Montag 4. März 2024

TENSIDE – Come Alive Dying

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Neunzig Sekunden vor Zwölf – so lautet der momentane Stand der sogenannten Doomsday Clock, der metaphorischen Weltuntergangsuhr, mit der internationale Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit einer globalen Katastrophe und die für die Menschheit verbleibende Restzeit bis zum Supergau bestimmen. Für jede:n Einzelne:n nur noch wenige Momente, sich der Bedrohung bewusst zu werden und etwas für sich zu verändern. Ein nervenzerfetzender Drahtseilakt zwischen Leben und Tod, den TENSIDE auch auf ihrem neuen Album vollziehen. Auf „Come Alive Dying“ bewegt sich die Münchner Modern Metal- Formation in einer existenziellen Grauzone zwischen Apokalypse und kreativer Neugeburt – eine stilistische und inhaltliche Gratwanderung, mit der das Quartett 2023/24 völlig neue Maßstäbe in seinem Genre setzt!

TENSIDE
Come Alive Dying

Label: Ivorytower Records / Edel
VÖ: 19.01.2024
Genre: Metal
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Seit mehr als fünfzehn Jahren begeistert die im Jahr 2005 gegründete Formation eine internationale Fan-Community mit ihrem modernen Metal-Sound, in dem die Süddeutschen Einflüsse aus Metalcore, Thrash und Industrial Metal zu ihrem völlig eigenen und sofort wiedererkennbaren Trademark-Style verbinden. Nach viel beachteten Alben wie „NOVA“ (2013) oder „Convergence“ (2017) konnten TENSIDE mit dem im März 2020 releasten Longplayer „Glamour & Gloom“ ihren bisher größten Erfolg verbuchen und stiegen auf Platz 45 der deutschen Top 100 Album Charts ein. Insgesamt enterte das Album die digitalen Charts in mehr als fünfzehn Ländern und konnte mehrere Millionen globale Streams generieren. Und auch live haben sich TENSIDE durch unzählige Konzerte von kleinen Underground-Club bis zu den renommiertesten Festivalbühnen ein stabiles Standing erarbeitet. Neben diversen Headliner-Tourneen durch ganz Europa und die UK bis nach China und Japan war die Band als Support für internationale Größen wie Killswitch Engage, Trivium, As I Lay Dying, Bad Wolves sowie viele andere zu erleben und rockte weltweit die Bretter vom Wacken Open Air und With Full Force bis zum bulgarischen Hills of Rock und dem chinesischen Midi Festival. Höchste Zeit, den nächsten Schritt zu machen.

Für die Produktion ihres 8. Studioalbums haben sich Frontmann Daniel Kuhlemann, Gitarrist Michael Klingenberg, Bassist Jonas Hölscher und Drummer Johannes Jörg eine echte Allstar-Crew ins Boot geholt, die die musikalische Vision des Quartetts in einen ebenso bombastischen wie atmosphärischen Breitwand-Sound umgesetzt hat. Aufgenommen wurde die neue Platte größtenteils im bandeigenen Studio in München in Zusammenarbeit mit Co-Producer Christoph von Freydorf sowie mit Kristian „Kohle“ Kohlmannslehner in seinen Kohlekeller Studios, bevor die Tracks in Los Angeles von Joseph McQueen (As I Lay Dying, Bad Wolves, Bury Tomorrow) gemischt und schließlich in Nashville von Ted Jensen (Gojira, Korn, Bring Me The Horizon) gemastert wurden. Keine Wiederholungen – so das erklärte Bandmotto, dem TENSIDE auch auf „Come Alive Dying“ treugeblieben sind. „Ich denke, mit diesem Album haben wir unsere bisher größte Weiterentwicklung vollzogen“, erklärt Sänger Daniel Kuhlemann. „Alles ist breiter, abwechslungsreicher und tiefer. Es gibt typische Metal-Bretter nach liebgewonnener TENSIDE-Manier, die diesmal von eingängigeren und groovigeren Nummern ergänzt werden. Wir haben allen Songs den Raum gelassen, den sie zum Wachsen brauchen. So ist es uns gelungen, zum aller ersten Mal komplett umzusetzen, was wir im Kopf hatten. Das ist die Platte, die wir schon immer machen wollten!“

Ein atmosphärischer Kontrast aus Energie und Emotion, Härte, Hooks und packenden Harmonien, die mit den mal geshouteten, mal clean gesungenen Vocals und düster-technoiden Electronia-Elementen zum ultimativen Endzeit-Soundtrack für den Metal-Arena-Moshpit verschmelzen.

Und auch inhaltlich wandeln TENSIDE auf ihrem neuen Album in einem Niemandsland aus Licht und Schatten, hell und dunkel, wie Daniel Kuhlemann fortfährt. „`Come Alive Dying` ist eine Hymne an den Tod und das Leben zugleich. In den letzten Jahren bin ich durch eine sehr schwere Zeit gegangen. Unser letztes Album erschien im Anfangsstadion der Pandemie und legte erstmal alle Pläne auf Eis. In dieser Ungewissheit verstarb zudem noch mein Vater. Seine letzten Worte waren, dass er bereit für die nächste Welt wäre. Das hat mich extrem berührt und mir vor Augen geführt, wie nahe Leben und Tod beieinander liegen. Das eine wäre nicht ohne das andere denkbar. Ich habe während dieser Phase mein ganzes Leben umgekrempelt. Und ich habe mir viele Fragen gestellt“, deren Antworten nun auf „Come Alive Dying“ zu hören sind. Ein paar zumindest. Ich betrachte das Ende der Pandemie als neuen Anfang. Als Neustart in einer fremden Welt. Und als Herausforderung, Veränderung anzunehmen. Das ist das zweite große Thema in den Songs.“ Veränderung, die sich bereits im gleichnamigen Opener von „Come Alive Dying“ reflektiert.

