Mit ihrem dritten Studioalbum „Limited Infinity“ schlagen Midnight Rider ein neues Kapitel auf. Der Sound bleibt tief im klassischen Heavy Rock verwurzelt, wirkt aber gleichzeitig fokussierter und moderner als zuvor. Neue Bandmitglieder, ein klarer Produktionsansatz und thematisch starke Songs machen das Album zu einem wichtigen Schritt in der Entwicklung der Band. Kurz vor der Veröffentlichung sprechen wir über Sound, Haltung und die nächsten Pläne.
„Limited Infinity“ klingt gleichzeitig klassisch und modern. Was war eure klare Vision für dieses Album?
Hendrik: Die Vision war eher der klassische Aspekt, aber selbstverständlich ist in den letzten Jahrzehnten viel musikalisch passiert, was natürlich die eigene Wahrnehmung immer wieder verändert. Mann versucht etwas in einem gewissen Stil zu komponieren, ist aber von vielen Eindrücken beeinflusst. Das ist wahrscheinlich der natürliche Lauf der Dinge. So gerne man dem Spirit der guten Alten Zeit nacheifern möchte, bringt man doch manchmal modernere Einflüsse mit rein, weil man denkt, dass diese auch damals der Musik einen Mehrwert gegeben hätte. So gerne man auch meckert , dass früher ja alles besser war, gibt es natürliche Entwicklungen gerade in Kunst und Musik, die das ganze nochmal aufwerten können.
Wie hat sich euer Songwriting im Vergleich zu den vorherigen Releases verändert?
Blumi: Grundlegend sind Black Sabbath und die Frühphase von Judas Priest immer ein wichtiger Einfluss in unserer Musik. Beim jetzigen Album haben wir aber auch mal ungewöhnliches gewagt, wie “Dark Shadows” zum Ende hin. Außerdem haben wir alte Metal Inquisitor Ideen in Form von “Limited Infinity” und “Blitzlight” ausgegraben und etwas dem Stil angepasst.
„The Renegade“ setzt direkt ein starkes Statement. Warum habt ihr genau diesen Song als erste Single gewählt?
Blumi: Dieses Lied ist recht heavylastig und kommt unseren musikalischen Wurzeln am nächsten. Ich denke, man kann Priest hierbei auch als entscheidenden Einfluss gut nachvollziehen. Das Lied hat übrigens einen kuriosen Ursprung, denn das Strophen Riffing ging aus einem banalen Jam während des Soundchecks hervor. Manchmal sind die einfachsten die besten Ideen.
Der Song greift ein wichtiges Thema auf. Wie wichtig ist euch inhaltliche Haltung in eurer Musik?
Blumi: Der Text zu “The Renegade” handelt von einem weiblichen Metal-Fan, welche sich gewissen Anfeindungen in der Gesellschaft aufgrund ihrer Haltung ausgesetzt sieht. Womöglich ist solch eine Thematik in der heutigen Zeit nicht mehr so relevant aber evident ist, dass insbesondere in den 80ern eine Ausgrenzung und Intoleranz gegenüber weiblichen Fans sogar innerhalb der Metal-Szene stattfand.
Mit Chris Black am Gesang hat sich euer Sound spürbar verändert. Was bringt er neu in die Band ein?
Blumi: Chris ist natürlich ein großartiger Musiker und sehr professionell. Ich hatte ihn 2003 in Chicago zum ersten Mal kennengelernt. Er fiel damals optisch auf, da er Lemmy Kilmister mit seiner damaligen Band Superchrist gewissermaßen imitierte. Später in 2014 haben wir dann auch musikalisch bei Metalucifer zusammen gewirkt.
Sprachlich konnte er naturgemäß viel einbringen und ist zudem auch ein netter Kerl. Seine Stimmfarbe ist anders als die von Wayne und somit verändert sich auch der Gesamtsound.
