
Bosse in Wiesbaden: Ein Abend, der ständig in Bewegung bleibt
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Am 24. Januar 2020 machte Bosse mit seiner „Alles ist jetzt“-Tour erstmals im Schlachthof Wiesbaden Station. Die große Halle war ausverkauft, und lange dauerte es nicht, bis aus einem normalen Freitagabend ein ziemlich bewegtes Popkonzert wurde. Bosse in Wiesbaden bedeutete an diesem Abend vor allem eines: tanzen. Axel „Aki“ Bosse selbst machte auf der Bühne vor, wie das geht. Stillstand gehört offensichtlich nicht zu seinen bevorzugten Beschäftigungen.
Als Support war die Berliner Musikerin Valentine dabei. Bosse überließ ihre Vorstellung nicht einfach einer Ansage vom Band, sondern kam selbst mit ihr auf die Bühne. Eine kleine Geste, die gut zu einem Abend passte, an dem das Verhältnis zwischen Hauptact, Band und Publikum angenehm unkompliziert wirkte.
Bosse braucht im Schlachthof keine lange Anlaufzeit
Sobald Bosse mit seiner Band loslegte, kam Bewegung in die Halle. Nicht nur vorne.
Er lief über die Bühne, sprang, tanzte und suchte immer wieder den Blickkontakt zu den ersten Reihen. Dabei wirkte wenig davon wie eine einstudierte Pop-Choreografie. Bosse ist eher der Typ Musiker, der irgendwann so tief im eigenen Song steckt, dass der Körper automatisch mitmacht.
Das Publikum zog mit. Die Texte saßen, die Arme waren oben, und gerade bei den bekannteren Nummern wurde aus dem Schlachthof schnell ein ziemlich großer Chor. Dass das Konzert frühzeitig ausverkauft war, überraschte deshalb kaum.
„Alles ist jetzt“ trifft auf die bekannten Bosse-Songs
Das 2018 veröffentlichte siebte Studioalbum „Alles ist jetzt“ bildete den Ausgangspunkt der Tour. Es war zugleich das erste Bosse-Album, das Platz eins der deutschen Albumcharts erreichte.
Die neuen Stücke mussten sich live aber keineswegs hinter älteren Songs verstecken. Genau das machte den Abend interessant. Bosse kann inzwischen auf eine Karriere zurückblicken, in der sich sehr unterschiedliche Phasen angesammelt haben, vom frühen Gitarrenpop bis zu jenen großen Refrains, bei denen ein ganzer Raum sofort mitsingen kann.
Natürlich warten viele auf „Schönste Zeit“. Oder auf Songs wie „So oder so“ und „Frankfurt/Oder“. Das gehört dazu. Aber Bosse wirkte in Wiesbaden nicht wie ein Musiker, der seine aktuelle Platte möglichst schnell hinter sich bringen will, um danach die sicheren Klassiker auszupacken.
Die neuen Songs hatten ihren Platz.
Zwischen Tanz und klarer Haltung
Ein Bosse-Konzert kann erstaunlich schnell die Richtung wechseln. Eben wird noch ausgelassen getanzt, kurz darauf wird es ruhiger und persönlicher.
Zwischen den Songs nahm sich Bosse Zeit für Geschichten und sprach auch gesellschaftliche Themen an. Dabei ging es unter anderem um zunehmende Gewalt und Extremismus und darum, Haltung zu zeigen. Solche Passagen wirkten nicht wie ein Fremdkörper zwischen zwei Popsongs. Bosse hat politische und gesellschaftliche Beobachtungen längst in seine Musik eingebaut, etwa mit „Mein Osten“, das sich kritisch und gleichzeitig persönlich mit seiner Herkunft auseinandersetzt.
Danach konnte trotzdem wieder getanzt werden.
Vielleicht funktioniert genau dieser Wechsel deshalb so gut. Leichtigkeit und Ernst müssen bei Bosse nicht in getrennten Blöcken stattfinden. Ein Abend darf Spaß machen und trotzdem etwas zu sagen haben.
Bosse in Wiesbaden wird zur gemeinsamen Sache
Am stärksten war das Konzert immer dann, wenn die Grenze zwischen Bühne und Halle kleiner wurde. Bosse sang nicht einfach sein Programm herunter und verschwand anschließend wieder hinter dem Vorhang. Er suchte Reaktionen, redete mit den Menschen und ließ Songs vom Publikum übernehmen.
Und die Halle war bereit dafür.
Das passte zum Schlachthof. Ein Raum dieser Größe ist nah genug, um die kleinen Momente auf der Bühne noch mitzubekommen, aber groß genug, damit ein Refrain mit voller Wucht zurückkommt.
Die „Alles ist jetzt“-Tour führte Bosse im Januar und Februar 2020 durch mehrere deutsche Städte; Wiesbaden war nach Kaiserslautern und Würzburg die dritte Station dieses Tourabschnitts. Im Schlachthof zeigte sich dabei ziemlich deutlich, warum seine Musik sowohl im Club als auch auf großen Festivalbühnen funktioniert: Die Songs können groß werden, ohne dass Bosse selbst dabei unnahbar wirkt.
Ein verschwitztes Shirt, eine Band, die ordentlich Druck macht, und viele Menschen, die auch nach zwei Stunden noch Lust auf Bewegung haben. Mehr musste dieser Freitagabend nicht sein.
Text & Foto © Jan Heesch














