Dead by April in Mannheim am 11. März 2014 live auf der Bühne der Alten Seilerei

Dead by April in Mannheim: Zwischen Härte und großen Melodien

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Dead by April in Mannheim waren am 11. März 2014 genau zur richtigen Zeit in der Alten Seilerei. Nicht einmal einen Monat zuvor hatten die Schweden ihr drittes Album „Let the World Know“ veröffentlicht, nun stand das neue Material dort, wo es sich beweisen musste: auf einer kleinen Bühne, wenige Meter vor dem Publikum. Der Termin gehörte zu einer Europatour, die Anfang März in Kopenhagen gestartet war und Dead by April über Hamburg, Münster und Frankfurt nach Mannheim führte.

Für mich war schnell klar, warum diese Band in einem Club wie der Alten Seilerei funktioniert. Dead by April lebten 2014 von extremen Gegensätzen. Auf der einen Seite harte Gitarren, elektronische Elemente und die Screams von Christoffer Andersson, auf der anderen die sehr melodische Stimme von Zandro Santiago und Refrains, die teilweise fast wie moderner Pop aufgebaut waren. Dazwischen blieb kaum Luft. Gerade aus der Nähe wirkte dieser Wechsel deutlich stärker als auf Platte, weil man sehen konnte, wie schnell die Stimmung auf der Bühne von aggressiv zu melodisch kippte.

Dead by April bringen neuen Metalcore nach Mannheim

Die Alte Seilerei war an diesem Dienstagabend kein Ort für große Distanz. Wer vorne stand, bekam Dead by April unmittelbar mit, und das passte zu ihrer Musik. Die Band wirkte nicht wie fünf Musiker, die möglichst kontrolliert ihr Programm abarbeiten wollten. Bewegung gehörte dazu, ebenso der permanente Wechsel zwischen den beiden Stimmen. Christoffer Andersson brachte die scharfen, aggressiven Passagen, während Zandro Santiago sofort wieder Melodie hineinholte. Hinter ihnen verband Pontus Hjelm Gitarren mit elektronischen Sounds, Marcus Wesslén hielt am Bass dagegen und Marcus Rosell saß auf dieser Tour am Schlagzeug. Eine Woche später wurde dieselbe Besetzung bei der Show in Bochum dokumentiert.

Gerade beim Fotografieren war diese Dynamik spannend. Man musste ständig beobachten, wer im nächsten Moment nach vorne kam. Ein paar Sekunden konzentrierte man sich auf Andersson, dann verschob sich der Blick zu Santiago oder Hjelm. Das Licht, die Bewegung und die kompakte Bühne machten die Sache nicht unbedingt einfacher, aber genau deshalb entstehen bei solchen Clubshows oft die stärkeren Bilder. Alles passiert näher. Und schneller.

„Let the World Know“ war gerade erst erschienen

Das Konzert fiel mitten in eine wichtige Phase für Dead by April. „Let the World Know“ erschien am 12. Februar 2014, gerade einmal vier Wochen vor dem Mannheimer Auftritt. Es war zugleich das erste Album ohne den früheren Frontmann Jimmie Strimell und markierte damit hörbar einen Umbruch innerhalb der Band. Christoffer Andersson hatte die härteren Vocals übernommen, während Zandro Santiago weiterhin für die melodischen Parts zuständig war.

Musikalisch blieb die Grundidee trotzdem unverkennbar. Dead by April wollten Härte und Eingängigkeit direkt gegeneinanderstellen. „Beautiful Nightmare“, „Infinity x Infinity“, „Freeze Frame“, „As a Butterfly“, „Empathy“ oder der Titelsong „Let the World Know“ standen für genau diesen Ansatz. Beim Konzert am Vorabend in der Frankfurter Batschkapp nahm das neue Album einen großen Teil der Setlist ein; daneben blieben ältere Stücke wie „Within My Heart“, „What Can I Say“, „Angels of Clarity“ und „Promise Me“ im Programm. Eine vollständig belegte Setlist speziell für Mannheim liegt mir nicht vor, deshalb wäre es falsch, diese Reihenfolge einfach auf die Alte Seilerei zu übertragen.

Beneath My Feet eröffnen den Abend

Mit Beneath My Feet hatten Dead by April eine weitere schwedische Band im Tourpaket, die musikalisch ziemlich gut zum Hauptact passte. Die Musiker aus Luleå verbanden Metalcore mit Hardcore-Einflüssen, zwei unterschiedlichen Stimmen und melodischen Passagen. Sie begleiteten Dead by April auf diesem Abschnitt der Tour und standen auch bei mehreren der folgenden Deutschlandshows als Support auf der Bühne.

Damit bekam der Abend früh eine klare Richtung. Kein stilistischer Bruch, kein beliebig wirkender Opener. Schon bevor Dead by April übernahmen, war klar, dass es laut und körperlich werden würde. Und dann kamen diese typischen Gegensätze des Headliners dazu: harte Breaks, elektronische Flächen, Screams, plötzlich ein sauber gesungener Refrain. Auf dem Papier kann diese Mischung schnell konstruiert wirken. Live bekam sie deutlich mehr Druck.

Clubnähe statt großer Produktion

Was mir von solchen Konzerten in der Alten Seilerei besonders geblieben ist, war diese fehlende Sicherheitszone zwischen Band und Publikum. Bei Dead by April passte das hervorragend. Die Musik war modern produziert, teilweise sehr glatt und voller elektronischer Details, aber auf der Bühne wurde sie wesentlich rauer. Da stand niemand weit hinten im Lichtnebel einer riesigen Halle. Man sah Schweiß, Bewegungen, den Wechsel am Mikrofon und die Konzentration in den kurzen Momenten zwischen den Songs.

Dead by April waren 2014 außerdem eine Band im Umbruch. Neues Album, neuer Shouter, eine veränderte Besetzung und trotzdem eine klare musikalische Handschrift. Gerade deshalb wirkte der Auftritt in Mannheim nicht wie das Nachspielen alter Erfolge. Die Band war mitten in einer neuen Phase und brachte diese ohne große Umwege auf die Bühne.

Die Alte Seilerei Mannheim gab dem Ganzen genau den richtigen Rahmen. Kompakt, laut und nah. Wenn Andersson mit seinen Screams nach vorne ging und wenige Augenblicke später Santiago einen dieser großen melodischen Refrains darüberlegte, musste man nicht lange darüber nachdenken, was Dead by April ausmachte. Man hörte es direkt vor sich.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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