Bruce Dickinson bei der The Mandrake Project Tour beim Zeltfestival Rhein-Neckar Mannheim 2024

Bruce Dickinson in Mannheim: Solo-Metal mit voller Wucht

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Am 24. Juni 2024 gehörte das Palastzelt des Zeltfestival Rhein-Neckar einem Mann, dessen Stimme seit Jahrzehnten fest mit Heavy Metal verbunden ist. Bruce Dickinson machte mit seiner „The Mandrake Project Tour“ Station in Mannheim und brachte neben seinem neuen Solomaterial auch Stücke aus mehreren früheren Phasen seiner Karriere mit. Als Support eröffnete Dominum den Konzertabend auf dem Gelände des MVV Reitstadions. 

Für Dickinson war diese Tour mehr als ein Ausflug während einer Iron-Maiden-Pause. „The Mandrake Project“ war am 1. März 2024 erschienen, anschließend führte ihn eine mehrmonatige Solotour durch Amerika und Europa. Mannheim lag dabei zwischen Festivalauftritten in der Schweiz und dem Konzert im Münchner Circus Krone. 

Dominum eröffnen den Metal-Abend in Mannheim

Bevor Bruce Dickinson das Zelt übernahm, gehörte die Bühne Dominum. Die Band war für mehrere deutsche Termine der Tour als Support dabei und passte mit ihrem modernen Metal-Sound gut in den Abend. 

Danach wurde umgebaut. Die Instrumente standen bereit, die Beleuchtung wechselte, und mit Dickinson begann der Teil des Abends, auf den der Großteil des Publikums gewartet hatte.

Viel Anlaufzeit brauchte er nicht.

„Accident of Birth“ setzt sofort die Richtung

Mit „Accident of Birth“ ging es direkt in Dickinsons Solovergangenheit. Danach folgten „Abduction“ und „Laughing in the Hiding Bush“. Drei Songs, die deutlich machten, dass die Tour keineswegs ausschließlich als Präsentation des neuen Albums gedacht war.

Erst anschließend rückte „The Mandrake Project“ stärker in den Mittelpunkt. „Afterglow of Ragnarok“ verband schwere Gitarren mit dunkleren, atmosphärischen Passagen und zeigte gut, wie sich Dickinsons aktuelles Material neben seinen älteren Songs behauptete. In Mannheim folgte danach „Faith“, bevor „Chemical Wedding“ wieder weiter zurück durch seine Solodiskografie führte. 

Das Programm spannte damit einen ziemlich großen Bogen. Statt einfach die neue Platte durchzuspielen, stellte Dickinson verschiedene Abschnitte seiner Soloarbeit nebeneinander.

Dickinson braucht keine Iron-Maiden-Songs

Natürlich schwebte Iron Maiden über dem Abend. Das ließ sich bei dieser Stimme ohnehin kaum vermeiden.

Trotzdem brauchte Dickinson keinen einzigen Maiden-Klassiker, um das Zelt auf seine Seite zu ziehen. Seine Solokarriere liefert inzwischen genügend eigenes Material für ein vollständiges Konzert. Songs aus „Balls to Picasso“, „Skunkworks“, „Accident of Birth“, „The Chemical Wedding“, „Tyranny of Souls“ und dem aktuellen Album standen nebeneinander. 

Gerade „Tears of the Dragon“ gehörte zu den Momenten, bei denen sich die Dynamik veränderte. Dickinson nahm sich mehr Raum für die Melodie, bevor die Band das Stück wieder größer werden ließ.

Seine Stimme blieb dabei das Zentrum. Mal setzte er auf die hohen, durchdringenden Töne, die ihn seit Jahrzehnten prägen, mal ging er deutlich kontrollierter und ruhiger an die Songs heran.

Zwei Gitarren und eine starke Rhythmussektion

Dickinson stand mit einer sechsköpfigen Formation auf der Bühne. Philip Näslund und Chris Declercq übernahmen die Gitarren, Tanya O’Callaghan spielte Bass, Dave Moreno saß am Schlagzeug und Mistheria ergänzte die Band an den Keyboards. Näslund und Declercq waren erst Anfang 2024 offiziell für die Tourbesetzung bestätigt worden. 

Das Zusammenspiel funktionierte gerade bei den härteren Stücken gut. Die beiden Gitarren konnten unterschiedliche Aufgaben übernehmen, ohne dass die Songs überladen wirkten. O’Callaghan und Moreno hielten das Fundament kompakt, während Mistheria besonders in den atmosphärischeren Passagen zusätzliche Tiefe einbrachte.

Bei „Resurrection Men“ und „Rain on the Graves“ rückte dann wieder das aktuelle Album nach vorne. Danach kam mit „Frankenstein“ eine Überraschung: Dickinson und Band spielten ihre Version des Instrumentalstücks der Edgar Winter Group. 

„Darkside of Aquarius“ beendet das Hauptset

Mit „The Alchemist“ ging es noch einmal zurück zu „The Chemical Wedding“. Anschließend folgte „Darkside of Aquarius“, einer der großen Songs aus Dickinsons 1997er Soloalbum „Accident of Birth“. In Mannheim bildete das Stück den Abschluss des regulären Sets. 

Hier konnte sich die Band noch einmal ausbreiten. Gitarren, Keyboards und Dickinsons Stimme bauten den Song über mehrere Minuten auf, bevor zunächst Schluss war.

Das Publikum hatte allerdings wenig Interesse daran, den Abend bereits zu beenden.

Zwei Songs für die Zugabe

Für die Zugabe kam Dickinson zunächst mit „Navigate the Seas of the Sun“ zurück. Der Song vom Album „Tyranny of Souls“ nahm das Tempo deutlich heraus und setzte noch einmal einen anderen Akzent.

Danach folgte „The Tower“.

Mehr brauchte es nicht. Der Song aus „The Chemical Wedding“ setzte nach rund anderthalb Stunden den endgültigen Schlusspunkt unter den Mannheimer Abend. 

Bruce Dickinson hatte beim Zeltfestival keine Iron-Maiden-Show im kleineren Format abgeliefert. Genau darin lag die Stärke dieses Konzerts. Das Programm stand konsequent auf eigenen Beinen, wechselte zwischen mehr als 25 Jahren Solomaterial und ließ „The Mandrake Project“ genügend Platz, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.

Und im Palastzelt funktionierte diese Mischung verdammt gut.

Setlist Bruce Dickinson Mannheim 2024

  • Accident of Birth
  • Abduction
  • Laughing in the Hiding Bush
  • Afterglow of Ragnarok
  • Faith
  • Chemical Wedding
  • Tears of the Dragon
  • Resurrection Men
  • Rain on the Graves
  • Frankenstein
  • The Alchemist
  • Darkside of Aquarius

Zugabe:

  • Navigate the Seas of the Sun
  • The Tower 
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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