
Alexander Herrmann in Mannheim: Kochen trifft Comedy
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Am 4. Februar 2020 roch es im Capitol Mannheim nicht nur nach Theaterluft. Töpfe, Pfannen und Zutaten gehörten an diesem Dienstagabend genauso zur Ausstattung wie Mikrofon und Bühnenlicht. Alexander Herrmann machte mit seinem Programm „Schnell mal was Gutes“ Station in Mannheim und verband dabei Kochshow mit Stand-up, Geschichten aus seinem Berufsleben und reichlich Kontakt zum Publikum. Alexander Herrmann in Mannheim war deshalb weder klassischer Kochkurs noch gewöhnlicher Comedyabend.
Herrmann kochte tatsächlich. Aber wer gehofft hatte, drei Stunden lang konzentriert Rezepturen mitzuschreiben, musste schnell umdenken. Zwischen Herd und Arbeitsfläche blieb genügend Zeit für Seitenhiebe, Anekdoten und spontane Reaktionen. Und wenn etwas auf der Bühne nicht ganz nach Plan lief, war das häufig interessanter als jede perfekt vorbereitete Pointe.
Alexander Herrmann macht aus Kochen eine Bühnenshow
Das Konzept von „Schnell mal was Gutes“ ist bewusst einfach angelegt: Gerichte sollen ohne stundenlange Vorbereitung funktionieren, trotzdem aber nicht nach schneller Verlegenheitsküche schmecken. Die Idee geht auf Herrmanns gleichnamiges Kochbuch zurück, das 2018 erschien und Rezepte für den Feierabend in den Mittelpunkt stellt.
Auf der Bühne bekam dieser Ansatz allerdings eine andere Dynamik.
Herrmann erklärte nicht einfach, welche Zutat wann in welche Pfanne gehört. Er erzählte, kommentierte und sprang zwischen Küchenpraxis und Unterhaltung hin und her. Mal ging es um kleine Kniffe beim Abschmecken, dann wieder um Situationen aus dem Alltag eines Fernsehkochs.
Der Herd blieb Mittelpunkt. Aber eben nicht allein.
Gerade das machte den Abend im Capitol angenehm zugänglich. Man musste weder Hobbykoch mit perfekt sortiertem Gewürzregal sein noch wissen, was bei welcher Temperatur mit einem Stück Fleisch passiert. Wer gern kocht, bekam Ideen. Wer lieber nur isst, hatte ebenfalls seinen Spaß.
Im Capitol dürfen Zuschauer selbst an den Herd
Herrmann hielt Abstand zum Publikum nur dort, wo heiße Pfannen es vermutlich sinnvoll machten.
Ansonsten holte er immer wieder Zuschauer auf die Bühne. Es wurde probiert, abgeschmeckt und teilweise direkt mitgearbeitet. Dass dieser Publikumsanteil fest zum Programm gehörte, war für die Tour ausdrücklich vorgesehen. Trotzdem entsteht dabei jedes Mal etwas anderes. Schließlich lässt sich ein freiwilliger Hobbykoch aus Reihe fünf nur begrenzt choreografieren.
Und genau hier wurde der Abend am lockersten.
Herrmann konnte reagieren, korrigieren und sich auch einmal über eine Antwort freuen, die mit professioneller Küchenlogik wenig zu tun hatte. Statt jemanden vorzuführen, nahm er solche Situationen auf und spielte damit weiter.
Das Publikum bekam dadurch keinen Sternekoch hinter einer unsichtbaren Grenze zu sehen. Der Mann am Herd wirkte greifbarer. Kochjacken-Ehrfurcht war nicht vorgesehen.
Zwei Michelin-Sterne, aber keine Sterneküche zum Fürchten
Dass Herrmann fachlich nicht nur aus dem Fernsehen kommt, stand 2020 außer Frage. Das Restaurant „Alexander Herrmann by Tobias Bätz“ in Wirsberg war im Guide Michelin 2019 neu mit zwei Sternen ausgezeichnet worden.
Auf der Capitol-Bühne ging es trotzdem nicht darum, ein aufwendiges Gourmetmenü unter Laborbedingungen nachzubauen.
Der interessantere Teil waren die kleinen Handgriffe. Wie bekommt man mehr Geschmack in ein Gericht? Wann lohnt sich Aufwand wirklich? Und wo kann man sich eine Abkürzung erlauben, ohne dass das Ergebnis darunter leidet?
Herrmann vermittelte solche Dinge ohne Küchenlatein-Dauerfeuer. Wer etwas mitnehmen wollte, konnte das. Wer gerade noch über die vorherige Geschichte lachte, musste keine Angst haben, dadurch den entscheidenden Arbeitsschritt verpasst zu haben.
Die Mischung war bewusst unordentlich.
Das passte.
Wenn der Fernsehkoch plötzlich zum Entertainer wird
Viele Zuschauer kennen Alexander Herrmann aus Formaten wie „The Taste“ oder „Die Küchenschlacht“. Die Live-Bühne funktioniert allerdings anders. Es gibt keinen Schnitt, keine zweite Aufnahme und keinen Moderator, der bei Bedarf zum nächsten Programmpunkt führt.
Herrmann musste den Abend selbst tragen.
Über mehr als drei Stunden verband die Tour Kochen und Unterhaltung miteinander. Dabei zeigte sich schnell, dass er sich nicht hinter einer Arbeitsplatte versteckt. Er bewegt sich viel, erzählt mit Händen und Gesicht und lässt sich Zeit für die Reaktionen aus dem Saal.
Das Capitol ist für ein solches Format ohnehin geeigneter als eine riesige Arena. Man sieht, was am Herd passiert, bekommt die kleinen Reaktionen mit und hört auch jene Bemerkungen, die in einer großen Halle wahrscheinlich verloren gingen.
Und irgendwann merkt man, dass das Essen fast nur die Hälfte des Programms ist.
„Schnell mal was Gutes“ funktioniert auch ohne Kochschürze
Der vielleicht größte Vorteil dieser Show: Niemand musste danach zwingend nach Hause fahren und das komplette Menü nachkochen.
Ein paar Ideen blieben trotzdem hängen. Ebenso der Eindruck, dass gute Küche nicht automatisch kompliziert sein muss. Das gleichnamige Kochbuch setzt genau auf diese alltagstaugliche Richtung und versammelt Gerichte, die mit überschaubarem Zeitaufwand funktionieren sollen.
Im Capitol kam noch etwas dazu, das kein Rezept vermitteln kann: Timing.
Nicht beim Garen. Beim Erzählen.
Herrmann wusste ziemlich genau, wann er eine Erklärung abbrechen musste, wann ein Zuschauer auf der Bühne gerade interessanter war als der geplante Ablauf und wann die nächste Pfanne Aufmerksamkeit verlangte.
Am Ende hatte Mannheim einen Kochabend gesehen, bei dem erstaunlich viel gelacht wurde und eine Comedyshow, bei der tatsächlich etwas Essbares herauskam.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













