Andrea Berg live auf der Mosaik Tour 2020 in der SAP Arena Mannheim

Andrea Berg in Mannheim: Zwischen Himmelbett und Sternenflug

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Am 25. Januar 2020 brachte Andrea Berg ihre „MOSAIK Live“-Arena-Tour in die SAP Arena Mannheim. Und klein dachte diese Show nun wirklich nicht. Laut offizieller Hall-of-Fame der SAP Arena kamen 6.500 Besucher. Was sie an diesem Samstagabend zu sehen bekamen, lag irgendwo zwischen Schlagerkonzert, Fantasiereise und großer Bühnenshow: ein fliegendes Himmelbett, Tänzer, riesige Projektionen, Laser, ein Astronaut und mittendrin eine Andrea Berg, die trotz all dieser Technik immer wieder den direkten Weg zu ihren Fans suchte.

Die Tour war Ende November 2019 mit zwei Shows in Stuttgart gestartet, Mannheim gehörte zu insgesamt 31 angekündigten Stationen. Andrea Berg in Mannheim war dabei ein gutes Beispiel dafür, warum ihre Konzerte seit Jahren weit über das reine Abspielen bekannter Schlager hinausgehen.

Ein Himmelbett hebt in der SAP Arena ab

Der Anfang hatte etwas herrlich Überzogenes.

Auf der Vorbühne stand ein Himmelbett. Tänzerinnen erschienen mit großen, bunten Ballonsträußen, Andrea Berg saß schließlich auf der Bettkante und erzählte von Träumen und Erinnerungen. Das Bett schien sich aus der Realität der Arena zu verabschieden, während auf den großen Projektionsflächen Fantasiewelten entstanden.

Kurz darauf stand Berg mit wilder Mähne, goldenen Gladiatorenstiefeln und grünem Kleid auf der Bühne. Stillstehen war offenbar nicht vorgesehen.

Sie lief über die weitläufige Konstruktion, wechselte zwischen Haupt- und Vorbühne und ließ ihre Tänzer um sich herumwirbeln. Das alles hätte leicht zu viel werden können. Tat es aber nur selten, weil hinter den Bildern immer noch die Songs standen.

„Unendlichkeit“, „Lust auf pures Leben“ oder „Märchenschloss“ passten gut in diese Welt. Das Album „Mosaik“, das im April 2019 erschienen war, bildete erwartungsgemäß einen Schwerpunkt der Show.

Bei „Geh deinen Weg“ wird es plötzlich persönlich

Andrea Berg kann eine Arena zur Party machen. Interessanter wird es aber oft, wenn sie genau das für ein paar Minuten nicht tut.

„Geh deinen Weg“, ihrer Tochter gewidmet, gehörte zu diesen Momenten. Die große Bühne trat gefühlt ein Stück zurück. Gleiches galt für „Sternenträumer“, bei dem die Erinnerung an ihren verstorbenen Vater mitschwang.

Das Publikum hörte anders zu.

Eben noch wurde geklatscht und getanzt, jetzt blieben viele einfach stehen und ließen den Song wirken. Diese Wechsel beherrscht Berg ziemlich gut. Sie kann innerhalb weniger Minuten von sehr persönlichen Familiengeschichten zu einem Refrain wechseln, bei dem wieder Tausende Arme oben sind.

Und dann wäre da noch ihre ganz eigene Vorstellung von Fannähe.

Bei „Wenn du mich willst, dann küss mich doch“ und „Du kannst noch nicht mal richtig lügen“ holte sie Fans zu sich auf die Bühne. Küsschen inklusive. Keine Distanz, kein unnahbarer Superstar auf einem Podest zehn Meter entfernt.

„Hallo Houston“ schickt Andrea Berg ins All

Nach der Pause änderte sich das Bild komplett.

Aus Fantasiewelt wurde Weltraum. Ein riesiger Astronaut tauchte auf der Bühne auf, Andrea Berg wechselte ins Space-Outfit und mit „Hallo Houston“ begann der zweite Teil. Der Song war bereits im Herbst 2019 als musikalischer Countdown für die Arena-Tour vorgestellt worden.

Jetzt durfte die Produktion richtig aufdrehen.

Laser schnitten durch die Halle, die großen LED-Flächen wechselten permanent ihre Bildwelten, und zwischen „Ich schieß dich auf den Mond“, „Schenk mir einen Stern“ und „Die geheimen Träumer“ bekam das Thema Weltraum reichlich Futter.

Manchmal konnte man kaum entscheiden, wo man zuerst hinschauen sollte.

430 Scheinwerfer, große LED-Flächen und aufwendige Spezialeffekte steckten nach Angaben der Produktion in der Show. Aber die beste Technik nutzt wenig, wenn vorne niemand den Raum halten kann. Berg konnte das. Auch in einem goldfarbenen Korsagen-Outfit vor einem riesigen Astronauten.

Von „Tango Amore“ bis „Du hast mich tausendmal belogen“

Irgendwann musste natürlich Schluss sein mit Weltraum.

Dann kamen die Hits.

„Tango Amore“, „Die Gefühle haben Schweigepflicht“, „Ja, ich will“ und natürlich „Du hast mich tausendmal belogen“ brauchten keine besondere Einladung. Die SAP Arena sang mit, teilweise ziemlich laut.

Auch „Griechischer Wein“ und „Somewhere Over the Rainbow“ fanden ihren Platz in diesem langen Programm. Das Interessante daran war weniger die stilistische Logik. Die gab es nicht immer. Aber genau dieses Durcheinander aus Schlager, Ballade, Cover, Fantasie und Party gehörte zum Konzept.

Andrea Berg hatte nie vor, einen zurückhaltenden Konzertabend zu spielen.

Hinter der Bühne beginnt der nächste Konzerttag schon

Spannend wurde es auch nach beziehungsweise abseits der Show. Veranstalter Klaus Leutgeb nahm sich Zeit, uns Fotografen einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und über den Aufwand der Tour zu sprechen.

Rund 14 Monate war an der Produktion gearbeitet worden. Etwa 120 Menschen waren pro Show im Einsatz, nach Konzertende ging es mit vier Nightlinern weiter zur nächsten Stadt.

Während vorne also noch die letzten Fans Richtung Ausgang liefen, begann hinten längst der Abbau.

Das verändert den Blick auf solch einen Abend ein wenig. Das Himmelbett, der Astronaut, die riesigen LED-Flächen, Kostüme und Laser wirken für drei Stunden beinahe selbstverständlich. Danach muss alles wieder verschwinden, verladen werden und in der nächsten Arena erneut stehen.

Ganz am Ende kehrte das Himmelbett noch einmal zurück.

Andrea Berg saß dort, wo diese Reise begonnen hatte, und sang die Balladenversion von „Mosaik“. Kein Astronaut mehr. Kein hektischer Bilderwechsel. Nach all dem Feuer, Gold und Weltraum blieb plötzlich wieder nur die Sängerin auf der Bettkante. Das war fast der stärkere Effekt.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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