
ALICE begeistert den Rosengarten Mannheim mit „Viaggio in Italia“
Beitrag teilen
Ein paar Töne reichen. „Per Elisa“ gehört zu jenen Songs, die selbst Jahrzehnte später sofort wiedererkannt werden. 1981 gewann ALICE damit das Festival di Sanremo und legte den Grundstein für ihre internationale Karriere. Am 3. Oktober 2019 stand die italienische Sängerin im Rosengarten Mannheim auf der Bühne. Doch wer an diesem Abend lediglich auf den großen Hit wartete, bekam sehr viel mehr.
Mit ihrer „Viaggio in Italia“-Tour widmete sich ALICE der italienischen Liedermacherkultur und Künstlern, die sie selbst über viele Jahre musikalisch begleitet und geprägt haben.
Eine Reise durch Italien. Ohne Mannheim verlassen zu müssen.
„Viaggio in Italia“ ist eine Reise durch italienische Musikgeschichte
Das Konzept des Abends ging deutlich über ein klassisches Best-of-Konzert hinaus. ALICE stellte ihre eigene Karriere nicht permanent in den Mittelpunkt, sondern richtete den Blick auf bedeutende italienische Cantautori und Komponisten.
Namen wie Franco Battiato, Lucio Dalla, Fabrizio De André, Francesco De Gregori, Giorgio Gaber und Giuni Russo standen für unterschiedliche Kapitel italienischer Musikgeschichte.
ALICE machte sich deren Songs zu eigen.
Keine bloßen Coverversionen, kein schnelles Abspielen bekannter Melodien. Sie interpretierte das Material mit ihrer charakteristischen Stimme und gab vielen Stücken eine neue Färbung.
Mal melancholisch. Mal fast zerbrechlich.
Dann wieder mit überraschender Kraft.
Eine Stimme, die den Rosengarten ausfüllt
Große Showeffekte brauchte dieser Abend nicht.
ALICE setzte auf ihre Stimme.
Gerade im Rosengarten funktionierte das hervorragend. Die musikalischen Arrangements ließen genügend Raum für leise Passagen, bevor die Band wieder mehr Druck entwickelte. ALICE stand dabei konzentriert im Mittelpunkt und ließ die Songs für sich arbeiten.
Ihre Stimme hatte nichts von ihrer Wiedererkennbarkeit verloren. Dieses dunkle, manchmal fast geheimnisvolle Timbre war sofort da.
Und das Publikum hörte zu.
Es waren gerade die ruhigeren Momente, die hängen blieben. Kein permanentes Klatschen, kein Konzert, das alle paar Minuten den nächsten großen Effekt brauchte. Manche Stücke verlangten Aufmerksamkeit und bekamen sie auch.
Franco Battiato nimmt einen besonderen Platz ein
Eine zentrale Rolle spielte die Musik von Franco Battiato.
Die Verbindung zwischen Battiato und ALICE reicht weit zurück. Er prägte entscheidende Phasen ihrer Karriere und arbeitete mit ihr an Songs, die später zu wichtigen Titeln ihres Repertoires wurden.
Diese musikalische Nähe war auch in Mannheim zu spüren.
ALICE behandelte Battiatos Kompositionen nicht wie fremdes Material. Vielmehr wirkten sie wie ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer eigenen musikalischen Geschichte.
Gerade darin lag die Stärke des Programms. „Viaggio in Italia“ blickte nicht von außen auf italienische Musikgeschichte. Hier sang eine Künstlerin Songs von Musikern, mit denen sie teilweise selbst eng verbunden war.
Das machte einen Unterschied.
Von Fabrizio De André bis Lucio Dalla
Auch andere große Namen der italienischen Musik fanden ihren Platz.
Mit Stücken von Fabrizio De André oder Lucio Dalla bewegte sich ALICE durch unterschiedliche Stimmungen und Jahrzehnte. Bekannte Kompositionen bekamen durch ihre Interpretation einen eigenen Charakter.
Manche Melodien waren dem Publikum sofort vertraut.
Andere musste man vielleicht erst entdecken.
Gerade diese Mischung machte den Abend interessant. Wer ausschließlich wegen „Per Elisa“ gekommen war, bekam nebenbei einen ziemlich umfangreichen Streifzug durch die italienische Songkultur serviert.
Und der funktionierte auch ohne Italienischkenntnisse.
Emotionen brauchen manchmal keine Übersetzung.
Dann kommt „Per Elisa“
Natürlich gab es diesen einen Moment, auf den viele gewartet hatten.
„Per Elisa“.
Der Song, mit dem ALICE 1981 beim Festival di Sanremo gewann, gehört bis heute untrennbar zu ihrer Karriere. Sobald die vertrauten Töne erklangen, veränderte sich die Reaktion im Rosengarten spürbar.
Jetzt war die Erinnerung da.
Für manche Besucher dürfte der Song ein direkter Sprung zurück in die frühen 80er gewesen sein. Andere kannten ihn vielleicht erst aus späteren Jahren. Der Effekt blieb derselbe: Der Applaus wurde lauter, und plötzlich war aus dem konzentrierten Zuhören für einige Minuten ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten geworden.
ALICE spielte diesen Trumpf allerdings nicht zu früh aus. Gut so.
Denn dadurch blieb „Per Elisa“ ein Höhepunkt des Abends und wurde nicht zum einzigen Grund für das Konzert.
ALICE braucht keine Nostalgieshow
Nach mehreren Jahrzehnten Karriere könnte man problemlos eine Tour aufbauen, die ausschließlich von Erinnerungen lebt.
ALICE entschied sich mit „Viaggio in Italia“ für den interessanteren Weg.
Sie verband eigene Musik mit den Werken bedeutender italienischer Künstler und machte daraus einen Abend, der gleichzeitig persönlich und musikalisch weit gefasst war. Die Vergangenheit war überall präsent, wirkte aber nicht wie ein Museum.
Im Rosengarten Mannheim zeigte sich eine Sängerin, die ihre großen Erfolge kennt, sich davon aber nicht einengen lässt.
Am Ende blieb deshalb weit mehr als „Per Elisa“.
Text & Foto © by Boris Korpak | bokopictures














