
Chako Habekost im Capitol Mannheim: Weihnachten uff Pälzisch
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Ein Dubbeglas auf dem Tisch, daneben Stuhl und Weinkübel. Mehr brauchte Christian „Chako“ Habekost an diesem Abend eigentlich nicht. Schon beim Betreten des Capitols begrüßte ein aufblasbarer Schneemann die Besucher, doch auf der Bühne blieb es bewusst reduziert. Am 11. Dezember 2014 feierte „(F)rohe Woinacht“ im Capitol Mannheim Premiere, und Chako machte von den ersten Minuten an klar, dass Besinnlichkeit bei ihm etwas anders funktioniert. Weihnachtsstress, Pfälzer Eigenarten, Kindheitserinnerungen und sprachlicher Irrsinn gingen ineinander über, während er fast allein mit Stimme, Mimik und seinem unverwechselbaren Kurpfälzisch den großen Saal beschäftigte.
Mir gefiel gerade diese Reduktion. Keine große Kulisse, keine Band, kein ständiger Wechsel von Requisiten. Chako stand vor einem und arbeitete mit Sprache. Beim Fotografieren musste man deshalb weniger auf spektakuläre Aktionen warten als auf sein Gesicht: hochgezogene Augenbrauen, ein schiefer Blick, die nächste Grimasse und Sekunden später schon wieder ein völlig anderer Ausdruck. Seine Pointen beginnen oft, bevor der eigentliche Satz zu Ende gesprochen ist.
„(F)rohe Woinacht“ feiert Premiere im Capitol Mannheim
Weihnachten ist bei Chako natürlich keine stille Nacht. Schon die Frage, warum es längst kernlose Melonen gibt, aber noch immer keinen Weihnachtsbaum, der seine Nadeln behält, führte schnurstracks in jene Welt, in der aus einer Yucca-Palme mit roten FCK-Teufelchen plötzlich eine brauchbare pfälzische Weihnachtsdekoration wird. Und wenn die dann noch vor dem Waldhof-Stadion steht, ist der lokale Konflikt gleich mitgeliefert. Mannheim und Pfalz lagen an diesem Abend sprachlich wieder sehr dicht beieinander.
Der Titel „(F)rohe Woinacht“ lieferte Chako natürlich die perfekte Vorlage. Aus Weihnachten wurde Woinacht, das Dubbeglas stand nicht zufällig auf der Bühne und der Wein bekam seinen festen Platz im Programm. Habekost arbeitete sich durch pfälzische Trinkgewohnheiten, gute Vorsätze und den ganz normalen Wahnsinn der Feiertage. Das Tempo war hoch. Kaum war eine Pointe angekommen, hing die nächste schon dran.
Kindheitserinnerungen treffen auf Pfälzer Weihnachtschaos
Besonders persönlich wurde es, wenn Chako seine eigenen Weihnachtserinnerungen auspackte. Maria, Josef und das Jesuskind waren in seiner Kindheit offenbar keineswegs dazu verdammt, ehrfürchtig in der Krippe stehen zu bleiben. Die Figuren wurden kurzerhand Teil der übrigen Spielzeugwelt, landeten zwischen Plastikfestung, Saloon und Carrera-Bahn. Genau solche Bilder funktionierten, weil viele im Publikum ihre eigene Kindheit darin wiederfinden konnten, auch wenn die Details bei Habekost naturgemäß etwas schräger gerieten.
Und Chako erzählte das nicht gemütlich aus einem Ohrensessel. Solo, direkt und ohne große Verkleidung ging es durch den Abend. Das passte zu ihm. Ein Mikrofon, ein paar wenige Dinge auf der Bühne und dieses enorme Tempo reichen, wenn jemand Sprache so auseinandernehmen und neu zusammensetzen kann. Später beschrieb Habekost selbst „(F)rohe Woinacht“ als Rückkehr zu seinen Wurzeln, bewusst ohne musikalische Begleitung und große Theaterrequisiten.
Von guten Vorsätzen bis zum Dubbeglas
Natürlich blieb es nicht bei Weihnachten. Der Jahreswechsel lag nah genug, um auch die guten Vorsätze gleich mit abzuräumen. Ernährung, Wassertrinken, gesellschaftliche Marotten und kulinarische Auswüchse wurden durch Chakos pfälzischen Filter geschickt. Aus zwei Litern Wasser am Tag werden in dieser Welt ziemlich schnell mehrere Schorle, und selbst gehobene Gastronomie ist vor seinen Wortspielen nicht sicher.
Genau da wird aus Mundart mehr als ein Gag. Habekost benutzt Pfälzisch nicht als Kostüm, das er für die Bühne überzieht. Er zerlegt Begriffe, hört auf ihre Laute, biegt Bedeutungen um und baut daraus die nächste Pointe. Wer aus Mannheim, der Vorderpfalz oder irgendwo aus der Rhein-Neckar-Region kommt, versteht manche Treffer wahrscheinlich noch eine Spur schneller. Man kennt diese Menschen. Manchmal leider ziemlich genau.
„Elwenfels“ schickt Hamburg in den Pfälzerwald
Für die Zugabe griff Chako schließlich noch zu einer anderen Geschichte und las aus „Elwenfels“, dem gemeinsam mit seiner Frau Britta Habekost entstandenen Pfalz-Krimi. Darin trifft der Hamburger Privatdetektiv Carlos auf den Pfälzerwald und erlebt einen Kulturschock, der natürlich reichlich Material für Habekosts Spiel mit Hochdeutsch und Dialekt liefert. Auch hier prallten zwei Welten aufeinander, und wie meistens bei Chako gewann am Ende die Pfalz.
Der 11. Dezember 2014 war damit mehr als irgendein Weihnachtsgastspiel. Im Capitol Mannheim begann an diesem Abend ein neues Programm, das anschließend durch die Rhein-Neckar-Region führte und sich über den Jahreswechsel zog. Die Premiere setzte dafür den Ton: wenig Bühnenballast, dafür viel Chako, viel Sprache und ein Dubbeglas, das ohnehin besser zum Mann passte als jeder künstliche Weihnachtsbaum.
Besinnlich? Stellenweise vielleicht. Pälzisch. Ganz sicher.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













