Doro Pesch am 13. Mai 2014 live vor Metal-Fans in der Halle 101 Speyer

Doro in Speyer: Die Metal Queen bringt die Halle 101 zum Beben

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Ein kurzer Blick Richtung Bühne reichte. Als Doro Pesch am 13. Mai 2014 in der Halle 101 auftauchte, ging ein Jubelschrei durch den Raum, noch bevor das Konzert überhaupt richtig begonnen hatte. Knapp 1.000 Metal-Fanswaren an diesem Dienstagabend nach Speyer gekommen, und sie machten ziemlich schnell klar, für wen sie hier standen. Wenige Tage zuvor hatte Doro in Düsseldorf mit zwei großen Jubiläumsshows ihre 30-jährige Karriere gefeiert, jetzt war sie wieder dort, wo ihre Musik besonders direkt funktioniert: dicht vor den Fans, ohne große Entfernung zwischen Bühne und ersten Reihen.

Für mich hatte dieser Abend genau deshalb einen besonderen Reiz. Die Halle 101 Speyer ist keine anonyme Arena, in der eine Band irgendwo weit hinten unter einer gigantischen Lichtanlage verschwindet. Hier sieht man Gesichter, Bewegungen und die kleinen Gesten zwischen den Musikern. Und Doro brauchte an diesem Abend ohnehin keine überladene Produktion. Leder, Mikrofon, diese unverkennbare raue Stimme und eine Band, die vom ersten Moment an Druck machte. Mehr war nicht nötig.

nulldB heizen der Halle 101 ein

Bevor die Metal Queen die Bühne übernahm, gehörte sie zunächst nulldB. Die Würzburger waren für Doro längst keine Unbekannten mehr. Bereits 2013 hatten sie sie auf Tour begleitet und sich offenbar so nachhaltig empfohlen, dass sie auch für die Konzerte im Mai 2014 wieder mitgenommen wurden. Zuvor hatte die Band bereits als Support für Alice Cooper gespielt und beim Wacken Open Air auf der Bühne gestanden. In Speyer eröffneten nulldB mit ihrem deutschsprachigen Metal den Abend und brachten unter anderem „Endzeit“ und „Komm mit mir“ in die Halle.

Das passte. Kein beliebiger Support, den man möglichst schnell hinter sich bringen wollte, sondern eine Band, die dem Hauptact musikalisch genug Härte mitgab und das Publikum bereits auf Betriebstemperatur brachte. Gerade in einer Halle dieser Größe funktioniert so etwas unmittelbar: Wer vorne spielt, bekommt sofort zurück, ob ein Song ankommt. nulldB nutzten ihre Chance, doch spätestens als Doro am Bühnenrand auftauchte, wechselte die Stimmung noch einmal deutlich.

30 Jahre Doro und Warlock zum Greifen nah

2014 stand ganz im Zeichen ihres 30-jährigen Bühnenjubiläums. Erst am 2. und 3. Mai hatte Doro in Düsseldorf zwei große Jubiläumsabende gespielt, darunter eine Classic Night mit Orchester und eine ausverkaufte Rockshow. Nur zehn Tage später ging es in Speyer weiter, anschließend führte die Tour über Wörgl, Regensburg und Memmingen nach London, Paris, Madrid und Barcelona. Der Auftritt in der Halle 101 war damit der Auftakt für einen neuen europäischen Tourblock.

Davon war auf der Bühne allerdings wenig Jubiläumssteifheit zu spüren. Doro behandelte diese 30 Jahre nicht wie eine Ausstellung alter Erfolge. Sie ging nach vorne, suchte den Kontakt zu ihren Fans und hatte diesen Ausdruck im Gesicht, den man bei ihr auch nach unzähligen Konzerten immer wieder sieht: Sie scheint sich über jede Reaktion aus dem Publikum tatsächlich noch zu freuen. Das kann man spielen. Bei ihr wirkt es bis heute nicht gespielt.

Hinter ihr stand 2014 eine eingespielte Mannschaft mit Nick Douglas am Bass, Johnny Dee am Schlagzeug, Bas Maas und Luca Princiotta an den Gitarren sowie Harrison Young an den Keyboards. Genau diese Besetzung begleitete Doro auch auf den weiteren Terminen der Mai-Tour. Gerade aus der Nähe machte das Spaß zu beobachten. Johnny Dee drosch hinten auf sein Kit, die Gitarren schoben von beiden Seiten und Nick Douglas ließ seinen Bass nicht einfach nur irgendwo im Hintergrund laufen. Dazwischen Doro, ständig in Bewegung und immer wieder Richtung Publikum.

„Burning the Witches“ und „All We Are“ gehören einfach dazu

Bei einer 30-jährigen Karriere führt natürlich kein Weg an Warlock vorbei. In Speyer gehörte „Burning the Witches“ zu den Songs des Abends, und damit stand plötzlich ein Stück aus dem Jahr 1984 mitten in der Halle, ohne sich nach historischem Pflichtprogramm anzufühlen. Genau das ist eine der Stärken von Doro: Diese frühen Nummern werden nicht vorsichtig abgestaubt. Sie werden gespielt, als müssten sie sich immer noch jeden Abend neu beweisen.

Auch „We Are the Metalheads“, die gemeinsam mit Skyline entstandene Wacken-Hymne, passte perfekt in diesen Jubiläumsrahmen. Aber spätestens bei „All We Are“ war ohnehin jede Generation im Raum abgeholt. Der Warlock-Klassiker von „Triumph and Agony“ ist einer dieser Songs, bei denen Doro gar nicht mehr jede Zeile alleine singen muss. Das Publikum erledigt einen beträchtlichen Teil der Arbeit. In der kompakten Halle 101 wirkt ein solcher Refrain noch einmal anders, weil der Chor nicht irgendwo aus weit entfernten Rängen kommt, sondern unmittelbar zurück auf die Bühne schlägt. Auch der damalige Speyerer Konzertbericht hebt genau diese drei Titel hervor.

Doro braucht keine große Arena

Was mir bei Doro in Speyer besonders hängen bleibt, ist gerade der Gegensatz zu den beiden großen Jubiläumskonzerten wenige Tage zuvor. Düsseldorf hatte Gäste, Orchester und den großen Rahmen. Speyer hatte eine Rockhalle, knapp 1.000 Menschen und eine Bühne, auf der der Abstand zum Publikum überschaubar blieb. Und plötzlich merkt man wieder, wie gut Doro in genau diesem Umfeld funktioniert.

Sie hatte zu diesem Zeitpunkt längst auf den größten Festivals der Welt gespielt. Sie hätte niemandem mehr beweisen müssen, dass sie eine Bühne beherrscht. Trotzdem wirkte nichts nach Dienstreise. Doro suchte die ersten Reihen, ließ die Leute mitsingen und behandelte die Halle nicht wie einen kleinen Zwischenstopp auf dem Weg zum nächsten großen Festival. Das Publikum gab ihr genau diese Energie zurück.

Am Ende brauchte es deshalb auch keinen komplizierten Schlusspunkt. „All We Are“, hochgereckte Hände und diese raue Stimme reichten. Dreißig Jahre nach den ersten Warlock-Tagen stand Doro Pesch in einer Halle in Speyer und wirkte kein bisschen so, als hätte sie vor, irgendwann leiser zu werden.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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