
Silbermond in Frankfurt: Große Schritte und ganz viel Nähe
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Am 3. Februar 2020 standen Silbermond mit ihrer „Schritte“-Tour in der Festhalle Frankfurt. Rund 7.000 Besucher waren gekommen, und schon vor dem ersten Ton fiel auf: Diese Bühne sollte an diesem Montagabend kein nüchterner Hintergrund bleiben. Blumen, Tiere, Projektionen, ein langer Steg ins Publikum und später sogar eine kleine zweite Bühne mitten in der Halle machten aus der Festhalle einen ziemlich verspielten Kosmos. Einen Support gab es nicht. Dafür zweieinhalb Stunden Silbermond.
Und Stefanie Kloß hatte offensichtlich vor, jeden Winkel davon zu benutzen.
Silbermond beginnen mit „Was Freiheit ist“
Mit „Was Freiheit ist“ startete die Show zunächst vergleichsweise ruhig. Danach kamen „Silbermond“, „Lass mal“ und „Zeit zu tanzen“. Spätestens da war die anfängliche Zurückhaltung weg. Die Band aus Bautzen musste ihr Publikum ohnehin kaum überzeugen. Viele der alten Texte saßen noch genauso sicher wie die Songs vom damals gerade drei Monate alten Album „Schritte“, das 2019 auf Platz eins der deutschen Albumcharts eingestiegen war.
Silbermond gehören zu diesen Bands, bei denen ein Konzert schnell persönlich wird. Nicht, weil ständig große Geschichten erzählt werden müssen. Es reicht oft schon, wie Stefanie Kloß mit den ersten Reihen kommuniziert, jemanden anschaut oder mitten im Song auf eine Reaktion aus dem Publikum eingeht.
Still auf der Bühne stehen kann sie sowieso nicht besonders gut.
Bei „Schritte“ rückte dann die neue Lebensphase der Band stärker in den Vordergrund. Auf den Videoflächen waren unter anderem die ersten Schritte ihres Sohnes zu sehen. Kurz darauf wurde es mit „B 96“ und „Mein Osten“ noch persönlicher. Beide Songs führen zurück in die Heimat der Band, nach Sachsen und in jene ostdeutsche Lebenswirklichkeit, mit der sich Silbermond immer wieder auseinandersetzen.
Von „B 96“ bis „Krieger des Lichts“
Gerade dieser Mittelteil zeigte, warum „Schritte“ live gut zwischen die älteren Stücke passte. Da standen neue Songs nicht wie ein Pflichtprogramm zwischen den Hits. „Träum ja nur (Hippies)“ funktionierte neben „Meer sein“ und „Krieger des Lichts“, ohne dass die Halle plötzlich in zwei Publikumsgruppen zerfiel.
Dann wurde es kleiner.
Für „Für Amy“ wechselte die Band auf die B-Stage mitten im Publikum. Dort folgte „Das Beste“. Viel näher kann man einen solchen Song in einer Festhalle kaum spielen. Keine große Distanz, kein riesiger Bühnenaufbau dazwischen. Nur ein paar Meter und Tausende Menschen, die den Text längst übernommen hatten.
Bei Silbermond darf das ruhig sentimental werden.
Sie tun auch nicht so, als wäre es ihnen peinlich.
Moses Pelham kommt für „Meine Heimat“ durchs Publikum
Der besondere Gast des Abends musste sich seinen Weg zur Bühne erst einmal bahnen.
Moses Pelham kam aus dem Publikum und sang gemeinsam mit Stefanie Kloß „Meine Heimat“. Der Song stammt ursprünglich aus der „Sing meinen Song“-Version von Lena Meyer-Landrut und bekam in Frankfurt natürlich noch einmal eine andere Bedeutung. Ein Frankfurter auf der Bühne der Festhalle, dazu Silbermond. Das Publikum hatte den Gast schnell erkannt.
Solche Überraschungen funktionieren vor allem dann, wenn sie nicht zwanzig Minuten lang angekündigt werden.
Pelham war plötzlich da.
Song gespielt. Halle laut.
Weiter.
Mit „Leichtes Gepäck“ folgte einer der größten Silbermond-Hits der jüngeren Jahre, danach ging es mit „Durch die Nacht“ und „Symphonie“ weit zurück in die Anfangszeit der Band. Für manche im Publikum dürfte genau hier die persönliche Zeitreise begonnen haben. 2004, erstes Album, erste große Konzerte. Inzwischen standen dieselben vier Musiker noch immer gemeinsam auf der Bühne.
Stefanie Kloß geht auf Tuchfühlung mit Frankfurt
Nähe zum Publikum wird bei Konzerten gerne behauptet. Stefanie Kloß nahm das an diesem Abend ziemlich wörtlich.
Sie bewegte sich über den langen Laufsteg, ging durch die Menge, kletterte vom Rang herunter und ließ sich bei „Luftschloss“ rücklings über den Köpfen der Fans tragen. Crowdsurfing in der Festhalle. Bei einer deutschen Poprock-Band. Warum eigentlich nicht?
Gerade diese Momente nahmen der großen Produktion etwas von ihrer Perfektion. Gut so. Ein Konzert darf ruhig einmal aussehen, als könnte im nächsten Augenblick etwas anders laufen als geplant.
Zum Zugabenblock wurde es wieder emotionaler. „Bestes Leben“ führte Kloß noch einmal durchs Publikum, danach folgte „In meiner Erinnerung“. Mit „Ein schöner Schluss“ endete die Show schließlich nach rund zweieinhalb Stunden. Über der Festhalle schwebten Lichter, auf der Bühne wurde es ruhiger.
Text & Foto © Jan Heesch














