoll unterstrich, warum diese Musik auch nach einem halben Jahrhundert nichts von ihrer Faszination verloren hat.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














