Achim Erz Debütalbum – Beruflich und Privat

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Die (wirklich) wichtigen Dinge des Lebens
Beatles oder Stones? Das war mal eine wichtige Positionierungsfrage. Heutzutage scheint die gewichtigere Entscheidung zu sein, ob es zu Penny oder zu Lidl geht, die dringliche Frage, wann (endlich) eine zweite Kasse öffnet. Zumindest wenn man sich in die Welt des Achim Erz begibt, der sich wie viele seiner Generation einst aufmachte, um den vermutet wichtigen Dingen des Lebens nachzuspüren und sich vermehrt umgeben fühlt von einer resignierenden Umwelt. Knapp 25 Jahre ist es her, daß Achim Erz München verließ, um in Hamburg der Hamburger Schule nachzuspüren. Quasi von hier auf jetzt landete er dabei in Bernd Begemanns sich gerade formierender Band Die Befreiung, deren Namen auch für eine Emanzipation der Enge der eigenen Jugend stehen könnte. Jetzt gibt Achim Erz mit seinem ersten Album „Beruflich und Privat“ einen Einblick in die Welt seiner Gedanken.

Obwohl der Albumtitel ein geradezu allumfassendes Spektrum eröffnet, geht es Achim Erz eher um die Details des Lebens, die Beobachtungen, das darüber Nachsinnieren, ohne wirklich eine Antwort finden zu wollen. Den Titel wählte er zunächst, „weil er einfach sehr gut klingt“. Ein Aspekt, der auch in der Musik steckt, in der er dem Kosmos der schon als Jugendlicher verehrten Songwritern wie Dylan, Cohen oder Cat Stevens nachspürt. Seine Liebe gilt aber auch genauso der kompositorischen Schönheit und orchestralen Raffinesse von Prefab Sprout und The Divine Comedy. Und niemals wird er müde, rastlos und leidenschaftlich das Electric Light Orchestra zu verteidigen. Gegen all die Nüchternheit und Phantasielosigkeit, die Erz außerhalb seiner musikalischen und textlichen Welt wiederfindet.

„Denken fällt mir leichter als zu fühlen“ singt er im Lied „Mehr als du gibst“. Und so denkt er sich auch durch die Gefühlswelten einer scheinbar emotionslosen Gesellschaft, auf der Suche nach dem was seine Mitmenschen noch berührt. Was sagt der Siegeszug des mit Händen geformten Herzens über unsere heutige Welt aus? Liebesbriefe wurden abgelöst durch real life Emojis von „Menschen, die mit Händen Herzen formen“ für eine Instagram-taugliche Gefühlsperformance. Doch ist es so? Warum macht man es sich so schwer? Wir wissen es nicht. So wie Kunst erst dann interessant wird, wenn wir vor etwas stehen, dass wir nicht gleich erklären können. Achim Erz spürt auf seinem ersten Soloalbum diesen Fragen nach, schaut was von einem einst bohémehaften Lebensentwurf seiner Generation übrig blieb.

Bild: Achim Erz © Alexander Hegener

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