KOMAHAWK sind zurück. Nicht als Nostalgieprojekt, sondern als Band mit klarem Blick auf Gegenwart und Vergangenheit. Nach Jahrzehnten, Pandemie und Wiederannäherung im Proberaum steht mit „Doomsday for Democracy“ ein Album, das roh, politisch und kompromisslos klingt. Wir sprechen über Rückkehr, DIY, alte Wut und neue Energie.
Eure Rückkehr wirkt nicht geplant, sondern gewachsen. Wann war der Moment, in dem klar war, dass daraus ein neues Album wird?
Ja das hast du richtig erkannt. Nach unserem Gig zum 20 Jährigen von der No Hope Scheibe fingen wir wieder an zu proben. Aus Spaß an der Mucke. Dabei kamen dann die ersten Ideen und das Feuer loderte wieder. Wir bauten die ersten Songideen aus, dann kam Corona. In der Zeit haben wir dann 3 Songs als Demo aufgenommen. Nach der Zeit kamen dann immer neue Ideen und durch die politisch fragile Lage und einigen persönlichen schwierigen Erlebnissen auch der Drang Texte zu schreiben. Als genug Material dabei war entschieden wir uns, dass die Songs und Texte raus müssen. Das war so vor ca. 2 Jahren. Es gab nicht den einen Zeitpunkt, das hat sich so entwickelt.
Ihr habt das Album komplett im DIY-Modus produziert. Was gewinnt ihr dadurch und was kostet es euch?
Ich habe mich während der Corona Zeit mit Recording Prozessen vertraut gemacht und aus unserer Zeit mit President Evil, haben wir noch recording Equipment im Proberaum gehabt. Durch das Recorden im Proberaum gewinnen wir schlicht Zeit. Zeit um Dinge auszuprobieren, löschen und ändern zu können, ohne auf andere Menschen oder Geld angewiesen zu sein. Wir stehen alle nicht so auf moderne , sehr cleane Produktionen. So konnten wir die Richtung selber bestimmen. Ich habe alles aufgenommen und gemischt. Was einen auch in den Wahnsinn treiben kann, weil man nie fertig wird. Kosten tut uns das auch nur Zeit und meine Nerven 😊. Wir haben es dann aber von einem Profi, Timo Hollmann Harbour Inn Studios, Mastern lassen.
„Blow On The Coals“ setzt direkt ein politisches Statement. Wie wichtig ist es euch, heute klar Position zu beziehen?
Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich habe Angst meine Freiheit und viele Freunde für die die rassistische Einstellung in der Politik eine konkrete Drohung beinhaltet. Die Freiheit ist für mich das höchste Gut. Demokratische Grundwerte muss man verteidigen, also ist es wichtig dafür einzustehen. Mit einem Song verändert man nicht die Welt, aber man sagt was aus, vielleicht hört jemand zu und denkt drüber nach. Wenn viele das machen, hat man schon was gewonnen.
Eure Wurzeln liegen in den 90ern. Was habt ihr bewusst behalten und was wolltet ihr unbedingt verändern?
Bewusst behalten haben wir die Stimmung auf E an der Gitarre und unsere Geschwindigkeit. Wir wollten nicht in Drop Bereich und auch keine Breakdowns. Den Gesang wollten wir verändern, bischen mehr Backround usw. Wir haben uns nie sonderlich Grenzen gesetzt, deswegen gucken wir was kommt und machen was gefällt. Das meiste passiert einfach.
Der Sound ist rau und direkt. War das eine ästhetische Entscheidung oder einfach die ehrlichste Form, die Songs umzusetzen?
Beides. Wir mögen keine zu glatten Produktionen. Außerdem sind wir ja oldschool, deshalb passt der Sound auch dazu. Wir haben einen Sound gesucht der zu KOMHAWK passt. Zum Rock n Roll gehört auch Dreck.