Auch Schlagzeug und Bass wurden neu besetzt. Wie hat sich dadurch eure Dynamik als Band verändert?
Blumi: Hendrik war zuvor bei Steelpreacher an den Drums aktiv. Ich hatte ihn schon 2020 als neuen Drummer für Metal Inquisitor im Auge gehabt, aber leider kam es da noch nicht dazu. Nik ist Sänger und Bassist bei Spread of Disease aus Koblenz war froh beide gewinnen zu können. Überraschenderweise haben sich beide recht gut mit der Heavyrock Spielweise arrangiert.
Ihr arbeitet mit einem klaren Retro Sound, kombiniert ihn aber mit moderner Produktion. Wie findet ihr diese Balance im Studio?
Hendrik: In den letzten Jahren wurde klanglich und aufnahmetechnisch viel modernisiert. Gerade im Instrumentalbereich. Daran ist natürlich nicht alles schlecht und hat auch viele Vorteile gebracht, aber wir wollten auf jeden Fall, dass es trotz allen technischen Möglichkeiten immer noch naturbelassen klingt. Gerade wenn man Musik im Stile der 70er oder 80er Jahre authentisch rüber bringen möchte, sollte man sich auch daran orientieren, dass es trotz moderner Mittel auch so klingt, wie Musik aus dieser Zeit nun mal geklungen hat.
Gab es während der Produktion einen Moment, an dem ihr gemerkt habt, dass das Album genau in die richtige Richtung geht?
Hendrik: Prinzipiell schon, aber einen genauen Zeitpunkt könnte ich jetzt nicht benennen. Am Anfang ist man da gefühlt etwas kritischer, wenn so die ersten zwei drei Songs fertig sind und ob diese überhaupt zusammen passen. Meistens lösen sich solche Bedenken aber bei jedem weiteren Song in Luft auf, weil man mit jedem Song mehr Vertrauen gewinnt und anfängt, das Album im Großen und Ganzen zu sehen. Zugegeben war ich selber am Anfang etwas skeptisch, aber mit jedem Song der dazu kam, hat sich das immer mehr in eine Art Euphorie gewandelt, weil ich immer mehr davon überzeugt war, dass hier ein schönes, atmosphärisches Gesamtwerk entsteht.
Plant ihr eine Tour zum Album. Wenn ja, worauf können sich die Fans live einstellen?
Hendrik: Eine Tour ist leider erstmal nicht geplant. Da haben wir uns auch noch keine Gedanken zu gemacht. Das vorrangige Ziel war es , neue Lieder zu schreiben und diese ordentlich zu arrangieren. Jeder von uns hat natürlich noch andere Bands bei denen er Verpflichtungen hat, was ein gemeinsames Auftreten schwierig machen wird. Aber eins nach dem anderen. Zuerst wurde die Platte aufgenommen und nun sehen wir mal, wie diese bei den Leuten ankommt. Prinzipiell hat der Prozess sehr viel Spaß gemacht und die Lieder sind zu 100% so geworden wie wir es wollten, da sehe ich keinen Grund, warum es unmöglich sein sollte, vielleicht in Zukunft doch den ein oder anderen Gig zu spielen, um den Fans die Möglichkeit zu geben, diese Songs einmal Live zu erleben.
Was sollen Hörer am Ende aus „Limited Infinity“ mitnehmen?
Blumi: Ich hoffe, dass man das Album bis zum Ende durch hört, da meines Erachtens die richtig guten Sachen nicht immer zu Beginn eines Albums zu hören sind. Ich hoffe, man kann auch etwas Herzblut erkennen, da es eigentlich nicht perfekt ist, sondern auch eine gewisse eigene Note mit eingebracht wurde.
Vielen Dank für eure Zeit und die Einblicke in eure Arbeit. Wir wünschen euch eine starke Veröffentlichung von „Limited Infinity“, volle Clubs und eine erfolgreiche nächste Phase für die Band.
Interview CK