I am not afraid of dying”, shoutet Kuhlemann wütend im Chorus des Titelsongs, dessen von persönlichen Verlusten und Abschied geprägte Lyrics allen Hörerinnen und Hörern einen Spiegel über die mit erschreckendem Tempo wachsende Gleichgültigkeit für unsere eigene Lebendigkeit vorhält. Eine unaufhaltsame Riff-Maschine, die die Gesamtstimmung des Albums schon mal mit voller Wucht einfängt und vorweg nimmt. Eine erbarmungslose Sound-Walze, an die TENSIDE nahtlos mit dem Groove-Monster „Shadow To Shine“ anschließen: Ein furioser, wild entschlossener Tritt in den Allerwertesten, sich endlich der dringend nötigen Transformation zu stellen. Eine eindeutige Message, die befeuert durch Daniel Kuhlemanns eigenen Lebenswandel eine besondere Dringlichkeit erfährt. Der Schritt hinaus aus der eigenen Komfortzone aus Selbstmitleid und Selbst-Sabotage, um über sich hinauswachsen und sich wie der buchstäbliche Phoenix aus der Asche erheben zu können. „Wir haben uns diesmal enorm viel Zeit genommen und viel ausprobiert“, beschreibt der Sänger die außergewöhnliche Detailarbeit und Durchschlagskraft der neuen Songs.

So wie auf dem hymnischen „Pitch & Gold“, auf dem TENSIDE kurzeitig einen Gang zurückschalten und mit cleanen Vocals, atmosphärischen Synthies, einer melancholischen Melodie sowie nachdenklichen Lyrics für wahre Gänsehautschauer und Handyschwenkmomente sorgen. Ein gesellschaftskritischer Track, der inhaltlich an die Botschaft des Titelsongs anknüpft und mit der Gleichgültigkeit abrechnet, in der wir im von Süchten und Abhängigkeiten induzierten Rausch unserer Sinne oft erst zu spät wahrnehmen, wie schmal der Grat zwischen Glanz und Elend manchmal ist. Nach dem flirrenden Arpeggio-Inferno „Darkness To Blight“ folgt mit dem düsteren Moshpit-Sprenger „Impending Doom“ ein weiteres Album-Highlight, auf dem TENSIDE von Darkest Hour Frontmann „John Blakemore Henry“ unterstützt werden. Ein Schlachtruf der Rebellion, der die immer weiter fortschreitende Zerstörung des Planeten verdeutlicht. „Der Zeiger der Doomsday Clock tickt“, ohne dass genug unternommen wird, diese Katastrophe noch abzuwenden. Der Song soll darauf aufmerksam machen, wie nahe wir dran, sind unsere Welt mit gefährlichen Technologien zu zerstören. John Henry ist der perfekte Duettpartner. Wir haben schon diverse Shows mit Darkest Hour gespielt; nachdem er kürzlich nach München gezogen ist, haben wir uns auch ein Studio geteilt. Irgendwann haben wir ihn einfach gefragt, ob er nicht Bock hätte, mit uns die Vocals einzuballern…“

Nach dem treibenden „Aim For Paradise“ und dem ordentlich nach vorne schiebenden „Deadweight“ geht das Album mit dem sofort ins Ohr gehenden „Pretty Lonesome“ und dem kompromisslosen „Dust Of The Bereaved“ in die letzte Runde, um schließlich mit dem unheilvollen Suckerpunch „Vengeance“ zu enden. „Wir wollten schon immer einen so eingängigen Track wie `Pretty Lonesome` machen. Ein absoluter Ausreißer, der eine extreme Poppigkeit mit unserer liebgewonnenen Signature- Heavyness vereint. Inhaltlich geht es um Bindungsangst und ein Trauma, dass einen immer wieder verfolgt und in das alte Schwarze Loch zieht. Bevor man jemanden zu nahe an sich heran lässt, bleibt man zum eigenen Schutz lieber alleine. Mit `Vengeance` schließt das Album mit dem totalen stilistischen Gegenteil: Wir haben es uns zur Tradition gemacht, jede Platte mit einem düsteren Endzeitsong zu beenden. Der Closing-Track `Vengeance` lässt sich als Antithese zum Opener `Come Alive Dying` interpretieren: Der Schritt aus der Dunkelheit ins Licht. Eine Abrechnung mit der Gleichgültigkeit auf der Suche nach Erlösung, mit der sich der Kreis schließt.“

Vervollständigt wird „Come Alive Dying“ vom atemberaubenden Artwork des renommierten britischen 3D-Artist Phil Radford alias MayaGuy, der das thematische Konzept des Albums perfekt eingefangen hat. Sämtliche Videos zum Album wurden von Filmemacher und Regisseur Mirko Witzki (Caliban, Any Given Day, Arch Enemy) produziert und in Zusammenarbeit mit Phil Radford und der Band realisiert.

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