Ihr mischt Thrash, Hardcore und Punk. Gibt es heute überhaupt noch Genregrenzen für euch oder spielt das keine Rolle mehr?
Ich stelle mal die Gegenfrage. Wofür gibt es diese Genregrenzen überhaupt? Damit man die Musik beschreiben kann, damit man sie kategorisieren kann? Musik, die ich gut finde, berührt mich irgendwie. Das kann ein Singer Songwriter mit einer super Stimme und guten Text wie Shawn James sein oder Great Southern Trendkill von Pantera oder, oder. Warum sollte ich mir gute Musik entgehen lassen, nur weil andere Menschen dafür Grenzen brauchen. Grenzen schließen meist aus.
Wie hat sich euer Songwriting über die Jahre verändert, gerade mit Blick auf eure aktuellen Lebensrealitäten?
Es gibt heute die Möglichkeit seine Ideen am Rechner aufzunehmen und den anderen vorm Proben zu schicken. Das spart Zeit. Das ist was sich geändert hat. Die Zeit für die Musik. Da alle arbeiten und Familie haben muss man die Zeit effektiver nutzen. Früher haben wir 3-4 mal die Woche geprobt und dabei jedes mal die Kiste Bier alle gemacht. Es entstanden alle Ideen beim Proben und man konnte nichts aufnehmen. Jetzt legt man sein Smartphone hin und nimmt auf. Die Qualität ist besser als eine damalige Vierspuraufnahme in einem Demostudio, die ein paar hundert Mark gekostet hat. Beides hat vor und Nachteile.
Viele Bands setzen heute auf Perfektion. Ihr geht bewusst einen anderen Weg. Ist das auch eine Haltung gegen den aktuellen Musikmarkt?
Musik ist für mich Gefühl. Angst, Wut oder Verzweiflung o.Ä. Perfektion vermittelt mir kein Gefühl. Wenn ich eine Band live sehe, die ihr Material intensiv rüberbringt und ich Gänsehaut bekomme, interessiert Perfektion nicht, das hindert eher. Wir sind so wir sind. Wir sind nicht die krassesten Musiker und habe auch nicht die krasseste Produktion. Es sollte so wie KOMHAWK klingen. Das was wir machen finden wir gut so wie es ist. Das ist wichtig.
Wie fühlt es sich an, die alten Songs heute wieder zu spielen und sie neben neues Material zu stellen?
Komisch ist es Texte nach sehr langer Zeit zu singen, die man mit 20 geschrieben hat. Man erkennt sein eigens ich mit 20 und dessen Sicht auf die Welt. Erschreckend ist es dann zu merken, dass Texte wie Sick Society, No Hope For Tomorrow und Thirst for power noch immer so treffend in die Realität passen. Die alten Songs, nicht alle, aber die meisten machen noch richtig Spaß zu spielen. Die neuen Songs sind vom Arrangement her anders, aber vom Ausdruck und der Energie passt das gut zusammen. Es ergibt eine gute Mischung, die neuen und alten Songs im Set zu haben.
Was sind eure konkreten Pläne für die kommenden Monate. Bleibt es bei einzelnen Shows oder denkt ihr größer?
Wir würden uns freuen, wenn wir Leute erreichen, die die Platte hören und das uns die Möglichkeit gibt live zu spielen. Wir haben sehr viel Bock live zu spielen, wissen aber sehr genau, dass wie keine 20 sind oder irgendwelche Musikerträume leben wollen. Es hängt davon was möglich sein wird. Wir sind auf alle Fälle bereit. Vielen Dank für dein Interesse an uns.
Vielen Dank für euer Vertrauen und die Offenheit in diesem Gespräch. „Doomsday for Democracy“ ist kein bequemes Album, sondern eines mit klarer Haltung und spürbarer Energie. Genau das macht es relevant. Wir wünschen euch eine starke Veröffentlichung, intensive Reaktionen und vor allem viele laute, ehrliche Konzerte auf eurem weiteren Weg.
Interview by CK

