Intime Magie bei „Nackt III“ – Subway to Sally in der Kongresshalle Gießen

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Es gibt Konzerte, die laut sind, wild und überwältigend – und es gibt Abende wie diesen. Am 2. Mai 2026 verwandelten Subway to Sally die Kongresshalle Gießen in einen Ort der leisen Intensität. Im Rahmen ihrer „Nackt III“-Tour zeigte sich die Band von einer Seite, die selbst langjährige Fans immer wieder überrascht: reduziert, akustisch – und gerade deshalb umso eindringlicher.

Ein zusätzlicher Blickfang des Abends war Geigerin Ally Storch, die in einem auffälligen roten Kleid die Bühne betrat. Das leuchtende Rot bildete einen starken Kontrast zur sonst eher schlichten, akustischen Inszenierung und unterstrich die besondere Atmosphäre des Konzerts. Bei Stücken wie „Kleid aus Rosen“ oder „Minne / Herz in der Rinde“ wirkte ihr Auftritt fast wie ein visuelles Echo der Musik – leidenschaftlich, elegant und zugleich kraftvoll. Ihre Präsenz zog die Blicke auf sich, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, und verstärkte die emotionale Wirkung vieler Songs spürbar.

Schon die ersten Töne von „Lacrimae ’74 / Feuerkind“ machten klar, wohin die Reise geht. Ohne elektrische Wucht, dafür mit viel Raum für Melodien und Emotionen, entfalteten die Songs eine ganz eigene Kraft. Stücke wie „Eisblumen“ und „Auf dem Hügel“ wirkten beinahe zerbrechlich, während „Böses Erwachen“ und „Traum vom Tod II“ eine düstere, erzählerische Tiefe entwickelten, die im akustischen Gewand besonders zur Geltung kam.

Ein Highlight des ersten Sets war das fein verwobene „Minne / Herz in der Rinde“, das die mittelalterlichen Wurzeln der Band betonte. Auch „Mitgift“, „Das Rätsel II“ und das atmosphärische „Kleid aus Rosen“ sorgten für Gänsehaut im Publikum. Mit „Was ihr wollt“ und „Weit ist das Meer“ endete der erste Teil des Abends in einer Mischung aus Melancholie und stiller Euphorie.

Nach einer kurzen Pause ging es mit Set 2 weiter – und die Stimmung wurde spürbar intensiver. „Wenn Engel hassen“ und „Leinen los“ brachten neue Dynamik ins Spiel, während „Unsterblich“ und „Krähenfraß“ (inklusive „Krähentanz“) das Publikum tiefer in die düstere Welt der Band zogen.

Mit „Henkersbraut“, „Post Mortem“ und „Falscher Heiland“ folgte ein dramaturgisch starker Mittelteil, der die erzählerische Stärke von Subway to Sally eindrucksvoll unter Beweis stellte. Spätestens bei „Die Ratten“ und „Arche“ war der Saal komplett gefesselt.

Ein besonderer Moment des Abends war das ausgelassene Folk-Medley aus „Sag dem Teufel / Ohne Liebe / Tanz auf dem Vulkan“, das trotz akustischer Umsetzung für spürbare Feierlaune sorgte. Mit „Sieben“ und dem energiegeladenen „Veitstanz“ steuerte das Konzert seinem Höhepunkt entgegen.

Doch natürlich ließ die Band ihr Publikum nicht ohne Zugabe gehen:
Mit „Maria“ wurde es noch einmal emotional, bevor „Julia und die Räuber“ den Abend kraftvoll und zugleich verspielt abschloss.

Das „Nackt III“-Konzert in Gießen war kein gewöhnlicher Gig – es war ein Erlebnis. Subway to Sally bewiesen einmal mehr, dass ihre Musik auch ohne große Verstärkung funktioniert. Vielleicht sogar besser. Die Nähe zum Publikum, die Detailverliebtheit der Arrangements und die spürbare Leidenschaft auf der Bühne machten diesen Abend zu einem besonderen Kapitel für jeden, der dabei war.

Ein Konzert, das nicht laut sein musste, um lange nachzuhallen.

Bilder und Text by Jan Heesch

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