Beatrice Egli am 21. Dezember 2014 bei ihrer Pure-Lebensfreude-Tour im Rosengarten Mannheim

Beatrice Egli in Mannheim: Pure Lebensfreude kurz vor Weihnachten

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Erst war da nur ihr Schatten. Hinter einem weißen Vorhang zeichnete sich Beatrice Egli ab, während im nahezu ausverkauften Mozartsaal die Spannung hochging und der Countdown herunterzählte. Kurz nach 20 Uhr fiel der Vorhang, das Licht wechselte und mit „Auf die Plätze, fertig, ins Glück!“ ging es ohne Umwege los. Am 21. Dezember 2014 machte die Schweizer Sängerin mit ihrer „Pure Lebensfreude“-Tour im Rosengarten Station. Zwei Stunden vorweihnachtliche Schlagerparty, nur drei Tage vor Heiligabend.

Vor meiner Kamera war sofort Bewegung. Beatrice stand kaum still, suchte immer wieder den Blick in die ersten Reihen und hatte dieses breite Lachen im Gesicht, das damals längst zu ihrem Markenzeichen geworden war. Gerade einmal anderthalb Jahre nach ihrem Sieg bei „Deutschland sucht den Superstar“ hatte sie sich von der Castinggewinnerin zur erfolgreichen Schlagersängerin entwickelt. An diesem Abend musste sie jedenfalls niemandem mehr erklären, warum die Menschen gekommen waren.

Mit „Auf die Plätze, fertig, ins Glück!“ geht es sofort los

Der Auftakt passte zu Beatrice Egli. Keine lange Ballade zum Einfinden, sondern Tempo. „Auf die Plätze, fertig, ins Glück!“ war die erste Single ihres im Oktober erschienenen Albums „Bis hierher und viel weiter“ und brachte den Mozartsaal sofort auf Betriebstemperatur. Das Publikum kannte den Song, die Hände gingen hoch und aus einem bestuhlten Konzertsaal wurde ziemlich schnell eine Schlagerparty.

Genau diese Energie trug Beatrice durch den Abend. Sie wirkte nicht wie eine Sängerin, die möglichst konzentriert ihre Positionen abläuft. Vielmehr war ständig Bewegung drin. Ein paar Schritte nach links, wieder zurück, Kontakt mit den Fans, lachen, weiter. Das mag auf einer großen Bühne selbstverständlich aussehen. Aus der Nähe merkt man aber schnell, wie viel Präsenz nötig ist, um einen ganzen Saal über fast zwei Stunden mitzunehmen.

„Bis hierher und viel weiter“ zeigt die neue Beatrice Egli

Die Tour hieß zwar weiterhin „Pure Lebensfreude“, musikalisch war Beatrice Ende 2014 schon einen Schritt weiter. Am 24. Oktober war „Bis hierher und viel weiter“ erschienen, ihr erstes Album nach der Trennung von Produzent Dieter Bohlen. Damit begann eine Phase, in der sie musikalisch stärker ihre eigene Richtung suchte. Das Album erreichte Platz eins in der Schweiz sowie Platz drei in Deutschland und Österreich.

Neben dem Auftaktsong gehörte auch „Wir leben laut“ zu dieser neuen Phase. Der Titel passte ziemlich gut zu dem, was im Rosengarten passierte. Beatrice setzte auf modernen Popschlager, große Refrains und Songs, bei denen das Publikum kaum lange überlegen musste, ob es mitklatschen sollte. Dazwischen stand natürlich die Musik, mit der ihre Karriere gerade erst richtig ins Rollen gekommen war. „Mein Herz“, „Irgendwann“ und die Songs aus der „Pure Lebensfreude“-Zeit waren für viele im Saal längst fest mit ihrem Aufstieg verbunden.

Der Rosengarten wird zur Schlagerparty

Was mir an diesem Abend auffiel, war die Nähe zum Publikum. Beatrice war zu diesem Zeitpunkt bereits regelmäßig in großen Fernsehshows zu sehen und spielte auf immer größeren Bühnen, wirkte im Rosengarten aber keineswegs unnahbar. Sie redete mit den Fans, ließ Reaktionen zu und hatte sichtbar Spaß daran, wenn aus den Sitzreihen plötzlich Bewegung kam.

Beim Fotografieren entstanden deshalb weniger die klassischen statischen Sängerbilder. Beatrice gab einem ständig neue Situationen: ein Lachen, eine ausgestreckte Hand, Haare in Bewegung, dann wieder ein konzentrierter Moment am Mikrofon. Gerade ihre Mimik transportierte viel. Wenn sie sich über die Reaktionen aus dem Saal freute, musste man nicht rätseln, ob das gerade zur Choreografie gehörte.

Und der Zeitpunkt passte. Vierter Advent, Mannheim voller Weihnachtsbeleuchtung und drinnen ein Programm, das mit Besinnlichkeit nur gelegentlich etwas anfangen konnte. Die Leute wollten feiern. Beatrice auch.

Vom DSDS-Sieg zur eigenen großen Tour

Dass diese Karriere so schnell Fahrt aufgenommen hatte, war 2014 immer noch bemerkenswert. Im Mai 2013 hatte Beatrice Egli die zehnte Staffel von DSDS gewonnen. Es folgten „Mein Herz“, das Album „Glücksgefühle“, wenig später „Pure Lebensfreude“ und schließlich schon 2014 das nächste Album. Die „Pure Lebensfreude“-Tour führte sie ab November durch Deutschland, später weiter nach Österreich und in ihre Schweizer Heimat. Mannheim war der letzte Tourtermin vor der Weihnachtspause; im Januar 2015 ging es unter anderem in Bochum, Offenbach, Linz und Wien weiter.

Auf der Bühne war von einer vorsichtigen Newcomerin allerdings wenig übrig. Beatrice hatte ihre Rolle gefunden. Schlager durfte bei ihr jung aussehen, durfte Pop sein und vor allem durfte er Spaß machen. Sie sprang über die Bühne, hielt die Stimmung oben und machte aus dem Konzert keinen steifen Präsentationsabend für das neue Album.

Nach zwei Stunden ist noch nicht Schluss

Gegen 22 Uhr endete die Show. Zumindest auf der Bühne. Denn während viele Künstler nach dem letzten Song direkt verschwinden, nahm sich Beatrice anschließend noch Zeit für ihre Fans. Wer wollte, konnte auf ein Autogramm warten. Gerade nach einem fast zweistündigen Konzert ist das keine Kleinigkeit und passte zu dem Eindruck, den sie während der Show vermittelt hatte: Nähe war an diesem Abend kein Werbespruch.

Für mich blieb vor allem der Beginn hängen. Dieser Schatten hinter dem weißen Vorhang, der Countdown und dann plötzlich Beatrice Egli mitten im Licht. Zwei Stunden später war der Mozartsaal einmal komplett durchgeschüttelt.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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