POST drehen auf. Go Boomer Go als wütendes Update der Siebziger

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Am 10. April 2026 erscheint mit Go Boomer Go das neue Album der Wiener Band POST über Voller Sound. Zwischen spätem 70er Punk und kantigem New Wave liefern Rainer Krispel, Robert Räudig Wolf, Christian Unger und Tom Niesner ein kompromissloses Statement. Roh. Minimalistisch. Direkt.

POST nehmen Generationenkonflikte nicht als Meme, sondern als Symptom. Sie singen auf Deutsch und im Wiener Dialekt. Sie arbeiten mit stoischem Groove, harschen Gitarren und einer klaren DIY Haltung. Das klingt nach Wilko Johnson und The Clash, trägt aber den Wiener Schmäh und die gesellschaftskritische Schärfe eines Sigi Maron in sich. Keine Retro Pose. Sondern Gegenwart mit Kanten.

Wir wollten wissen, woher diese Wut kommt, wie viel Selbstironie dahinter steckt und warum dieses Album genau jetzt erscheinen muss.

Go Boomer Go klingt wie ein Schlachtruf. Gegen wen oder was richtet sich eure Wut konkret. Gegen eine Generation, gegen Strukturen oder auch gegen euch selbst.

GO BOOMER GO! (Immer mit Rufzeichen) kann auf zwei Arten verstanden werden: als Aufforderung endlich zu gehen und für Jüngere Platz zu machen, oder als Ermunterung – im Alter wach und lernbereit bleiben und dabei aber zu seinen nostalgischen Gefühlen stehen zu können. Für uns ist natürlich letzteres die textnahe – und damit relevantere – Interpretation.

Ihr bewegt euch musikalisch zwischen spätem 70er Punk und New Wave. Was reizt euch an diesem Sound heute noch. Ist das Nostalgie oder bewusste Reduktion als politisches Statement.

Wir wurden mit dieser Musik sozialisiert und die Bandmitglieder bewegten sich immer schon in diesem – aus unserer Sicht zeitlosen – von jeglichem Firlefanz befreiten Sound. Hört man sich die frühen Platten der Clash, der Sex Pistols oder Ramones – die auch wieder vermehrt von einem jungen Publikum entdeckt werden – an, dann haben die noch immer noch eine Frische, die Musik aus späteren Jahrzehnten alt aussehen lässt.

Eure Texte zerlegen Generationenmythen und Bequemlichkeit. Wo erlebt ihr diese kulturellen Stillstände im Alltag am stärksten. In Politik, Musikszene oder im Privaten.

Wer hat es sich noch nie in seiner Blase gemütlich gemacht? Uns ist bewusst, dass wir mit unserer Musik und unseren Texten die Welt nicht ändern, aber den einen oder anderen Denkanstoß geben können. In einer Zeit, in der gelassene Sachpolitik verhöhnt und die Kultur es sich einerseits in intellektueller Selbstgerechtigkeit gemütlich gemacht hat und andererseits nur pseudo-emotionale Wohlfühlhülsen und Infantilitäts-Kitsch produziert, kann und soll man durchaus einmal Kante zeigen und nicht alles wegironisieren.

Ihr singt auf Deutsch und im Wiener Dialekt. Was kann Dialekt, was Hochdeutsch nicht kann. Geht es um Nähe, um Härte oder um Identität.

Der Dialekt ist für uns die natürlichste Möglichkeit uns auszudrücken. Eigentlich entscheidet der Song selbst, ob in mehr oder weniger Hochdeutsch oder im Dialekt gesungen wird. Generell ist es bei uns so, dass die – sowohl vom Inhalt, als auch von der Musik her – derberen und härteren Stücke nach Dialekt verlangen.

Der Song Schas im Hemd trägt Humor im Titel, während Es muss sich etwas ändern fast programmatisch wirkt. Wie haltet ihr die Balance zwischen Witz, Zynismus und ernst gemeinter Forderung.

Grundsätzlich sind unsere Forderungen immer ernst gemeint, auch wenn sie mit einem Augenzwinkern vorgebracht werden.

Die genannten Songs sind sehr gute Beispiele. Während „Schas Im Hemd“ eine sehr direkte Aufforderung ist, nicht jedem Impuls gleich nachzugeben, geht es in „Es muss sich etwas ändern“ um dieses diffuse Gefühl, dass endlich einmal was anderes her muss, ohne genau sagen zu können was genau. Was von Populisten aller Coleurs weidlich ausgenutzt wird.

Minimalistische Arrangements und stoischer Groove ziehen sich durch das Album. War das eine ästhetische Entscheidung oder das Ergebnis eurer Arbeitsweise im Proberaum.

Einige der Songs bestanden schon lange, bevor die Band gegründet wurde und wurden im Proberaum fast eins zu eins umgesetzt. Stücke wie „Alles ist besser als wir“ und „ Es muss sich etwas ändern“ entstanden aus Jam-Sessions. Die Stücke minimalistisch und geradlinig zu halten war von Anfang an klar und Teil des Konzepts.

POST bestehen aus Musikern mit langer Szeneerfahrung. Wie verhindert ihr, dass Routine eure Radikalität abschleift.

Indem wir wach sind und, wie jeder Mensch der ohne Scheuklappen durch die Welt geht, an den Dingen die auf uns täglich einprasseln, verzweifeln.

Umzingelt taucht als Remix auf. Warum dieser Bruch im Albumfluss. Wolltet ihr Irritation oder Erweiterung.

Wir hängen an dem Stück, weil es das erste Lebenszeichen der Band war und finden, dass erst dieses Stück das Album komplett macht. Grundsätzlich finden wir Brüche – und sei es nur um Erwartungshaltungen zu brechen – gut. Der „Remix“, lässt eigentlich nur den Mittelteil der Single aus und spielt dafür, ohne auszublenden, bis zum ekstatischen Schluss durch. 

Wenn ihr auf die Veröffentlichung am 10. April 2026 blickt. Was soll nach dem Hören von Go Boomer Go im Kopf oder im Bauch der Leute bleiben.

Schwierig. Unsere Hoffnung ist natürlich, dass die Musik selbst schon begeistert und dadurch auch von den Texten einiges Eingang in die Köpfe der HörerInnen findet. Die Reaktionen auf bisherige Live-Auftritte waren jedenfalls euphorisch und wir denken, dass es uns gelungen ist, die Essenz davon zu konservieren.

Live spielt ihr am 7. März beim Erdberger Stadtentwicklungsfest in der Arena und am 9. April in der Szene Wien zur Albumpräsentation. Was unterscheidet eure Bühnenenergie vom Studio. Und was erwartet uns bei der Release Show.

Im Studio arbeiten wir sehr strukturiert und mit hoher Disziplin. Auf der Bühne darf es dann schon einmal lockerer werden, ohne an Kompaktheit oder Wucht zu verlieren. Zum Glück haben wir einen Sänger, dessen Bühnenpräsenz alleine schon ein Geschenk ist. Bei der Präsentation darf mit einer bestens eingespielten Band, launigen Ansagen und illustren Gästen gerechnet werden. Partytime eben.

Danke für eure Offenheit, eure Energie und dieses kompromisslose Album. „Go Boomer Go“ ist kein bequemes Werk. Genau das braucht es. Ich wünsche euch volle Clubs, laute Abende und die Reibung, die gute Kunst erst möglich macht. Alles Beste für den Release am 10. April 2026 und die kommenden Shows.

Interview by CK

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