Montag 24. Juni 2024

Sally Grayson – The Darkness In Me

Genre: Rock

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Sally Graysons Stimme ist eine, die in Erinnerung bleibt. Die in Deutschland lebende US-Amerikanerin kombiniert „traditionellen“ Desertrock mit modernen Elementen. Musik macht sie schon lange – ohne kann sie nicht. Doch in ihrem bald erscheinenden Album „The Darkness in Me“ gipfelt ihr Sound. Wer die äußerst talentierte und charismatische Sängerin, die auch schon bei The Voice of Germany ihr Können unter Beweis gestellt hat, noch nicht kannte, sollte sich 2023 etwas ausgiebiger mit ihr beschäftigen. Denn der Sound ihres Albums ist packend, einzigartig und angenehm altmodisch, wobei nicht auf den modernen Anstrich vergessen wurde.

Die Songs könnten einzeln gesehen nicht unterschiedlicher untereinander sein, jedoch findet der Hörer mit Leichtigkeit den roten Faden. Auf „The Darkness in Me“, dem selftitled Album-Opener, merkt man schnell, wo’s lang geht. Mystische Gitarren, verführerische, „darke“ Stimmen und fesselnde Texte. Ebenso „Life Heist“ und „Waiting for You“ strotzen nur so vor exorbitantem Space-Rock. Mal ruhiger, mal lauter, mal nachdenklicher, mal versierter.

Absoluter Anspieltipp ist „Melt into your Arms“ – eine große 80er Jahre-Ballade, die sich aber nicht davor scheut, aus irdischen Gefilden auszubrechen. Wichtigstes Element nebst Graysons packender Stimme: der Retro-Tremolo-Sound der Gitarren. Es fühlt sich so an, als würden Mazzy Star, Fiona Apple, Fleetwood Mac und Clint Eastwood – ja, Clint Eastwood – gemeinsame Sache machen.

Mit „Intercede“ hat es auch ein Americana-Folk-artiger Song aufs Album geschafft. Die guten alten Quinten-Basslines, die in keinem derartigen Song fehlen dürfen, spielen hier die absolute Protagonistenrolle. 

In „God Forbid“ reißt allerdings die Gitarre wieder die Hauptrolle an sich. Sphärische, aber nicht zu sphärische Bendings, ziehen den Hörer in seinen Bann, ohne dass er/sie anders kann.

Weiter geht’s mit dem Track „Dig“, der Nine Inch Nails sehr stolz machen würde. Übertrieben verzerrte Gitarren fliegen gemeinsam mit Sallys Stimme durch den Orbit, ohne auch nur einen einzigen F**k zu geben, ob ihnen dabei auch nur irgendjemand in die Quere kommt. Musik, die sich nicht in Bahnen lenken lässt, sondern einfach macht, was sie will. Und das ist das Charmante an diesem Track – und eigentlich am gesamten Album. 

In Albumtrack Nummer 9 „Bonneville“ geht’s wieder ein bisschen ruhiger zur Sache. Die Drums haben größtenteils mal Pause – dafür glüht das gute alte Bottleneck. Stufenlose, oszillierende Liebesbekundungen umrahmen die optimistischen, aber nicht naiven Vocals auf die allerschönste Art und Weise. Man merkt schon – dieses Album ist eine sehr verträumte und durchdachte Reise, die man gerne antritt. Und am besten merkt man sich jeden einzelnen Moment davon, weil sie ja so schnell verfliegt. Weil alles so gut klingt und einfach nur ehrlich ist.

Den Abschluss findet dieses 10 Songs starke Meisterwerk mit der Perle „The Golden Hour“. Schöner Titel für den letzten Song eines Albums. Könnte eigentlich gar nicht schöner sein. Und genau so klingen die letzten 6 Minuten und 35 Sekunden dieser grandiosen Platte. Es ist immer eine große Kunst ein Bild mit Tönen zu malen. Aber genau das hat Sally Grayson mit ihrem renommierten Team geschafft. Die Sonne geht unter, der Horizont färbt sich gold, der Herzschlag verlangsamt sich, der Wind schlägt ins Gesicht, es riecht nach Meer und Sand. „The Golden Hour“ beginnt verhalten und langsam, wird aber linear immer mehr. Der perfekte Abschluss eines – wenn man das denn überhaupt sagen kann – perfekten Albums. Prädikat: mehr als hörenswert. Indieheads werden ihre helle Freude damit haben. Cheers!

Sally Grayson
The Darkness In Me

Label: ROLA Records / CD Baby
VÖ: 23.06.2023
Genre: Rock

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