„Alles Wird Gut“-Tour, 18.01.2026, Festhalle Frankfurt
Frankfurt erlebt an diesem kalten Januarabend einen Moment Rap-Geschichte. Die Festhalle ist nahezu ausverkauft, die Spannung greifbar, als Bushido im Rahmen seiner Abschiedstour „Alles Wird Gut“ die Bühne betritt. Es ist nicht nur ein Konzert – es ist ein finales Kapitel eines der prägendsten Künstler des deutschen Hip-Hop.
Der Abend beginnt mit einem Augenzwinkern und Symbolkraft: „Kleine Bushidos“ eröffnet das Set und schlägt sofort die Brücke zwischen Herkunft, Legacy und dem Blick zurück. Ohne lange Anlaufphase geht es mit „Wenn wir kommen“ und „Nie wieder“ direkt in die Konfrontation – hart, kompromisslos, laut. Die Halle ist von der ersten Minute an da.
Mit „Berlin“ und „Tempelhofer Junge“ macht Bushido klar, wo alles begann. Heimatstolz trifft auf biografische Rückschau, während „Electrofaust“ und „Bei Nacht“ die düstere Ästhetik liefern, die seine Karriere über Jahre geprägt hat. Spätestens bei „Zeiten ändern dich“ wird es persönlicher – ein Song, der im Kontext des Abschieds besonders nachhallt.
Ein emotionaler Höhepunkt folgt mit „Sonnenbank Flavour“, performt gemeinsam mit Fan Leon, der unter tosendem Applaus die Bühne betritt. Ein Moment, der zeigt, wie sehr Bushidos Musik Generationen geprägt hat. Klassiker wie „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ und „Schmetterling“ lassen die Festhalle kollektiv in Erinnerungen versinken.
Der Tourtitel wird mit „Alles wird gut“ programmatisch eingelöst, bevor „Panamera Flow“ und „Stress ohne Grund“ noch einmal die alte Aggression entfesseln. „Sterne“ sorgt anschließend für einen kurzen, fast nachdenklichen Bruch, ehe mit „Sodom & Gomorrha“, „Alles verloren“ und „Vergeben & Vergessen“ die thematische Spannweite zwischen Abgrund und Versöhnung voll ausgespielt wird.
Im letzten regulären Teil setzt Bushido mit „Ronin“ und „Nie ein Rapper“ ein klares Statement: Außenseiter, Einzelkämpfer, Ausnahmekünstler. Der Abgang wirkt endgültig – doch Frankfurt bekommt natürlich noch mehr.
Der Encore ist emotional aufgeladen: „Du liebst mich nicht“ verwandelt die Festhalle in einen Chor, bevor mit „Papa“ und „Familie“ das private Fundament seines heutigen Selbst in den Fokus rückt. Spätestens hier wird klar, wie sehr sich der Blick des Künstlers über die Jahre verschoben hat.
Der Abschluss gehört „Für immer jung“ – ein bewusst gewählter Schlusspunkt. Ironisch, versöhnlich, fast hoffnungsvoll. Bushido verlässt die Bühne nicht als der Mann von früher, sondern als jemand, der seine Geschichte zu Ende erzählt hat.
Frankfurt erlebt keinen lauten Knall, sondern einen würdevollen Abgang. „Alles Wird Gut“ ist kein Versprechen mehr – es ist ein Abschied. Und einer, der sitzt.
Text und Bilder by Jan Heesch



















































